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Kurzfassung: Die Drehscheibe rotiert wieder

Europas größter Automobilterminal befindet sich in Bremerhaven. Auf der 2,4 Millionen Quadratmeter großen Verkehrs- und Stellfläche vollbringen Hafenarbeiter täglich logistische Meisterwerke. Foto: Wolfgang Heumer
Europas größter Automobilterminal befindet sich in Bremerhaven. Auf der 2,4 Millionen Quadratmeter großen Verkehrs- und Stellfläche vollbringen Hafenarbeiter täglich logistische Meisterwerke. Foto: Wolfgang Heumer

Aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise ging es auf Europas größtem Automobilterminal zeitweilig ruhiger zu. Doch nun vollbringen die Hafenarbeiter in Bremerhaven wieder logistische Meisterwerke: Alle 20 Sekunden bewegen sie rund um die Uhr einen Neuwagen – und dazwischen noch Tausende von Spezialfahrzeugen, Baggern, Kränen und sogar Hubschraubern.

Jeder andere als Fabian Goiny würde aus dem Staunen über das Angebot an Neuwagen nicht herauskommen, das ihm jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit ins Auge sticht. "Ich sehe praktisch jedes Modell der deutschen Hersteller, dazu die führenden Marken aus Korea, jede Menge Sonderanfertigungen, Spezialfahrzeuge und sogar Oldtimer oder Autos, die erst in einem halben Jahr in den Handel kommen", sagt der 30-Jährige: "Und das in jeder Farbe und Ausstattung und in Riesenmengen."

Als Operator und Supervisor gehört Goiny zu den Spezialisten, die Europas größte Autodrehscheibe rund um die Uhr ins Rotieren bringen. 2,15 Millionen Fahrzeuge wurden hier in 2012 bewegt – und alles spricht dafür, dass dieses Rekordergebnis 2013 noch einmal übertroffen wird.

Noch vor eineinhalb Jahren hätte es niemand für möglich gehalten, dass die Fahrzeug-Drehscheibe Bremerhaven wieder derartig schnell rotiert. Als Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise hatte die Automobilbranche weltweit kräftig auf die Bremse treten müssen. Dass die Bremerhavener eher wieder Gas geben konnten als die Wettbewerber, ist Ergebnis ihrer Marktpositionierung: Der Autoterminal ist sowohl auf Import- als auch auf Exportfahrzeuge ausgerichtet. Das macht ihn für die Reeder wirtschaftlich interessant, da sie den Hafen immer mit vollen Schiffen ansteuern und wieder verlassen und so kaum teure Leerfahrten riskieren. Deswegen schicken sie möglichst häufig ihre Schiffe an die Weser. Die hohe Abfahrtfrequenz macht den Hafen für die Hersteller wiederum interessant, weil ihre Autos nicht lange im Hafen herumstehen. Das senkt die Kapitalbindung und freut die Kunden, die dann nicht so lange auf ihre Autos warten müssen.

Als Operator und Supervisor gehört Fabian Goiny zu den Spezialisten des Autoterminals in Bremerhaven, der auf Import- und Exportfahrzeuge ausgerichtet ist. Foto: Wolfgang Heumer
Als Operator und Supervisor gehört Fabian Goiny zu den Spezialisten des Autoterminals in Bremerhaven, der auf Import- und Exportfahrzeuge ausgerichtet ist. Foto: Wolfgang Heumer

Die BLG ist der europäische Marktführer in Sachen Fahrzeug-Logistik, der mit 1.400 eigenen Eisenbahnwaggons und mehr als 500 Autotransportern alle großen Hersteller betreut und mehr als 7.000 Händler in Europa mit Fahrzeugen versorgt. Für die Hersteller übernimmt die BLG dabei nicht nur den Umschlag, sondern auch die Logistik für den Im- und Export, das Supply Chain Management für die internationalen Produktionsstandorte deutscher Hersteller und die Aufbereitung der Fahrzeuge, die bereits in Bremerhaven für die Auslieferung an den Kunden vorbereitet werden. Auch das sprach in Zeiten der Krise zusätzlich für den Standort Bremerhaven: Aus den ersten asphaltierten Parkplätzen im Hafen ist der größte Autoterminal Europas geworden. Mit einer Verkehrs- und Stellfläche von 2,4 Millionen Quadratmetern – das sind fast 500 Fußballplätze – kann er 110.000 Fahrzeuge gleichzeitig aufnehmen.

Die BLG setzt zur Steuerung des Terminals zwei leistungsstarke, speziell für Bremerhaven entwickelte Datensysteme ein. "C@rin" (Car Integrated Network) und "JC@rs" (Java Car System) steuern alle Abläufe im Umschlagsbetrieb. Als Supervisor steht Fabian Goiny mitten in diesem Gewusel und behält den Überblick. Läuft der Umschlag nach Plan? Arbeiten alle Fahrer innerhalb der vorgegebenen Produktivität? Wenn es irgendwo stockt, greift Goiny entweder direkt ein oder sorgt dafür, dass ein Fachmann hilft.

Auch die übrigen Fahrer, die im Zwei-Schicht-Betrieb im Einsatz sind, wurden speziell auf ihre Arbeit in sechswöchigen Lehrgängen vorbereitet: "Hier werden schließlich richtige Werte bewegt", meint Goiny und blickt auf mehrere Reihen von Luxuskarossen aus München, Stuttgart und Zuffenhausen.

In die Versuchung, einmal richtig Gas zu geben, kommt niemand angesichts der Konzentration, die der Job erfordert. Und wenn doch? "Die Autos haben alle eine Transportsicherung und können nicht schneller als 30 km/h fahren", weiß Goiny. "Wegfahren ist unmöglich", ergänzt er. "Nicht nur weil der Terminal hermetisch abgeriegelt ist. Die Autos haben auch nur Sprit für maximal zehn Kilometer im Tank."

Mehr unter www.blg.de

4.152 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

BLG LOGISTICS GROUP AG & Co. KG

Hartmut Schwerdtfeger

E-Mail: hschwerdtfeger[at]blg.de

Erstellungsdatum: 31.03.2013