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Wenn die Wurst aus dem Toaster springt

Vom improvisierten Designprojekt im Maschinenbau-Studium zur erfolgreichen Geschäftsidee: Kreativunternehmer Felix Rennies stellt den Wursttoaster vor. Foto: Thomas Joppig
Vom improvisierten Designprojekt im Maschinenbau-Studium zur erfolgreichen Geschäftsidee: Kreativunternehmer Felix Rennies stellt den Wursttoaster vor. Foto: Thomas Joppig

Die Bremer smartwurst GmbH brät Wurst auf ganz besondere Art: in einem speziellen Toaster. Das kultige Gerät findet immer mehr Abnehmer.

Gute Ideen kommen oft ganz spontan, der vielzitierte Geistesblitz schlägt in den ungewöhnlichsten Situationen ein. Zum Beispiel, wenn man vergesslich war und plötzlich spontan improvisieren muss. Felix Rennies weiß das nur zu gut. Der heute 27-Jährige hat Maschinenbau mit Schwerpunkt Produktentwicklung und Design in Emden studiert – und saß eines Tages unvorbereitet in einer Vorlesung. Er hatte vergessen, sich ein Designprojekt zu überlegen, das er an diesem Tag vorstellen sollte.

Dass er in dieser Situation plötzlich an die schlecht gegrillte Bratwurst denken musste, die er an einem Würstchenstand in London gegessen hatte, kann wohl rückwirkend als glückliche Fügung bezeichnet werden. Wie wäre das eigentlich, wenn man den Grill quasi um die Wurst herumwickeln würde, so dass sie an allen Seiten gleichmäßig braun wird, fragte sich Rennies – und kam schnell darauf, wie so ein Gerät aussehen müsste: Wie ein Toaster, in den man die Wurst senkrecht hineinstellt. Ein Wursttoaster eben.

Kein triefendes Fett, keine schwarze Stellen

"Als ich meine Idee vorgestellt habe, waren meine Mitstudenten gleich Feuer und Flamme", erinnert sich Rennies. Motiviert machte er sich an die Arbeit, entwickelte am Computer Entwürfe und nahm schließlich einen herkömmlichen Toaster auseinander, weil er die sogenannten Widerstandsheizdrähte, die das Brot rösten, für seinen ersten Wursttoaster benötigte. "Das war schon eine ganz schöne Tüftelei", sagt Rennies und schmunzelt. Doch die Mühe lohnte sich: Die Wurst, die nach einigen Fehlversuchen aus dem Toaster sprang, schmeckte. Keine schwarzen Stellen, kein triefendes Fett, die Pelle schön knusprig – so sollte es sein.

Schnell wurde ihm klar, dass der Wursttoaster nicht nur ein Studienprojekt, sondern auch eine Geschäftsidee sein könnte. Nun sitzt Felix Rennies in einem Büro im Gewerbegebiet am Bremer Flughafen. Gemeinsam mit Marco Bruns (29), einem studierten Betriebswirt, hat er sich Anfang 2011 mit der Firma smartwurst GmbH selbstständig gemacht. Die beiden Oldenburger verbindet eine langjährige Freundschaft – und die Leidenschaft für gut gegrillte Bratwurst. Seit Anfang 2012 sind sie mit dem Wursttoaster am Markt.

Bremen haben sie als Firmenstandort gewählt, "weil es hier viele Fördermöglichkeiten und gute Netzwerke für Existenzgründer gibt", sagt Rennies. Geholfen haben ihnen zum Beispiel die Ideenlotsen, eine Gründungsberatung für die Kreativwirtschaft. Die Bremer Aufbau-Bank stellte ihnen günstige Kredite zur Verfügung und die Wirtschaftsförderung Bremen vermietete ihnen für 200 Euro Monatsmiete einen Büroraum im Gründerzentrum.

"Wir haben im Bremer Umland Firmen gefunden, die die Elektronik und das Stahlgehäuse für uns bauen", sagt Rennies. "Uns wurde schnell bewusst, dass ein solches Gerät vor allem für Gewerbebetriebe interessant sein könnte. Denn wir wollten einen hochwertigen Toaster in vergleichsweise kleiner Stückzahl produzieren lassen. Und das kostet eben."

Die Bratwurst von der Tanke

Bei der smartwurst GmbH geht’s um die Wurst: Rund 400 Wursttoaster hat das Jungunternehmen letztes Jahr an Betriebe verkauft – einer steht sogar in einem deutschen Café in der Mongolei. Foto: Thomas Joppig
Bei der smartwurst GmbH geht’s um die Wurst: Rund 400 Wursttoaster hat das Jungunternehmen letztes Jahr an Betriebe verkauft – einer steht sogar in einem deutschen Café in der Mongolei. Foto: Thomas Joppig

Also suchten Felix Rennies und Marco Bruns nach Gewerbebetrieben, die Snacks anbieten. Vor allem solche, die es nebenbei tun: Tankstellen, Kneipen und Kioske, aber auch Indoor-Spielplätze, Kartbahnen, Wasserskianlagen oder Spielotheken. Mit Erfolg: Rund 400 Wursttoaster haben sie im vergangenen Jahr an Betriebe verkauft – zum Stückpreis von 985 Euro plus Mehrwertsteuer.

"Unsere Kunden sind vor allem Betriebe, für die sich ein eigener Grill mit Dunstabzugshaube nicht lohnt", sagt Rennies. "Wenn sie Snacks anbieten wollen, muss die Zubereitung so einfach wie möglich sein. Ein Kassierer im Tankstellenshop hat schließlich keine Zeit, ständig Würstchen umzudrehen." Einer der Wursttoaster steht seit ein paar Monaten sogar in einem deutschen Café in der Mongolei. Ansonsten kommen die meisten Kunden aus allen Teilen Deutschlands – nur Thüringen ist bislang ein weißer Fleck auf der Wursttoaster-Landkarte. "Die Thüringer sind sehr stolz auf ihre Bratwurst – und sehr skeptisch, weil wir nicht auf Holzkohle braten", sagt Rennies. "Aber immerhin habe ich auf einer Messe schon mal einen Thüringer dazu gebracht, unsere Wurst zu probieren, und bekam am Ende ein ‚Schmeckt gar nicht so schlecht’ zu hören."

Die beiden Firmengründer haben sich den Toaster patentrechtlich schützen lassen. Wenn sie Fremden von ihrem Beruf erzählen, ernten sie die unterschiedlichsten Reaktionen. "Manche finden es völlig schräg", sagt Rennies. "Andere sind total begeistert und fragen sich, warum so etwas nicht schon viel früher erfunden wurde."

Der Toaster kann zwei Würste gleichzeitig braten und braucht dafür etwa dreieinhalb bis viereinhalb Minuten – je nachdem wie dick sie sind und wie braun die Wurst werden soll. Besonders eilige Kunden ordern Packungen mit vorgegrillten Würsten. "Dadurch reduziert sich die Grillzeit um 45 Sekunden", weiß Rennies. Wie braun die Wurst werden soll, wird an einem Drehknopf eingestellt. Auf einer Digitalanzeige kann der Benutzer sehen, wie lange es noch dauert, bis die Wurst aus dem Toaster springt.

Humorvolle Werbung

Auf vielen Gastronomie-Messen sind die beiden Jungunternehmer mit einem eigenen Stand vertreten, um ihren Wursttoaster bekannter zu machen. Sie haben einen Mitarbeiter eingestellt, der sich ums Marketing kümmert – und setzen vor allem auf amüsante Werbung. In einem Internetvideo ist beispielsweise ein Schmied zu sehen, der zunächst schwitzend auf einen Amboss mit glühendem Stahl einhämmert – und am Ende einen fertigen Wursttoaster aus einem dampfenden Wasserkessel zieht. Plakate spielen humorvoll mit Geschlechterklischees. Eines zeigt das sogenannte "Herrengedeck", bestehend aus Currywurst und Bier, ein anderes die "Damenwahl": eine liebevoll mit Senf verzierte Bratwurst im Brötchen sowie ein Glas Sekt.

Herzstück der Firma ist ein großer Kühlschrank mit vielen Wurstpackungen. "Der ist besonders bei unseren Praktikanten sehr beliebt", sagt Rennies. "Bei uns hospitieren vor allem Leute, die sich für Produktmarketing interessieren. Wir sind eine junge Firma ohne eingefahrene Strukturen. Man kann hier vieles ausprobieren. Das ist das Schöne. Auch für uns." Nichtsdestoweniger sind die beiden Firmengründer fest von ihrer Geschäftsidee überzeugt. Schließlich geht es bei ihnen buchstäblich um die Wurst.

Mehr unter www.wursttoaster.com

6.397 Zeichen, Autor: Thomas Joppig

Pressekontakt:

smartwurst GmbH

Felix Rennies/Marco Bruns

E-Mail: kontakt[at]wursttoaster.com

Erstellungsdatum: 26.02.2013