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Mit der richtigen Gangway auf die Yacht

Jan Reiners bietet mit seiner Firma Multiplex Lösungen für Superyachten an und setzt dabei auf Carbonfasern – damit ist der Bootsbaumeister Weltmarktführer. Foto: Volker Kölling
Jan Reiners bietet mit seiner Firma Multiplex Lösungen für Superyachten an und setzt dabei auf Carbonfasern – damit ist der Bootsbaumeister Weltmarktführer. Foto: Volker Kölling

An Bord einer Superyacht gelangt der Eigner wie? Richtig: über eine Nobeltreppe. Gebaut werden solche Gangways für die edelsten Privatschiffe auf den sieben Weltmeeren im Norden Bremens – von Jan Reiners’ Firma Multiplex.

Schiffbau hat in Jan Reiners’ Familie eine lange Tradition: Bereits 1863 betrieben seine Vorfahren im Bremer Norden eine kleine Werft samt angeschlossenem Winterlager. Auch Jan Reiners wurde Bootsbaumeister. Er erkannte früh die Vorteile von Kohlefasern – auch als Carbonfasern bekannt – für sein Metier, als der Werkstoff noch weitestgehend unbekannt war.

Reiners hatte mit dem superleichten und doch hochfesten Baustoff bei seinen Regattafahrten gute Erfahrungen gemacht. "Mein erstes Bauteil aus Kohlefaser war 1983 ein Ruderblatt für die Regattasegelyacht Outsider. Damit haben wir den Admiral’s Cup für Deutschland gewonnen, die inoffizielle Weltmeisterschaft im Hochseesegeln", erinnert sich Reiners. Die ersten selbstgefertigten Teile entstanden noch auf dem Werftgelände seiner Familie an der Lesum, einem Nebenfluss der Weser.

Dem Vater aber waren die unbekannten Materialien suspekt und so gründete Reiners sein eigenes Unternehmen. "Damals waren die Formel-1-Autos noch aus Aluminium", begründet er die Skepsis seines Vaters. Durch Kontakte zu Bremer Luft- und Raumfahrtfirmen gelangte Reiners an die damals noch raren Zutaten für den Kohlefaserbau. Bald darauf fertigte Reiners Gangways, Badeleitern, Beiboot-Bergesysteme und Sonnensegelkonstruktionen für Superyachten aus dem neuen Wunderwerkstoff.

22 Meter lange Yacht aus Carbonfasern gebaut

Seit 1999 produziert er auf einem Gelände der ehemaligen Bremer Vulkan-Werft. "Wir brauchten dringend mehr Platz, um den Auftrag für den Bau großer Hubschraubersimulatoren annehmen zu können", sagt Reiners. Unter anderem entstand in der 2.500 Quadratmeter großen Halle bereits eine fast 22 Meter lange Yacht in Kohlefaserbauweise.
Heute beschäftigt Reiners 25 Mitarbeiter, darunter vor allem Schiffbauingenieure sowie Zerspanungs- und Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik. Zusammen mit den Nachbarwerften Lürssen und Abeking & Rasmussen sowie vielen mittelständischen Firmen auf beiden Seiten der Weser rund um die Lesummündung hat sich so etwas wie Deutschlands Werftenzentrum für Superyachten gebildet.

Zudem hat Multiplex beste Verbindungen zu Yachtwerften im Ausland wie Royal Huisman Shipyard in den Niederlanden oder Alloy in Neuseeland. "Eigentlich sind alle nennenswerten Superyachten von uns ausgerüstet worden", so Jan Reiners. Die Namen der Yachten und der Eigner nennt er nicht – das gehört sich in dieser Sphäre mit Rücksicht auf die Wünsche der "superreichen" Auftraggeber nicht, klingt es bei ihm durch.

In seiner Arbeitshalle steht gerade ein gutes Dutzend blauer Kisten. Auf jeder ist ein anderer Hafen vermerkt, darunter einige in Griechenland und Kroatien. "Wenn ich viele verschiedene Ländernamen auf den Kisten lese, dann bin ich immer ganz zufrieden. Das zeigt, dass wir rund um den Globus Kunden haben und damit ganz gut aufgestellt sind", verrät der Firmenchef.

Kunden aus aller Welt

Der Wunderwerkstoff: Die Verbindung aus Carbonfasern und Epoxydharz ist fester als Stahl, aber viel leichter und langlebiger. Foto: Volker Kölling
Der Wunderwerkstoff: Die Verbindung aus Carbonfasern und Epoxydharz ist fester als Stahl, aber viel leichter und langlebiger. Foto: Volker Kölling

Um seine Produkte zu verkaufen, ist er selbst viel unterwegs: "Mal ist man für einen Nachmittag in Genua und muss sofort weiter nach Athen oder Antibes, Oakland, Seattle oder Istanbul." Mitunter sei er nur vier Tage im Monat im Lande. "Aber das ist gut: Unsere Kunden sind Wiederholungstäter, die von unserer Qualität überzeugt sind. Da muss man dann eben ein bisschen fahren." Rund einhundert Projekte schafft Multiplex im Jahr. Jedes Produkt ist eine Einzelanfertigung, produziert nach einem Baukastensystem aus Carbonkomponenten. Badeleitern aus dem Multiplex-Sortiment kosten gerne auch schon einmal 10.000 Euro.

Jan Reiners zieht eine schwarze, fünf Millimeter breite, flache Faser aus einem Gewebe und zerreibt sie zwischen den Fingern in hauchdünne Fäden. "So lässt sich die Struktur gut erkennen. In Bündeln und in Epoxy, einem Kunstharz, eingeschlossen, ist das Ganze dann eine hochfeste Struktur, fester als Stahl, aber viel leichter und viel langlebiger", erklärt er.

Die Gewebe legen die Techniker in Formen und tränken sie mit Harz. Das Epoxydharz geht mit den Kohlefasern bei 80 Grad eine superfeste Verbindung ein. In einem zweiten Arbeitsschritt backen die schwarzen Bauteile, etwa einer Gangway, in einem der beiden schlanken, langen Öfen bei 120 Grad Celsius gute acht Stunden. Erst dann ist die Verbindung der Kohlefasern mit dem Epoxydharz perfekt.

Täuschend echtes Holzimitat

Gut tausend Gangways sind so schon in Bremen-Nord entstanden – in den unterschiedlichsten Farben, mit echtem Teakholzbelag und ohne. Reiners zeigt einen Handlauf, bei dem erst auf den zweiten Blick erkennbar ist, dass er nicht aus Holz, sondern aus Carbon ist. Die Holzstruktur ist nur eine Art Fotooptik. Auch vieles andere sei machbar, wie zum Beispiel eine um 180 Grad schwenkbare Gangway der Sorte superfest und superleicht, sagt Reiners. Eine extrem leichte, klappbare Reling rund um den Hubschrauberlandeplatz auf dem Achterdeck einer 100-Meter-Yacht zu bauen, ist für Multiplex ebenfalls kein Problem.

Und dann sind da noch die Sonnensegelsysteme, die auch bei voller Fahrt der schnellen Yachten noch Schatten über den Whirlpools an Deck spenden müssen und möglichst nicht wie Riesenschleier hinter dem Schiff her wehen sollten. "Eigentlich gab es das noch nie, dass wir sagen mussten, das können wir nicht bauen", sagt Reiners. In der Nachbarhalle hat er einen Ofen konstruiert, in dem sogar mannshohe Teile auf Temperatur gebracht werden können. In einer abgeschirmten Ecke steht zudem ein riesiger Fräsroboter. Er schält gerade gewaltige Abstands-halter – in der Seglersprache Fender genannt – aus großen Kunststoffblöcken.. Sie halten das Nebenschiff oder die Kaje auf Distanz.

Neben der täglich anfallenden Arbeit entwickeln Jan Reiners’ Ingenieure außerdem ständig neue Produkte. "Das müssen wir", sagt der 50 Jahre alte Chef. "Denn alles, was wir produzieren, wird von der Konkurrenz binnen kürzester Zeit kopiert." Das sei normal in der Branche, meint er achselzuckend.

Die jüngste Innovation von Multiplex ist ein Sonnensegel, dessen Beleuchtung sich mit einem Smartphone fernsteuern lässt – je nach Wunsch im Lounge-Stil oder eher wie in einer Disko. Die Erfindung wird nicht die letzte gewesen sein. Reiners hat seinen Konstrukteuren vorgegeben, dass der firmeneigene Newsletter alle paar Wochen mit einer Neuentwicklung aufwarten sollte. "Man muss sich eben immer etwas Neues einfallen lassen, um vorne zu bleiben."

Mehr unter www.multiplexgmbh.com

6.611 Zeichen, Autor: Volker Kölling

Pressekontakt:

Jan Reiners

Multiplex GmbH

E-Mail: contact[at]multiplexgmbh.com

Erstellungsdatum: 27.05.2013