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Kurzfassung: Dem Regen verbunden

Till Finger ist einer der letzten seiner Zunft: Der Bremer übt das Handwerk des Schirmmachers aus. Foto: Focke Strangmann
Till Finger ist einer der letzten seiner Zunft: Der Bremer übt das Handwerk des Schirmmachers aus. Foto: Focke Strangmann

"Wenn es richtig toll regnet..." – es gibt nicht viele Menschen, die einen Satz derart beginnen. Till Finger schon. Der Regen ist sein Geschäft. Der Bremer ist einer der letzten Regenschirmmacher Deutschlands.

Dem 33-Jährigen ist der Beruf mehr oder weniger in die Wiege gelegt worden. Sein Ur-Ur-Urgroßvater hatte im 19. Jahrhundert eine Schirmfabrik in Hamburg aufgebaut, die bis 1993 in der Familie weitergereicht wurde. Heute ist er einer von wenigen Spezialisten bundesweit, die diesem Handwerk noch nachgehen. Was er an seinem Beruf schätzt? "Ich bin Designer, Schirmmacher, Konstrukteur, Verkäufer und Einkäufer in einem."

Sein Geschäft in der Bremer Innenstadt wird auch an diesem trockenen Montagmorgen von Laufkundschaft frequentiert. Da ist die junge Mutter, die nur mal stöbern will, die Frau, die einen handlichen Knirps sucht und die ältere Dame, die mit ihrem 40 Jahre alten Schirm und der Hoffnung hereinkommt, der Regenschirmmacher könne ihn wieder reparieren. Reine Nostalgie, sagt die Dame, aber das gute Stück sei ihr heilig, ein Geschenk der Mutter. Finger nimmt ihn in die Hand, ein paar Handgriffe später sagt er: "Den kriege ich wieder hin." Der Abholschein wandert über den Tresen.

Der Schirm wird später an einem kleinen, rustikalen Holztisch bearbeitet, der neben dem Tresen steht. Darauf befinden sich Brenner, Zangen und Einzelteile. Hinten an der Wand steht ein Schubladenregal, beschriftet mit Etiketten wie "Kronen lang", "Zwingen", "Schieber" und "Griffe". Ein Ersatzteillager für Schirme, die in der Regel aus rund 70 Einzelteilen bestehen, bei den automatischen sind es über 100, erklärt Finger.

Der Beruf wurde Till Finger quasi in die Wiege gelegt: Sein Ur-Ur-Urgroßvater gründete im 19. Jahrhundert eine Schirmfabrik. Foto: Focke Strangmann
Der Beruf wurde Till Finger quasi in die Wiege gelegt: Sein Ur-Ur-Urgroßvater gründete im 19. Jahrhundert eine Schirmfabrik. Foto: Focke Strangmann

Ein, zwei Regenschirme baut er pro Woche selbst – dann, wenn Kunden etwas wirklich Eigenes haben wollen. Das schönste Einzelstück, das er je gefertigt habe, hatte einen Griff aus Sterlingsilber und einen Stock aus Ebenholz, sagt Finger. Nur hochwertige Materialien kamen zum Einsatz, entsprechend stieg der Wert des Objekts wie bei einem Sammlerstück: 1.500 Euro bezahlte der zufriedene Kunde am Ende für sein Unikat.

Was hat sich geändert seit Ur-Ur-Urgroßvaters Zeiten? Am Handwerk eigentlich nichts, sagt Till Finger. Der klassische Sonnenschirm für die Dame verkauft sich heute kaum, obwohl sich Finger an eine kurze Welle verstärkter Nachfrage erinnert: "Als die Medien vermehrt über das Ozonloch schrieben, stieg auch die Nachfrage nach Sonnenschirmen."

Billigprodukte haben die Nachfrage nach handwerklich gefertigten Regenschirmen minimiert, ent-sprechend klein ist die Branche in Deutschland geworden. Dass sein Metier dem Aussterben anheimfallen könnte, glaubt Till Finger jedoch nicht. Wetterfeste Regenschirme würden auch in Zukunft nachgefragt, da ist sich der Schirmmacher sicher. Vor allem dann, "wenn es richtig toll regnet".

Mehr unter www.regen-schirme.com

2.784 Zeichen, Autorin: Astrid Labbert

Pressekontakt:

Till Finger

Schirm Finger

E-Mail: schirmfinger[at]aol.com

Erstellungsdatum: 23.01.2013