Sie sind hier:

Weil weniger mehr ist

Vor 10 Jahren entschied sich die Frosta AG Tiefkühlgerichte ohne Zusatzstoffe herzustellen. Für die Produktentwicklerin Dörte Heiser und ihr Team bedeutete das viel Detailarbeit und Streichungen in der Produktpalette. Das Ergebnis: Frische Gerichte wie hausgemacht. Foto: Wolfgang Heumer
Vor 10 Jahren entschied sich die Frosta AG Tiefkühlgerichte ohne Zusatzstoffe herzustellen. Für die Produktentwicklerin Dörte Heiser und ihr Team bedeutete das viel Detailarbeit und Streichungen in der Produktpalette. Das Ergebnis: Frische Gerichte wie hausgemacht. Foto: Wolfgang Heumer

Chemie im Essen? Nein, danke. Vor zehn Jahren entschloss sich die Bremerhavener Frosta AG als erster Lebensmittel-Hersteller zum kompletten Verzicht auf alle Zusatzstoffe. Seitdem lebt das Unternehmen bis in den Vorstand das selbst gesetzte Reinheitsgebot – und wurde so zum Marktführer für tiefgekühlte Fertiggerichte.

Am Anfang war es nur eine spontan ausgesprochene Frage: Braucht man für Tiefkühlkost wirklich Konservierungsstoffe? Die Antwort war einfach, erinnert sich Felix Ahlers: "Braucht man nicht, denn allein durch das Tiefkühlen wird die Ware ja schon haltbar gemacht." Bis zum nächsten grundlegenden Gedanken war es für den heutigen Vorstand der Frosta AG nur noch ein kleiner Schritt: "Dann können wir auf die anderen Zusatzstoffe auch verzichten."

Das war vor zehn Jahren. Zwischen den beiden großen Mitbewerbern auf dem Tiefkühlmarkt drohte das Bremerhavener Familienunternehmen zerdrückt zu werden; das "Reinheitsgebot" war die Chance, "Frosta" ein eigenes und vor allem deutliches Profil zu geben. "Da haben wir alle erst einmal geschluckt", blickt Produktentwicklerin Dörte Heise zurück: "Das war doch eine Revolution. Denn Zusatzstoffe waren für uns bis dahin völlig selbstverständlich." 25.000 Arbeitsstunden später wussten ihr Team und sie es besser: "Es geht auch ohne. Und zwar besser."

Zusatzstoffe sind im Zuge der Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion aufgekommen. Seit knapp 40 Jahren regelt eine Verordnung, was Lebensmittel zugefügt werden darf und was nicht. Die Liste umfasst heute 322 zugelassene Stoffe, weitere müssen zudem gar nicht auf der Packung angegeben werden. Allergiker wissen ein Lied von den Nebenwirkungen zu singen – die Bandbreite reicht vom Niesanfall durch den Haltbarmacher Sulfit bis zu Juckreiz und Kopfschmerzen durch große Mengen von Glutamat im Essen.

Erdbeeraroma aus Buchenholz

Das Problem sind aber nicht potenzielle Gesundheitsgefahren, die vom Bundesamt für Risikobewertung verneint werden. "Letztlich geht es schlicht und einfach darum, dass der Verbraucher wirklich das bekommt, was ihm die Werbung suggeriert", sagt Felix Ahlers: "Sauberes, unverfälschtes Essen." Angeblich frischer Erdbeerjoghurt muss nicht zwingend auch Erdbeeren enthalten: "Das Aroma kann auch aus Buchenholz und die Fruchtstücke aus Cranberries hergestellt sein", beschreibt Ahlers ein eingängiges Beispiel.

Wie sehr der Teufel beim Thema Zusatzstoffe im Detail steckt, erfuhren Dörte Heise und ihr Team schon kurze Zeit, nachdem hausintern das Reinheitsgebot ausgerufen war. "Das war richtig Detektivarbeit", erinnert sich die Produktentwicklerin. Es ging ja nicht nur um die großen, kennzeichnungspflichtigen Zusatzstoffe, der Teufel steckte im Detail: "Die Rieselhilfe im Salz gehört genauso dazu."

Als dem Entwicklerteam die Tragweite des Vorhabens bewusst wurde, "hat es uns richtig gepackt", sagt Dörte Heise mit bis heute anhaltender Begeisterung. "Wir wollten es einfach wissen." Der Satz gilt nicht nur im wörtlichen, sondern auch im übertragenen Sinn: "Wir haben jeden einzelnen Rohstoff unter die Lupe genommen, haben die Lieferanten aufgesucht und gemeinsam die Prozesse auf den Einsatz von Zusatzstoffen überprüft und hinterfragt." Die dabei gewonnenen Erkenntnisse nahmen bisweilen die Form der russischen Babuschkas an. Ähnlich wie bei den Puppen fanden sich auch in den Zutaten immer wieder neue Zusatzstoffe. „Letztlich haben wir uns renommierte, unabhängige Lebensmittelwissenschaftler zur Unterstützung geholt“, erinnert sich Dörte Heise.

Das Ergebnis der Detektivarbeit hatte Konsequenzen: Von seinerzeit 100 Produkten wurde in einem ersten Schwung die Hälfte aus dem Programm genommen. "Sonst hätten wir uns verzettelt", sagt Dörte Heise. Weitere Zubereitungen mussten gestrichen werden, "weil wir bestimmte Zutaten nicht ohne Zusatzstoffe bekommen konnten", erläutert Felix Ahlers. So wurden alle Produkte abgesetzt, die selbst in nur kleinsten Mengen Wein enthielten: "Den allermeisten Weinsorten ist für die Haltbarkeit Schwefeldioxid zugesetzt."

In einigen Fällen taten sich die Frosta-Entwickler schwer. "Manchmal war es eine richtige Gewissensentscheidung", erinnert sich Felix Ahlers: "Ist Backpulver nun ein Zusatzstoff oder ein unverzichtbarer Bestandteil von Backwaren?" Im Zweifelsfall entschied sich das Team für den Verzicht – in letzter Sekunde wurde so zum Beispiel eine griechische Gemüsepfanne aus dem Programm genommen. Stein des Anstoßes waren geschwärzte Oliven: "Auch wenn das traditionell so ist, haben wir uns dagegen entschieden", sagt Ahlers.

Es wird gekocht wie zu Hause

Frisch schmeckt besser – vom echten Knoblauch bis zum Pfeffer, der in der Frosta-Gewürzküche gemahlen wird. Foto: Wolfgang Heumer
Frisch schmeckt besser – vom echten Knoblauch bis zum Pfeffer, der in der Frosta-Gewürzküche gemahlen wird. Foto: Wolfgang Heumer

Im Vergleich zu der Vorbereitung war die konkrete Produktentwicklung fast ein Kinderspiel. "Wir haben in der Versuchsküche einfach so gekocht, wie jeder es zu Hause machen würde", berichtet Dörte Heise: "Daheim nimmt ja auch keiner Glutaminsäure, chemisch modifizierte Stärke, Trockenmilcherzeugnisse oder Hefeextrakt. Also brauchen wir das auch nicht." Um die Rezepturen für die Großproduktion umzusetzen, sei lediglich die Größenordnung der jeweiligen Zutaten umgerechnet worden.

Manche der Zutaten produziert Frosta seitdem selbst; Nudeln beispielsweise werden auf einer überdimensionalen Nudelmaschine hergestellt, in einem Arbeitsgang blanchiert und anschließend sofort tiefgefroren: "Wenn man seine Produktion entsprechend an der Frische und Qualität der Zutaten ausrichtet, braucht man keine zusätzlichen 'Unterstützer'", erklärt Dörte Heise.

Geschmacksverstärker und Aromen sind bei Frosta ebenfalls überflüssig, schließlich wird mit reinen und unverfälschten Gewürzen gearbeitet. Selbst der Knoblauch wird frisch geschält und zerkleinert. Und in der Gewürzküche steht eine große Pfeffermühle: "Mit frischen Zutaten schmeckt es einfach besser", sagt Felix Ahlers. Er weiß, wovon er spricht: Vor seinem Wirtschaftsstudium und lange bevor er die Unternehmensführung von seinem Vater übernahm, absolvierte er eine Lehre als Koch und arbeitete unter anderem in Paris und Rom in renommierten Restaurants. Aus dieser Zeit rührt seine Überzeugung, dass guter Geschmack keine Frage von Zusatzstoffen ist.

An dieser Überzeugung hielt Ahlers auch fest, als sein Unternehmen nach dem ersten Zusatzstofffreien Jahr mit tiefroten Zahlen in der Bilanz dastand. "Wir haben Marketingfehler gemacht", räumt er rückblickend ein. Die Familie Ahlers als Mehrheitsaktionär von Frosta war jedoch so von der eigenen Idee überzeugt, dass sie die Verluste auffing und unbeirrt mit neuen Marktstrategien weiter machte. Der Erfolg gab ihnen Recht: Mittlerweile ist Frosta aus Bremerhaven Marktführer für tiefgekühlte Fertiggerichte in Deutschland.

Engagement für Transparenz

Für Felix Ahlers ist das allerdings kein Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Frosta ist mittlerweile auch beim Klimaschutz Vorreiter. Doch vor allem liegt dem Unternehmer und seinen Vorstandskollegen der Verbraucherschutz am Herzen. Bei jeder Gelegenheit wirbt Ahlers für vernünftige und umfassende Produktinformationen auf den Packungen. Und weil ihm das gesetzlich Vorgeschriebene bei Weitem nicht reicht, hat er ein eigenes Informationssystem für Frosta-Kunden im Internet eingerichtet.

Unter www.zutatentracker.de lässt sich für jedes Gericht mit wenigen Clicks herausfinden, welche Zutat woher kommt: "Wenn Fisch enthalten ist, können Sie sogar feststellen, wann der Fisch von welchem Schiff gefangen worden ist." Und wenn dann immer noch Fragen offen sind, steht der Chef auch im Frosta-Blog im Internet Rede und Antwort. Die dort eintreffenden Beiträge werde nicht nur in Echtzeit und ohne Zensur ins Netz gestellt: Zeitgleich landen sie auch auf den Smartphones der Vorstände und der Produktentwickler. "Ein Reinheitsgebot erfordert auch Transparenz, schließlich haben wir hier nichts zu verstecken", sagt Dörte Heise. Und wenn es mal Kritik gibt, "kann ich das sofort in der Versuchsküche ausprobieren und dem Verbraucher umgehend antworten".

Mehr unter www.frosta.de

7.898 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

FRoSTA AG

Birgit Renken

E-Mail: renken[at]frosta.de

Erstellungsdatum: 29.04.2013