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Kurzfassung: Stickende Detektivarbeit

Für sein innovatives Projekt Stick-n-listen hat der Bremer Lukas Stegemann Promis der Hansestadt gewinnen können: Henning Scherf führt in allen drei Hörbüchern durch die Geschichte und im neusten Streifen ist Sänger Flo Mega mit von der Partie. Foto: Focke Strangmann
Für sein innovatives Projekt "Stick-n-listen" hat der Bremer Lukas Stegemann Promis der Hansestadt gewinnen können: Henning Scherf führt in allen drei Hörbüchern durch die Geschichte und im neusten Streifen ist Sänger Flo Mega mit von der Partie. Foto: Focke Strangmann

Einmal in der Woche legt Lukas Stegemann im Bremer Musikclub "Tower" auf. Nichts Ungewöhnliches für einen DJ – doch noch mehr schlägt Stegemanns Herz für Hörspiele. Und weil Zuhören und Handarbeiten so gut zusammenpassen, entwickelt der 27-Jährige Hörspiele zum Sticken nach Zahlen.

Sie heißen Justin, Peter und Bobo. Sie sind Detektive und ermitteln in Bremen. Ausgedacht hat sie sich Lukas Stegemann. Zwei Hörspiele hat er bereits mit ihnen herausgegeben. Das Ungewöhnliche: Die Zuhörer rätseln nicht nur mit – sie sticken auch dabei. "Toxischer Techno" ist der Titel der neuesten Produktion von "Stick-n-listen". Schauplatz ist ein stillgelegtes Wasserwerk. Mehr will Stegemann noch nicht verraten.

Der 27-Jährige sitzt in seinem Zimmer in einer WG im Bremer Viertel am Computer. Hier sind die ersten beiden Folgen "Bremen in Gefahr" und "Tödlicher Showdown" entstanden. "Für die Aufnahmen haben wir einfach ein Mikro unter die Decke gehängt", sagt Stegemann mit Blick auf ein lose herunterhängendes Kabel. Wir, das sind vor allem Freunde – darunter auch Stargäste wie der Bremer Sänger Flo Mega und der Bassist der Band Kleinstadthelden, Nils Freesemann.
Drehbuch, Regie, Produktion, Schnitt und Sound – für all das ist Stegemann verantwortlich. Er hatte auch die Idee zu "Stick-n-listen": Jeder Hörspiel-CD sind Nadel und Faden sowie ein bedrucktes T-Shirt oder ein Jutebeutel beigelegt. Während der rund einstündigen Spieldauer bekommen die Zuhörer Anweisungen, die Ziffern und Buchstaben des Aufdrucks ähnlich wie bei Malen nach Zahlen durch eine gestickte Linie miteinander zu verbinden. Am Ende haben die Zuhörer das Hauptsymbol der Geschichte gestickt. Das war bei "Bremen in Gefahr" ein Astronaut auf einer Rakete. Das Hörspiel handelte von einer mysteriösen Astro-Sekte. "Je mehr sich die Story entwickelt, desto mehr vervollständigt sich das Bild", erklärt Stegemann.

Früherer Bürgermeister als Erzähler

Stegemann hat für sich das Sticken vor etwa drei Jahren eher zufällig entdeckt. "Ich saß hier mit einem Freund, und wir flickten unsere kaputten Hosen, weil wir knapp bei Kasse waren. Dabei hörten wir ‚Die drei ???'", erinnert er sich. "Das passte unglaublich gut zusammen und irgendwann wurde ein Ritual daraus." Die Sache ließ den damaligen Lehramtsstudenten nicht mehr los. "Ich wollte eine Kombination aus Zuhören und Handarbeiten entwickeln, und die einfachste Art mit Nadel und Faden umzugehen, ist Sticken", erklärt er. "Das kann jeder." Stegemann schrieb ein Konzept und meldete das Hörspiel zum Sticken als Uniprojekt in einem Siebdruckkursus an. Später bedruckte er die T-Shirts und Beutel dann auch mit dem Durchdruck-Verfahren.

Wem beim Zuhören die markante Stimme des Erzählers bekannt vorkommt, täuscht sich nicht. Sie gehört dem früheren Bremer Bürgermeister Hennig Scherf, der nach den ersten beiden Folgen auch für die dritte Produktion als Sprecher zugesagt hat. "Der Erzähler hat eine tragende Rolle, deshalb wollte ich eine Stimme, die in Bremen jeder kennt", freut sich Stegemann, der inzwischen als Lehrer unterrichtet.

Keine Gage für die Sprecher

Am Ende steht das Hauptsymbol: Zuhörer der Hörspiele erhalten während der rund einstündigen Spieldauer Anweisungen, wie die Ziffern und Buchstaben des Aufdrucks mit Nadel und Faden zu verbinden sind. Foto: Focke Strangmann
Am Ende steht das Hauptsymbol: Zuhörer der Hörspiele erhalten während der rund einstündigen Spieldauer Anweisungen, wie die Ziffern und Buchstaben des Aufdrucks mit Nadel und Faden zu verbinden sind. Foto: Focke Strangmann

Die Leute und Orte, an denen seine Handlungen spielen, gibt es wirklich – auch wenn Stegemann die Realität mit Fiktion mischt. Für die Bremer ist es gerade ansprechend, dass Plätze vorkommen, "an denen man selber auch abhängt", sagt Musiker Nils Freesemann. Deshalb, und weil er gern Dinge mit Freunden zusammen mache, fand er es "cool", dass sein Kumpel Lukas ihn bei der Folge "Tödlicher Showdown" dabei haben wollte, betont der Bassist. Gage gab es für das Einsprechen nicht. Auch alle anderen Protagonisten wirkten aus purer Begeisterung unentgeltlich mit.

Rund 500 CDs hat Stegemann bisher von den ersten beiden Krimis verkauft, die meisten davon online. "Ich bediene mit meinem Produkt eine absolute Nische", betont er. Leben kann er davon bislang nicht.

"Toxischer Techno" soll zur Weihnachtszeit erscheinen und wie die anderen im "Tower" vorgestellt werden – kollektives Sticken inklusive. Die Dialoge werden, wie bei den vorangegangenen beiden CDs auch, wieder direkt am Mikrofon entstehen. Diese, am Anfang aus der Not heraus geborene, Arbeitsweise habe sich bewährt.

Mehr unter www.sticknlisten.de

Zeichen: 4.179, Autorin: Manuela Ellmers

Pressekontakt:

Lukas Stegemann

Projektleiter

E-Mail: derluke[at]hotmail.com

Erstellungsdatum: 22.08.2013