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Kurzfassung: Segelndes Klassenzimmer

Auf dem Bremerhavener Segelschulschiff Alexander von Humboldt 2 heißt es neuerdings nicht nur Alle Mann an Deck! oder Klar zur Wende! sondern In English, please! – denn die Deutsche Stiftung Sail Training bietet Englischkurse auf dem Dreimaster an. Foto: Alex-2.de
Auf dem Bremerhavener Segelschulschiff "Alexander von Humboldt 2" heißt es neuerdings nicht nur "Alle Mann an Deck!" oder "Klar zur Wende!" sondern "In English, please!" – denn die Deutsche Stiftung Sail Training bietet Englischkurse auf dem Dreimaster an. Foto: Alex-2.de

Wer segeln will, muss eine Fremdsprache lernen. Denn auf Schiffen heißt alles anders als an Land. Die Crew des Bremerhavener Segelschulschiffes "Alexander von Humboldt 2" hat das Prinzip umgekehrt: Wer Englisch als Fremdsprache lernen will, kann mit dem modernen Dreimaster in See stechen.

Ein Vorsegel muss irgendwo vorne auf dem Schiff sein. Das ist auch für Landratten verständlich. Zumindest die Segelkurs-Absolventen wissen, dass das Stück Stoff im deutschsprachigen Fachjargon Fock heißt. Wer in der Segelszene brillieren will, spricht jedoch nur von der "Jib". Seit Jahrhunderten bezeichnen britische Matrosen so die vordersten Segel ihrer Schiffe.

Diese und weitere Fachbegriffe stehen im Mittelpunkt einer besonderen Tour des Bremerhavener Segelschulschiffs "Alexander von Humboldt 2": Mitte Oktober startet der Dreimaster zu einer Sprachreise rund um Mallorca. Den Teilnehmern werden während des einwöchigen Törns nicht nur Seebeine wachsen, sie werden anschließend auch parkettsicher sein: "Zumindest was die englischen Sprachkenntnisse angeht", verspricht der Sprecher des Veranstalters, Peter Rohlfs.

Traditionelle Werte stehen im Vordergrund

Im Mittelpunkt der Sprachkurse auf der Alexander von Humboldt 2 steht das Englischlernen. Doch ab und zu müssen auch die Schüler mit anpacken. Gut für das maritime Vokabular: Aus dem Vordersegel wird das fachsprachliche Fock und dann das englische jib. Foto: Alex-2.de
Im Mittelpunkt der Sprachkurse auf der "Alexander von Humboldt 2" steht das Englischlernen. Doch ab und zu müssen auch die Schüler mit anpacken. Gut für das maritime Vokabular: Aus dem "Vordersegel" wird das fachsprachliche "Fock" und dann das englische "jib". Foto: Alex-2.de

"Sail away. Dream your dreams." Fast 20 Jahre lang war Englisch zumindest in der Werbung der Biermarke Beck‘s die Bordsprache auf der alten "Alex", die in den Spots des Bremer Bierbrauers die Hauptrolle spielte. Vor knapp zwei Jahren hat die 100 Jahre alte Bark mit den flaschengrünen Segeln mit der "Alex 2" eine Nachfolgerin mit weißen Segeln bekommen. Noch immer sind die grünen Segel aber für Sekundenbruchteile in den Kinospots der Biermarke zu sehen.

"Folge deinem inneren Kompass" ist der neue Claim der Bremer Brauerei; im gewissen Sinne hat dies auch der Eigner der "Alex 2", die Deutsche Stiftung Sail Training (DSST) mit Sitz in Bremerhaven, beherzigt und steuert mit dem Schiff einen klaren Kurs: Auch wenn die 65 Meter lange Bark das zurzeit modernste Segelschulschiff der Welt ist, stehen traditionelle Werte wie Seemannschaft, Teamgeist und internationale Verständigung im Vordergrund der Aktivitäten der als gemeinnützig anerkannten Stiftung.

Völkerverständigung setzt Sprachkenntnisse voraus. Das erleben die Mitglieder der DSST, die die Stammbesatzung an Bord bilden, und ihre zahlenden Mitsegler – die Trainees – jeden Sommer. Jahr für Jahr nimmt die "Alex 2" an internationalen Windjammer-Regatten teil. Die sogenannten Tall Ship Races sind nicht nur ein sportlicher Wettstreit, sondern zugleich auch der Wettbewerb darum, welches Schiff am meisten für die Völkerverständigung und die Förderung der Segelbegeisterung unternimmt.

Englisch-Kurse mit maritimen Touch an Bord der "Alex 2" anzubieten, lag da nahe. „Die Idee der Stiftung passte perfekt zu unserem Interesse an außergewöhnlichen Orten für Sprachunterricht“, erinnert sich Rohlfs. Der Marketing-Experte arbeitet für den Bremer Bildungsanbieter Offaehrte. Unter den Programmen ist die Sprachreise auf der "Alex 2" ein Highlight. "Wir vermitteln ja nicht nur Sprachkenntnisse. Das Erlebnis Segeln und der Teamgedanke an Bord gehören genauso dazu", sagt Rohlfs. Durch dieses Konzept wird die "Alex 2" für die Teilnehmer im Alter von 14 bis 60 Jahren zu mehr als einem segelnden Klassenzimmer. "Sie sind voll in das Bordleben integriert und übernehmen alle Arbeiten, die auch die übrigen Trainees leisten", sagt Rohlfs. Falls sie es sich zutrauen, entern die Sprachschüler sogar in die Masten und Rahen der Bark auf.

Wie auf jedem (Segel-)Schiff folgt das Leben auf der "Alex 2" dem steten Wechsel zwischen Wache und Freiwache. Der normale Rhythmus sieht vier Stunden Arbeit vor, denen zweimal vier Stunden Freizeit folgen – und das rund um die Uhr. Die Sprachkurs-Teilnehmer haben während ihrer Freiwachen täglich vier Unterrichtseinheiten Englisch.

Englisch an Deck lernen

Als Lehrer konnte Offaehrte einen Engländer gewinnen, der selbst vom Segelvirus infiziert ist. "Die Kombination aus Muttersprachler und Segelenthusiast ist natürlich ideal", freut sich Rohlfs. Denn: Im Mittelpunkt der Sprachkurse steht zwar, dass die Teilnehmer ihre Englisch-Kenntnisse verbessern – aber genauso sollen die Segel- und Sprachschüler in die maritimen Aspekte der Sprache eingeführt werden. "An Bord ist das natürlich viel leichter als in einem herkömmlichen Kursus an Land", versichert Rohlfs.

Gelernt wird bei jedem Wind und Wetter. Der Unterricht fällt nur aus, wenn das Kommando "Alle Mann an Deck" ertönt, sagt Rohlfs: "Denn dann steht ein Manöver an, für das jede Hand an Bord gebraucht wird." Selbst der Englisch-Lehrer wird dann sein Dictionary an die Seite legen.

Mehr unter www.alex-2.de

Zeichen: 4.606, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Deutsche Stiftung Sail Training (DSST)

Volker Klose

E-Mail: presse[at]alex-2.de

Offaehrte Sprachreisen IP International Projects GmbH

Peter Rohlfs

E-Mail: p.rohlfs[at]internationalprojects.com

Erstellungsdatum: 22.08.2013