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Kurzfassung: Fischzucht im Offshore-Windpark

Dr. Britta Grote zeigt im Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut Algen, die in großen Wasserbottichen entstehen. Die Algen sollen das Wasser in Aquakulturanlagen sauber halten und zugleich als Rohstoff für die Kosmetik- oder Lebensmittelindustrie dienen. Foto: Wolfgang Heumer
Dr. Britta Grote zeigt im Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut Algen, die in großen Wasserbottichen entstehen. Die Algen sollen das Wasser in Aquakulturanlagen sauber halten und zugleich als Rohstoff für die Kosmetik- oder Lebensmittelindustrie dienen. Foto: Wolfgang Heumer

Die Windparks in der Deutschen Bucht könnten der ideale Standort für die Aufzucht von Speisefischen sein. In einem Forschungsprojekt untersucht das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut, wie derartige Aquakulturen sinnvoll betrieben werden können.

Der Arbeitsplatz von Britta Grote bietet symbolträchtige Aussichten. In der einen Richtung schaut die Meeresbiologin auf den Bremerhavener Fischereihafen. Nach Norden geht der Blick über die Wesermündung in Richtung Deutsche Bucht, wo derzeit die ersten Offshore-Windparks entstehen. Zwischen den Fenstern, aus denen Grote schauen kann, stehen Wasserbecken. Deren Inhalt kann sowohl der Fischwirtschaft als auch der Energiebranche Perspektiven geben.

"Wir erforschen, ob und wie das Meer zwischen den Offshore-Windkraftanlagen für Aquakulturen genutzt werden kann", sagt die Wissenschaftlerin, die für das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) arbeitet. Das Augenmerk liegt darauf, wie die Fischzucht umweltfreundlich und nachhaltig in das Ökosystem der Nordsee eingefügt werden kann.

Aquakulturen bisher in der Nordsee undenkbar

Aquakulturen sind in aller Welt ein wichtiger Beitrag, den ungeheuren Proteinbedarf der Menschheit zu decken, ohne die Fischbestände in den Weltmeeren zu zerstören. Zumeist befinden sich derartige Anlagen in küstennahen Gewässern; deshalb waren sie in der Nordsee bislang kaum denkbar. "Unserer Küste ist ja das Wattenmeer vorgelagert, das zum einen im Rhythmus der Gezeiten trockenfällt und zum anderen als weltweit einzigartiger Lebensraum besonders stark geschützt ist", erläutert Grote.

Doch mit dem Aufbau der Offshore-Windparks eröffnen sich neue Möglichkeiten. "Sowohl für die Windparkbetreiber als auch für die norddeutschen Küstenfischer könnte es interessant sein, die ansonsten brachliegenden Gewässer für solche Vorhaben zu nutzen." Der Grundgedanke ist einfach: Die Windkraftanlagen stehen in der Deutschen Bucht in einer Wassertiefe um 30 bis 40 Meter. Die Gewässer zwischen den "Riesenmühlen" sind aus Sicherheitsgründen für die Schifffahrt gesperrt, dürfen aber für die Versorgung der Parks angesteuert werden. "Damit haben wir große, ungenutzte Flächen, die aufgrund der Wasserverhältnisse für die Fischzucht ideal sind", sagt Grote.

Vor allem aber: Die Fischzucht könnte ein Arbeitsfeld für die Küstenfischer sein, die mit jedem Windpark ein Stück ihrer Fanggründe verlieren. Dieser denkbare Mehrfachnutzen spiegelt sich in der Gemeinschaft wider, die zusammen mit dem Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut am Forschungsprojekt arbeitet: Neben dem Institut für Seefischerei in Hamburg haben sich unter anderem der Windparkbetreiber WindMW sowie die Cuxhavener Erzeugergemeinschaft "Kutterfisch" dem Vorhaben angeschlossen.

Feldversuch in der Deutschen Bucht geplant

Im Rahmen des Aquakultur-Forschungsprojekts des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts züchtet Dr. Britta Grote (rechts) Steinbutt. Regelmäßig werden die Fische vermessen und gewogen, um festzustellen unter welchen Futterbedingungen sie am besten wachsen. Foto: Wolfgang Heumer
Im Rahmen des Aquakultur-Forschungsprojekts des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts züchtet Dr. Britta Grote (rechts) Steinbutt. Regelmäßig werden die Fische vermessen und gewogen, um festzustellen unter welchen Futterbedingungen sie am besten wachsen. Foto: Wolfgang Heumer

In den Zuchtanlagen sollen hochwertige Speisefische eingesetzt werden, die – wie beispielsweise der Steinbutt – für die Nordsee typisch sind. Um eine Überdüngung der Gewässer zu vermeiden, bekommen die Fische nur so viel Futter, wie sie verbrauchen. Um ihre Ausscheidungen wieder zu entfernen, werden in der Anlage Algen und Muscheln angesiedelt, die das Wasser kontinuierlich filtern und reinigen.

Bevor jedoch ein Feldversuch im Windpark "Meerwind" 23 Kilometer nördlich von Helgoland beginnen kann, steht noch Forschungsarbeit für Britta Grote und ihre Kollegen an. Denn was in der Beschreibung einfach aussieht, ist in der Natur ein komplexes System. An ihrem Arbeitsplatz im Bremerhavener Institut für Marine Ressourcen (IMARE) untersucht Britta Grote die Komponenten. Wie viel Futter verbrauchen die Fische? Wie viel Schwebstoffe filtern Muscheln und Algen aus dem Wasser? Die ersten Antworten auf diese und noch viel mehr Fragen hat Grote bereits in den Wasserbecken gefunden, in denen sie Algen, Muscheln und Steinbutt züchtet. Die bisherigen Ergebnisse sind wie die Perspektive aus den Fenstern an ihrem Arbeitsplatz: "Die Aussichten sind gut", sagt Britta Grote.

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3.997 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt

Dr. Folke Mehrtens

Pressereferin des Alfred-Wegener-Institutes

E-Mail: medien[at]awi.de

Erstellungsdatum: 20.06.2013