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Typgerechtes Marmeladen-Abo

Marmeladen-Fans aus ganz Deutschland lassen sich jeden Monat von Daily Marmelade handgemachten Marmeladen direkt nach Hause liefern. Foto: Focke Strangmann
Marmeladen-Fans aus ganz Deutschland lassen sich jeden Monat von "Daily Marmelade" handgemachten Marmeladen direkt nach Hause liefern. Foto: Focke Strangmann

Noch während ihrer Studienzeit haben zwei junge Bremer einen Abonnement-Service für Marmeladenfans aufgebaut. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Prinzip der zuverlässigen Überraschung.

"Die hat es in sich", sagt Marco Stolle, nachdem er von seinem Brötchen abgebissen hat. David Zacharias kaut und nickt. Die zwei sitzen einträchtig auf ihrem Bürosofa in der Bremer Überseestadt und testen ihre "Rotweincreme mit Marsala", die sie als eine von rund 75 verschiedenen Marmeladensorten an Abonnenten in ganz Deutschland und darüber hinaus verschicken. "Daily Marmelade" haben sie ihren Abo-Service genannt. Marmelade sei allerdings nur der umgangssprachliche Oberbegriff, stellen die beiden Kenner klar. Laut Lebensmittelrecht müssen sie ihre Produkte je nach Zusammensetzung als Gelees, Konfitüren, Cremes und Fruchtaufstriche bezeichnen. Mit dem Aufdruck "Marmelade" dürfen sie ausschließlich Brotaufstriche aus Zitrusfrüchten verkaufen.

Über eine Laufzeit von drei, sechs oder zwölf Monaten bekommen ihre Kunden alle vier Wochen ein geblümtes Paket mit einem neuen Glas zugesandt. Was genau darin ist, wissen sie vorher nicht. Im Online-Shop von Daily Marmelade können sie lediglich angeben, welcher Marmeladen-Typ sie sind. Vier Typen stehen dabei zur Wahl: Der "Klassiker" erhält Fruchtiges wie Himbeere, Erdbeere oder Beerenmix, der "Genießer" raffiniert Kombiniertes wie Birne-Apfel mit Vanille oder Maracuja-Creme mit weißer Schokolade und der "Entdecker" Exotisches wie Mango-Maracuja mit Chili. Hinzu kommt noch der "Geistreiche", für den ausschließlich Sorten "mit Schuss" vorgesehen sind, darunter die gerade von Stolle und Zacharias verspeiste Rotweincreme.

Auswahl nach Programm

Welche Sorte sie jeweils an welchen Abonnenten verschicken, entscheiden die Jungunternehmer mit Hilfe eines selbst programmierten Verfahrens. Die Auswahl hängt unter anderem davon ab, wie die Abnehmer die bisher probierten Sorten auf der Website benotet und welche Zutaten sie dort als unerwünscht angekreuzt haben, weil sie dagegen allergisch sind. Dass die beiden das virtuelle Geschäft beherrschen, zeigt sich auch an anderen Eigenarbeiten: "Die Texte, das Design des Internetauftritts, der Online-Shop, das Warenwirtschaftssystem, das alles stammt komplett von uns", sagt Marco Stolle.

Einen Teil des erforderlichen Wissens eigneten sich die Freunde schon während der Oberstufenzeit an einem Bremer Gymnasium an, die sie nicht nur mit dem Abitur, sondern auch als "Technische Assistenten für Informatik" abschlossen. Danach wandelten sie zunächst auf getrennten Wegen: Stolle studierte in Bremen "Digitale Medien" und Zacharias in Dresden "International Business". Während eines Frühstücks in seiner Studenten-WG verfiel Zacharias eines Tages auf die Idee mit dem Marmeladen-Abo. "Die Produkte sind nicht so teuer, gut zu verschicken, haltbar, einfach zu lagern und in vielen Sorten herstellbar", erläutert der 28-Jährige seine Beweggründe. "Und ein Abonnement hat den Vorteil, dass man die Kunden eine Zeit lang bindet und so vergleichsweise verlässliche Einnahmen hat."

Marmeladenglaswände im Wohnzimmer

Marco Stolle (l.) und David Zacharias gründeten Daily Marmelade noch während ihrer Studienzeit. Inzwischen ist aus dem studentischen Nebenverdienst ein einträgliches Unternehmen geworden. Foto: Focke Strangmann
Marco Stolle (l.) und David Zacharias gründeten Daily Marmelade noch während ihrer Studienzeit. Inzwischen ist aus dem studentischen Nebenverdienst ein einträgliches Unternehmen geworden. Foto: Focke Strangmann

2007 brachte David Zacharias das Angebot von Daily Marmelade zunächst mit einem anderen Partner auf den Markt. Die Gründer bastelten einen ersten Online-Shop und kürten eine Dame aus Berlin zu ihrer Lieferantin – bis dahin hatte sie ihre selbstgemachte Marmelade vor allem auf Wochenmärkten verkauft. Zacharias erzählt von raumgreifenden Marmeladenglasformationen im WG-Wohnzimmer und umsturzgefährdeten Kartonstapeln im Flur. "Am WG-Tisch haben wir die Pakete gepackt, um sie dann mit dem Fahrrad zur Post zu bringen."

Zwei Jahre später waren die Abo-Zahlen so weit angestiegen, dass die Dame aus Berlin nicht mehr mit dem Einkochen hinterherkam. Die Studenten fanden eine kleine Manufaktur in Nordrhein-Westfalen, die seither für Daily Marmelade die verschiedenen Marmeladen, Fruchtaufstriche, Gelees und Cremes herstellt – in traditioneller Handarbeit und frei von Konservierungsstoffen und künstlichen Aromen.

Nach einem inspirierenden gemeinsamen Auslandssemester in Budapest taten sich die Schulfreunde Stolle und Zacharias 2010 als Geschäftspartner zusammen und verpflanzten die Firma nach Bremen. In der Folge überarbeiteten sie das Konzept, gestalteten den Online-Shop um und mieteten ein Lager sowie schließlich auch ein eigenes Büro in der Überseestadt, Bremens neu entstehendem Quartier direkt an der Weser. Beim Schritt von der studentischen Nebentätigkeit in die vollberufliche Selbstständigkeit half ihnen die Teilnahme am Bremer Programm zur Förderung von Unternehmensgründungen (BRUT), das sich unter anderem an Hochschulabgänger richtet. Um nicht allein vom Marmeladengeschäft abhängig zu sein, legten sie sich noch ein zweites Standbein zu: Unter dem Namen "werk85" bieten sie ihren Kunden maßgeschneiderte Drucksachen, Webseiten und Shopsysteme an.

"Durch die finanzielle Förderung, die Coachings, die Seminare und den Austausch mit anderen Existenzgründern haben wir einen spürbaren Schub bekommen", findet Marco Stolle. So hätten sie mittlerweile auch Firmen als Zielgruppe für sich entdeckt, die ihre Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten mit einem Marmeladen-Abo beschenken wollen. "Die Zahl der Abonnenten bewegt sich zurzeit bei 800 und nimmt beständig zu", sagt David Zacharias. "Das Weihnachtsgeschäft macht fast 50 Prozent des Jahresumsatzes aus und der Muttertag ist ebenfalls stark." Um den Umsatz weiter anzukurbeln, setzt das Duo auf vergleichsweise kostengünstige und effektive Werbemaßnahmen, auf Gewinnspielkooperationen mit Radiosendern etwa und auf Mund-zu-Mund-Werbung. Die Facebook-Gemeinde von Daily Marmelade trägt den Abo-Gedanken in die Welt. "Wir haben viel Energie in die Entwicklung des Unternehmens gesteckt", sagt Marco Stolle. "Und jetzt fängt unsere Arbeit an, Früchte zu tragen."

Mehr unter www.daily-marmelade.de und www.brut-bremen.de

5.851 Zeichen, Autorin: Astrid Funck

Pressekontakt:

David Zacharias

E-Mail: hello[at]daily-marmelade.de

Erstellungsdatum: 23.01.2013