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Hast du Töne!

In ihrem Geschäft Flötenzentrum Bremen mit integrierter Werkstatt in der ehemaligen Borgward-Villa am Bremer Weserdeich beherbergt Margret Löbner rund 20 verschiedene Flötensorten. Foto: Focke Strangmann
In ihrem Geschäft "Flötenzentrum Bremen" mit integrierter Werkstatt in der ehemaligen Borgward-Villa am Bremer Weserdeich beherbergt Margret Löbner rund 20 verschiedene Flötensorten. Foto: Focke Strangmann

Die Bremerin Margret Löbner baut und verkauft seit über 25 Jahren Blockflöten – als eine von rund einem Dutzend Kollegen und Kolleginnin Deutschland. Eine einzigartige Kombination, mit der sie sich inzwischen einen Namen gemacht hat.

Generationen von Kindern haben mit ihr die Noten gelernt. Die einen haben ihr Betörendes entlockt, die anderen mit Quietschlauten an den Nerven ihrer Nachbarn und Verwandten gesägt. Die einen haben einfach nur gepustet, die anderen mehr gespuckt. Die einen haben sie geliebt, die anderen gehasst: die Blockflöte.

Magret Löbner hat sie geliebt. Ihre erste Kinderblockflöte und all die anderen, die danach noch kommen sollten. Dass insbesondere Profimusiker manchmal Bemerkungen fallen ließen wie "Flöte? Kannst du kein ordentliches Instrument spielen?", sei an ihr abgeprallt, sagt die 49-Jährige. So sehr, dass sie sich sogar entschloss, zu lernen, wie die Instrumente gebaut werden. Ihre Werkstatt und das dazugehörige Fachgeschäft mit einem breiten Sortiment an Flöten, Zubehör und Noten sind in der ehemaligen Borgward-Villa am Bremer Weserdeich untergebracht.
"Blockfötenzentrum Bremen" hat die Handwerkerin ihr Unternehmen genannt. Vier Mitarbeiter sind zurzeit bei ihr beschäftigt. Margret Löbner baut Barockflöten nach, deren Originale in Museen und Privatsammlungen zu finden sind. Ein weiteres Spezialgebiet sind Mittelalterflöten. In ihrem Laden und über ihren Online-Shop verkauft sie zusätzlich zu ihren eigenen Fabrikaten die Modelle anderer Hersteller, darunter auch Renaissanceflöten. Rund 20 verschiedene Flötensorten hat Löbner nach eigenen Angaben im Sortiment. Das Spektrum reicht von der zehn Zentimeter kurzen "Garkleinflöte" bis hin zum eckig geformten, etwa zwei Meter langen Sub-Bass aus Sperrholz.

Die gebürtige Schwäbin wusste früh, was sie wollte und was nicht. Mit 16 Jahren weigerte sie sich, noch länger das Gymnasium in Schorndorf bei Stuttgart zu besuchen. Stattdessen arbeitete sie zunächst in der Geigenbauwerkstatt ihrer Schwester und ihres Schwagers. "Die Arbeit dort gefiel mir, aber ich wollte mir etwas Eigenes aufbauen. Da war ich sehr stur und beharrlich", erzählt Löbner. "Damals gab es in ganz Deutschland nur acht Lehrstellen bei Flötenbauern. Eine davon habe ich bekommen, nachdem der Chef mich zuvor schon dreimal abgelehnt hatte, weil er kein Mädchen nehmen wollte." Beim vierten Versuch suchte sie ihn persönlich bei einer Musikmesse auf und überzeugte ihn schließlich. Nach ihrer Lehre in Heide, einer Kleinstadt in Schleswig-Holstein, und einem sechsmonatigen Arbeitsaufenthalt in Kanada ging Magret Löbner mit ihrem Mann nach Bremen und machte sich dort selbstständig – mit 23 Jahren "und einem dicken Kredit in der Tasche", wie sie sagt.

Mit dem Barock verschwand die Blockflöte im Verlauf des 18. Jahrhunderts aus den Musizierzimmern, bis die Menschen sie im 20. Jahrhundert als Instrument der Haus- und Schulmusik wiederentdeckten. Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Musiker, Barock- und Renaissancemusik mit historischen Instrumenten zu spielen. Dabei kam die Blockflöte ebenfalls wieder zum Einsatz. Dass Löbner von ihrem Geschäft leben kann, verdankt sie dieser Wiederentdeckung des Instruments. Mittlerweile suchen Profis wie die durch ihre Spielkunst weltbekannte dänische Blockflötistin Michala Petri, aber auch anspruchsvolle Amateure ihre Werkstatt auf, um sich von ihr eine Blockflöte anfertigen zu lassen.

Außer einer Drechselbank und einer Bohrmaschine sind in dieser Werkstatt keine größeren Gerätschaften zu finden. Margret Löbner drechselt und schleift die Instrumente von Hand und tränkt sie anschließend nach einem alten, überlieferten Rezept in Leinöl. Für den Korpus der Barockflöten verwendet sie europäisches Buchsbaumholz, die Mittelalterflöten sind aus Ahorn- und Pflaumenholz. Am Schluss passt sie den sogenannten Block, welcher der Flöte ihren Namen gibt, in das Mundstück ein. Der Block ist aus Zedernholz, das nicht quillt, wenn es beim Bespielen der Flöte feucht wird.

Ungefähr zwei Wochen braucht die Instrumentenbauerin, um eine Blockflöte fertigzustellen. Manchmal geht auch etwas schief und die ganze Arbeit war umsonst, etwa wenn das Mundstück reißt, weil der Block zu groß ist, oder wenn sie beim Schleifen des Windkanals nicht auf den Zehntelmillimeter genau gewesen ist. Zum Service gehört auch das Nachstimmen der Flöte: Wenn Margret Löbner das Loch mit einem Tropfen Wachs verkleinert, wird der Ton tiefer. Außerdem führt sie in ihrer Werkstatt Reparaturen durch.

Kunden aus ganz Europa

Ungefähr zwei Wochen braucht die Instrumentenbauerin Margret Löbner, um eine Blockflöte herzustellen. Neben Buchsbaum-, Ahorn- und Pflaumenholz benutzt Sie speziell für den Block Zedernholz, damit er bei Feuchtigkeit nicht aufquillt. Foto: Focke Strangmann
Ungefähr zwei Wochen braucht die Instrumentenbauerin Margret Löbner, um eine Blockflöte herzustellen. Neben Buchsbaum-, Ahorn- und Pflaumenholz benutzt Sie speziell für den Block Zedernholz, damit er bei Feuchtigkeit nicht aufquillt. Foto: Focke Strangmann

Zu ihren Kunden zählen neben Profi- und Amateurflötisten auch Kinder, die sie über die Musikschulen und die dortigen Lehrer zu erreichen versucht. "Die Zahl der Flöte spielenden Kinder nimmt allerdings ab", sagt die Unternehmerin. Um für das Instrument zu werben und ihr Geschäft bekannt zu machen, ist sie auf Ausstellungen und Musikmessen in ganz Europa unterwegs und stellt ihre Produkte in Musikhochschulen vor. Sie habe feste Kunden in Deutschland und anderen Ländern wie Schweden, England, Dänemark oder Luxemburg, berichtet Löbner. Ein Teil kaufe im Online-Shop, doch viele kämen auch extra nach Bremen, weil sie eher auf das persönliche Gespräch vertrauen. "Eine Flöte ist eben etwas sehr Individuelles", sagt die Kennerin. Der Klang, die Optik, die Art wie sie in der Hand liege – das alles müsse stimmen.

Mehr unter www.loebnerblockfloeten.de

5.362 Zeichen, Autorin: Astrid Funck

Pressekontakt:

Blockflötenzentrum Bremen

Margret Löbner

E-Mail: info[at]loebnerblockfloeten.de

Erstellungsdatum: 31.03.2013