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Kurzfassung: Ein Reihenhaus auf dem Windkraft-Teststand

Das Bremerhavener Unternehmen AREVA Wind stellt Gondel und Turm der Windenergieanlage auf den Prüfstand und findet jeden noch so winzigen Fehler, bevor die leistungsstarke Windenergieanlage im Offshore-Windpark aufgestellt wird. Foto: Wolfgang Heumer
Das Bremerhavener Unternehmen AREVA Wind stellt Gondel und Turm der Windenergieanlage auf den Prüfstand und findet jeden noch so winzigen Fehler, bevor die leistungsstarke Windenergieanlage im Offshore-Windpark aufgestellt wird. Foto: Wolfgang Heumer

Wer beim Stichwort Prüfstand an Testanlagen wie beim TÜV denkt, lernt in Bremerhaven andere Dimensionen kennen. Das Unternehmen AREVA Wind betreibt dort das einzige Prüfzentrum weltweit für komplette Windenergieanlagen (WEA). Jede einzelne davon ist fast so groß wie ein Reihenhaus und wiegt so viel wie 200 Mittelklassewagen.

Die Ansammlung weiß getünchter Gebäude auf der Freifläche im Bremerhavener Fischereihafen wirkt von weitem wie eine Reihenhaussiedlung, deren einzelne Häuser eine rot umrandete Terrasse auf dem Dach tragen. Gleich neben der "Siedlung" ragt ein graues Hallen-Hochhaus in den Himmel. Gerade wird eines der "Häuser" in die Halle geschoben. Was auf den ersten Blick befremdlich wirkt, hat eine einfache Erklärung: Bei den Gebäuden handelt es sich um die sogenannten Gondeln an der Spitze von Windkraftanlagen. Hergestellt werden sie bei dem Windradproduzenten AREVA Wind. "In der Halle befindet sich der Prüfstand, in dem jede einzelne Anlage unter Volllast-Bedingungen überprüft wird", erläutert Lars Rother, Leiter des weltweit einzigartigen Prüfzentrums.

Windenergieanlagen (WEA) für den Einsatz auf hoher See sind eine Klasse für sich. Nicht nur, weil sie besonders groß oder effizient sind. "Sie müssen erheblich zuverlässiger sein als vergleichbare Anlagen an Land", sagt Lars Rother, "denn weit draußen auf dem Meer kann nicht für jede Kleinigkeit ein Mechaniker vorbeikommen." Das betrifft auch die M5000 von AREVA Wind, die als die einzige speziell für den Offshore-Einsatz entwickelte WEA der Fünf-Megawatt-Klasse gilt. Die Gondel, die gerade in die Halle bugsiert wird, ist bereits die zweite Anlage, die in dieser Woche zum 72-Stunden-Test auf den Prüfstand gebracht wird. "Jede Anlage, die bei AREVA Wind hergestellt wird, muss diese Prüfung absolvieren", betont Rother. Auf dem Prüfstand von der Größe eines Flugzeughangars sucht das Team des Prüfstandes nach Fehlerquellen, die möglicherweise nur Bruchteile von Millimetern groß sein können.

Windenergieanlagen für den Einsatz auf hoher See müssen besonders zuverlässiger sein, weil sie größer und effizienter sind und weil weit draußen auf dem Meer kein Mechaniker für jede Kleinigkeit vorbeikommen kann. Foto: Wolfgang Heumer
Windenergieanlagen für den Einsatz auf hoher See müssen besonders zuverlässiger sein, weil sie größer und effizienter sind und weil weit draußen auf dem Meer kein Mechaniker für jede Kleinigkeit vorbeikommen kann. Foto: Wolfgang Heumer

Der Prüfstand ist nicht die einzige Testanlage dieser Art in Bremerhaven. Die Seestadt hat sich binnen weniger Jahre zu einem Zentrum der Windenergie-Industrie entwickelt, die inzwischen weit mehr als 2000 Beschäftigte zählt. Angezogen wurden die großen Unternehmen auch von der Forschungskompetenz, die innerhalb von nicht einmal zehn Jahren in Bremerhaven entstand. Darunter ist seit 2001 auch AREVA Wind, Tochterunternehmen des französischen Energieriesen AREVA, das inzwischen 700 Mitarbeiter beschäftigt und vor einiger Zeit seinen Hauptsitz in Bremen eröffnete. Nur wenige Kilometer von AREVA Wind in Bremerhaven entfernt ist das IWES Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik ansässig, das auf zwei gigantischen Rotorblatt-Prüfständen bis zu 90 Meter lange "Flügel" buchstäblich auf Biegen und Brechen in monatelangen Belastungsprüfungen testet.

Die AREVA Wind-Experten verlassen sich nicht nur auf die instrumentale Kontrolle: "Zwischen den einzelnen Abschnitten untersuchen wir bewegliche Teile mit dem Endoskop auf mögliche Verschleißspuren", berichtet Rother aus seinem Arbeitsalltag. Selbst wenn die Abweichungen nur Bruchteile von Millimetern messen, "entgehen sie uns nicht", so Rother.

Noch ist die Produktionskapazität des Werkes in Bremerhaven nicht ganz ausgelastet. Aber die Offshore-Windkraftnutzung läuft ja auch gerade erst an. AREVA ist für den Tag bereits vorbereitet, an dem im ersten Prüfstand die Jahreskapazität von 100 Prüfungen erreicht ist. Nebenan wurde bereits das Fundament für einen zweiten Prüfstand angelegt.

Mehr unter www.areva-wind.com

3.582 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

AREVA Wind

Heike Winkler

E-Mail: heike.winkler[at]areva.com

Erstellungsdatum: 26.02.2013