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Kurzfassung: Vom Windrad zum Leuchtturm

Rolf Rohden in seinem Heiligsten: dem Maschinenraum der LEV Taifun. Foto: Wolfgang Heumer
Rolf Rohden in seinem Heiligsten: dem Maschinenraum der "LEV Taifun". Foto: Wolfgang Heumer

Ingenieurbüro. Das klingt nach langen Zahlenkolonnen, aufwendigen Zeichnungen und vielen technischen Details. Und ist falsch. Zumindest im Fall des Bremerhavener Ingenieurbüros Innoven. Das Start-up entwickelt erfrischende Ideen für Windkraftindustrie und Schifffahrt – und bringt zudem noch Gäste zu Deutschlands einsamstem Hotel, dem Leuchtturm Roter Sand.

Im Berufsleben von Rolf Rohden ist zweierlei unverzichtbar. Zum einen ist es, "der Freiraum, innovative Ideen zu entwickeln und sie auch umzusetzen", wie er sagt. Und zum anderen ist es seine Frau Martina Kuhlmann, "die Ideen kritisch hinterfragt und mich auf den Boden der Realität zurückholt, wenn die Gedanken zu innovativ für die Gegenwart werden sollten". Beides scheint zu funktionieren. Denn immerhin hat das von den beiden erst vor zwei Jahren gegründete Ingenieurbüro Innoven in Bremerhaven schon 16 feste und freie Beschäftigte. Doch nicht der schnelle Erfolg ist das Besondere des Start-up-Unternehmens, sondern die Bandbreite seiner Aktivitäten. Von denen profitieren sogar Bremerhaven-Touristen: Mit dem Beginn der neuen Saison wollen Rolf Rohden und Martina Kuhlmann dafür sorgen, dass nach drei Jahren Zwangspause endlich wieder Ausflugsfahrten zum legendären Leuchtturm Roter Sand möglich werden.

Martina Kuhlmann und Rolf Rohde verfügen über langjährige Berufserfahrung in der Industrie, haben sich dort unter anderem mit Windenergie und ihrer Nutzung beschäftigt. Sie ist Physikerin, er ist Schiffsingenieur. Dann wollte er "etwas ganz Neues" anfangen.

"Etwas ganz Neues" – das kann für Rolf Rohden auch etwas ganz Altes sein. Das zeigt sich schon an seinem Firmensitz: Innoven residiert in der Halle eines traditionsreichen Netzmachers in Bremerhaven. Rohden hat eine besondere Nähe zu solchen Hafenstandorten. Er stammt aus einer Seefahrer-Familie und ist selbst zur See gefahren, bevor er mit der Windkraft-Industrie zu tun bekam. Das spiegelt sich auch im Leistungsspektrum seiner Firma wider. Eines der Kernthemen ist, die Energieeffizienz von Schiffen zu steigern.

Martina Kuhlmann an Deck der LEV Taifun. Das Schiff wird liebevoll restauriert und transportiert Gäste zum Leuchtturm Roter Sand. Foto: Wolfgang Heumer
Martina Kuhlmann an Deck der "LEV Taifun". Das Schiff wird liebevoll restauriert und transportiert Gäste zum Leuchtturm Roter Sand. Foto: Wolfgang Heumer

Der zweite Schwerpunkt von Innoven – die Windenergie – hat gewisse Gemeinsamkeiten mit der Schifffahrt. Mehrere Jahre arbeitete Rohden beim Germanischen Lloyd; längst setzt der Schiffsklassifizierer die Standards nicht nur für die maritime Wirtschaft, sondern auch für die Windbranche und speziell für deren Offshore-Aktivitäten. Rohden entwickelt jetzt Anlagenkomponenten genauso wie komplette Anlagen und – eine weitere Parallele zum maritimen Aufgabenfeld – optimiert Windenergieanlagen und Rotorblätter für eine höhere Energieausbeute.

Rohden hat Ideen, sieht etwas – beispielsweise ein Windrad – und denkt sofort darüber nach, wie man es verbessern könnte. Dabei ist ihm durchaus klar, dass es Unternehmen nur selten dauerhaft gut bekommt, wenn der Chef ständig in der Zukunft lebt und neue Ideen verfolgt. Für Innoven ist es deshalb gut, dass Rohden in seiner Frau ein Korrektiv hat. Martina Kuhlmann trägt zum gemeinsamen Unternehmen ihre Erfahrungen im Projektmanagement, ihre Fachkenntnisse als Physikerin und vor allem die grundsätzliche Skepsis von Wissenschaftlern bei, die es gewohnt sind zu hinterfragen.

Martina Kuhlmann managt das Unternehmen der beiden. Projektpläne, Förderanträge – all das, was zu einem geordneten Unternehmensverlauf dazu gehört, ist ihr Part. Zu den vielfältigen Planungsaufgaben kommt jetzt noch eine weitere hinzu. Denn das Ingenieurbüro wird auch noch Schifffahrtslinie. Anfang 2012 hat Innoven den 50 Jahre alten Tonnenleger "Johann Georg Repsold" gekauft, den die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung ausmustern wollte. Unter dem Namen "Lev Taifun" wird der Tonnenleger nun das Arbeitsschiff von Innoven. "Damit können nicht wir nur Material und Messgeräte zu Offshore-Windenergieanlagen bringen", sagt Rolf Rohden, "sondern unsere Entwicklungen aus dem Schifffahrtsbereich in der Praxis erproben." "LEV" steht für Low Emission Vessel – ein Schiff mit geringen Belastungen für die Umwelt.

Die "LEV Taifun" wird aber nicht nur ein Arbeitsschiff, sondern auch ein "Ausflugsdampfer". Der 41 Meter lange Ex-Tonnenleger wird künftig Tages- und Übernachtungsgäste zum Leuchtturm Roter Sand bringen. Für Martina Kuhlmann und Rolf Rohden ist dies eine willkommene Gelegenheit, den Betriebskosten des Schiffes eine zusätzliche Einnahmequelle entgegenzusetzen. Und für den Tourismus in Bremerhaven löst das Schiff ein großes Problem: Nach dem Ausfall des bisherigen Versorgungsschiffes konnte Deutschlands einsamstes Hotel keine Gäste mehr aufnehmen. Selbst Tagesausflüge zu dem maritimen Baudenkmal in der Wesermündung waren nicht mehr möglich.

Ganz nebenbei zählt der Leuchtturm Roter Sand gewissermaßen zu den technischen Wurzeln des jungen Ingenieurbüros: Der über 100 Jahre alte Turm gilt als erstes modernes Offshore-Bauwerk und damit sozusagen als Urvater der Offshore-Technologie, mit der sich Innoven befasst.

Mehr unter www.innoven.de

4.915 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Martina Kuhlmann

E-Mail: info[at]innoven.de

Erstellungsdatum: 23.01.2013