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Kurzfassung: Hunger auf Reis

Bei den Wirtschaftsingenieuren Sohrab Mohammad und Torben Buttjer dreht sich alles um Reis: Vor drei Jahren gründeten sie ihren Online-Shop für Reisliebhaber. Seit dem Start hat sich der Umsatz verzehnfacht. Foto: Reishunger
Bei den Wirtschaftsingenieuren Sohrab Mohammad und Torben Buttjer dreht sich alles um Reis: Vor drei Jahren gründeten sie ihren Online-Shop für Reisliebhaber. Seit dem Start hat sich der Umsatz verzehnfacht. Foto: Reishunger

Warum Reis in deutschen Kantinen nach nichts schmeckt, fragten sich zwei Bremer Studenten und gründeten "Reishunger". Mit ihrem Online-Shop erobern sie seit drei Jahren Stück für Stück eine Marktnische.

Halle 1 auf dem Gelände des Großmarkts Bremen: Eine Stahltür öffnet sich, ein junger Mann guckt heraus, die Packhandschuhe in die Gesäßtasche gesteckt. "Reishunger" steht auf einem Schild an der Tür. Dahinter dreht sich auf rund 450 Quadratmetern alles um das kleine Korn: In einem Hochregal stapeln sich Reissäcke, -kocher und Bambusdämpfer, gegenüber stehen die Reisab-füllanlage und Metallregale, in denen Gewürze und Saucen gelagert sind.

Eine Mitarbeiterin packt zwischen Paletten die Versandpakete – der Schriftzug "Reishunger" prangt auf den braunen Verpackungen. 18 Reissorten werden hier abgepackt und an Endkunden verschickt. Ein zweites Hochregal ist bereits geplant, erläutert der 30-jährige Sohrab Mohammad. "Wir sind jetzt an der Grenze und gehen davon aus, dass wir im übernächsten Jahr eine doppelt so große Fläche brauchen."

Von der fixen Idee zum Geschäftskonzept

Gemeinsam mit seinem ehemaligen Studienkollegen, dem 29-jährigen Torben Buttjer, hat Mohammad die Reishunger GmbH gegründet, ein Online-Shop für Reisliebhaber. Geboren als fixe Idee in der Mensa, von den beiden gründungswilligen Bremern. Sie waren am Ende ihres Studiums zum Diplom-Wirtschaftsingenieur und suchten nach einer Geschäftsidee. "Wir haben immer wieder über verschiedene Ideen geredet. Aber das Reisding ging uns einfach nicht aus dem Kopf", sagt Mohammad heute. Die Idee nahm Formen an: Es sollte ein Online-Shop sein, bei dem die Kosten durch den direkten Draht zu Reisproduzenten auf der einen und Endkonsumenten auf der anderen Seite gering gehalten würden. Nach einem Gespräch mit dem Bremer Lebensmittelgroßhändler Amir Ghaffari nahm das Unternehmen dann Fahrt auf. "Bis dahin fanden wir unsere Idee gut, aber das war das erste Feedback von außen", erinnert sich Mohammad. "Es schien so, als würden wir einen Nerv treffen."

Neun Monate Unterstützung durch das Bremer Förderprogramm für Unternehmensgründungen (BRUT) und die Halle, die der Großmarkt Bremen zur Verfügung stellte, halfen, das Unternehmen auf die Beine zu stellen. Ghaffari stieg als Investor und dritter Gesellschafter ein und steuerte die ersten Kontakte zu Reisbauern im Nahen Osten bei. Parallel tauchten die Jungunternehmer in die Reiswelt ein. Eigneten sich an, was es über Reisqualität und -handel zu wissen gilt, bestellten erste Reissäcke, testeten, kochten, probierten.

Während Sohrab Mohammad als Kind iranischer Eltern schon früh Reis in seiner Geschmacksvielfalt kennengelernt hatte, waren es bei Torben Buttjer der 20-Kilo-Sack Jasmin-Reis samt Reiskocher einer Mitbewohnerin im Auslandssemester, die ein anderes Reisverständnis einleiteten. Als sie schließlich 2011 den Online-Shop mit sechs Sorten starteten, stand das Geschäftskonzept auf soliden Füßen. Dennoch war es ein banger Moment, als sie online gingen: Wer würde kaufen? "Erwartungsgemäß haben erst nur Freunde bestellt, teils aus Mitleid", schildert Mohammad die Anfänge und lacht.

Umsatz verzehnfacht

Die Reishunger GmbH bietet mit 18 Sorten eine große Vielfalt von hoher Qualität. Das Ziel ist klar: Das Bremer Startup will die Reismarke mit der größten Auswahl Deutschlands werden. Foto: Reishunger
Die Reishunger GmbH bietet mit 18 Sorten eine große Vielfalt von hoher Qualität. Das Ziel ist klar: Das Bremer Startup will die Reismarke mit der größten Auswahl Deutschlands werden. Foto: Reishunger

Inzwischen beschäftigen sie elf Mitarbeiter. Seit dem Start habe sich der Umsatz verzehnfacht, so Buttjer. Rund 40 Delikatessenläden beliefern sie deutschlandweit mit ihren Produkten, doch der Fokus liegt weiter auf den Endkonsumenten: 90 Prozent des Umsatzes wird hier generiert. Die Kundschaft sei bunt gemischt, sagen Mohammad und Buttjer: Kunden, die Sadri-Reis aus dem Iran, Paella-Reis aus Valencia oder Roten Reis aus der französischen Camargue suchen.

Mit ihren 18 Sorten bietet die Reishunger GmbH eine große Vielfalt, doch klar ist: Da geht noch mehr. Grünen Reis etwa würden die beiden gern ins Programm nehmen, haben ihn aber noch nicht in der Qualität gefunden, die sie überzeugt. Ihr Ziel ist klar: "Wir wollen in Deutschland die Reismarke mit der größten Auswahl sein."

Wenn sie heute Reisproben erhalten, überprüfen sie Länge des Korns, Farbe, Geruch und Kornbruch. Dann wird gekocht. Zusätzliche Entscheidungskriterien sind Laboranalysen, die Aufschluss über Pestizid- und andere Belastungen geben. Nach japanischem Sushi-Reis, sagen sie, hätten sie lange gesucht. Als sie auf den Akitakomachi stießen und ihn tatsächlich ins Programm aufnehmen konnten, waren sie begeistert. Dann kam die Reaktorkatastrophe in Fukushima. Die Suche begann von Neuem: Inzwischen kommt der Sushi-Reis von der Westküste der USA. Für den Einkauf gelte neben dem Qualitätsanspruch ein zusätzliches Kriterium, sagt Mohammad: "Wir kaufen keinen Reis aus Ländern, in denen massiv Hunger herrscht."

Mehr als Lifestyle?

Der eingeschlagene Weg scheint vielversprechend: Die Mischung aus Qualität, modernem Design, kostenlosem Rezept-Service, sozialer Verantwortung als Einkäufer und persönlicher Ansprache kommt an. Ob sie nicht dennoch Sorge haben, dass der Hype ums Kochen mit guten Zutaten, von dem sie zweifelsohne profitieren, irgendwann abebbt? Die beiden Geschäftsführer schütteln den Kopf. "Wir wollen kein Lifestyleprodukt sein", sagt Buttjer. "Wir konzentrieren uns auf außergewöhnliche Reisqualität."

Mehr unter www.reishunger.de

Zeichen: 5.147, Autorin: Astrid Labbert

Pressekontakt:

Reishunger GmbH

Sohrab Mohammad

E-Mail: sohrab[at]reishunger.de

Erstellungsdatum: 21.08.2013