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Kurzfassung: Die Nasen plattgedrückt

In der beliebten Bremer Böttcherstraße eröffnete Sabine Marquart ihre Bonbon Manufaktur. 40 Geschmackssorten hat sie im Programm – die beliebten Klassiker sind Erdbeere, Himbeere, Pfirsich oder Blaubeere. Foto: Focke Strangmann
In der beliebten Bremer Böttcherstraße eröffnete Sabine Marquart ihre Bonbon Manufaktur. 40 Geschmackssorten hat sie im Programm – die beliebten Klassiker sind Erdbeere, Himbeere, Pfirsich oder Blaubeere. Foto: Focke Strangmann

Mit der Bremer Bonbon Manufaktur hat Sabine Marquardt vor vier Jahren ins Schwarze getroffen. Seither drücken sich Touristen und Einheimische vor dem Schaufenster ihres Geschäfts die Nasen platt, um live zu sehen, wie Bonbons entstehen.

Auf der Herdplatte steht ein großer Topf, eine Zuckermasse köchelt darin. Daneben steht Sabine Marquardt und zieht eine bereits produzierte Zuckermasse wie zu einem Seil in die Länge. An der Wand hängt ein schwarzer Haken, das „Seil“ schlägt sie jetzt darüber, zieht und legt es erneut über den Haken. "Das wird Multifrucht", erklärt Sabine Marquardt, faltet die Bonbonmasse ein paar Minuten später zusammen und legt sie auf eine Holzablage, wo weiter geknetet wird. "Wenn die Masse abkühlt, erstarrt sie wie Glas", erklärt die Bonbon-Fachfrau, die sich im schwedischen Gränna, der Hochburg der Zuckerbäcker und klassisch gestreiften Zuckerstange (Polkagris), ins Metier einführen ließ und dann in Bremens Böttcherstraße Einzug hielt.

Hier, in der historischen Gasse der Hansestadt, liegt etwas versteckt die Bonbon-Manufaktur von Sabine Marquardt. Auch an diesem Vormittag sammeln sich wieder Schaulustige vor dem Fenster, um die Chefin und ihre Mitarbeiter bei der Herstellung von Bonbons zu beobachten. Im kleinen Verkaufsraum ist ein Drittel der Fläche abgesteckt, dahinter befindet sich die Produktionsküche, in der Luft liegt ein fruchtig-süßer Geruch. In den Regalen und in der Auslage stehen Gläser mit Bonbons in nahezu allen Farben, ihre Form wie kleine Kissen.

In Schweden inspiriert

"Hier sind noch warme Papaya-Bonbons. Bitte probieren Sie", ruft die 53-jährige in den Raum. Das Sehen, Riechen, Schmecken, mit der Zunge fühlen: Es gehört zum Geschäftskonzept. Und das ließ sie selbst als Touristin im Schweden-Urlaub staunen. In der Stadt der Zuckerbäcker wird die Herstellung zum Schauspiel.

Nach einer Familienpause als Mutter von vier Kindern war sie gerade an einem Punkt, sich über die Rückkehr in die Erwerbsarbeit Gedanken zu machen. Zurück in ihren Beruf als Gartenbau-Ingenieurin zu gehen, sei illusorisch gewesen, sagt Marquardt. Sie ließ sich in Gränna in das Handwerk einweisen, dann in der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft in Solingen fortbilden. In Bremen brachte sie schließlich der Zufall mit der Geschäftsführerin der Böttcherstraße Susanne Gerlach zusammen, die gerade auf der Suche nach einem neuen Mieter war.

Im Herbst 2009 öffnete die Bremer Bonbon Manufaktur ihre Türen, heute beschäftigt sie elf Teil- und Vollzeitkräfte. 40 Geschmackssorten gibt es im Programm, über 100 haben Sabine Marquardt und ihr Team bereits ausprobiert. Blaue Zimtbonbons, Ketchup-Bonbons, Tomaten-Bonbons. Es waren Tops und Flops dabei. Am beliebtesten sind die fruchtigen Klassiker mit Erdbeere, Himbeere, Pfirsich oder Blaubeere.

Die Manufaktur-Erfahrung: warme Bonbons, süßer Duft

Im schwedischen Gränna lernte Sabine Marquart das Handwerk – Besucher ihrer Bremer Bonbon Manufaktur können die Herstellung live miterleben und warme Bonbons probieren. Foto: Focke Strangmann
Im schwedischen Gränna lernte Sabine Marquart das Handwerk – Besucher ihrer Bremer Bonbon Manufaktur können die Herstellung live miterleben und warme Bonbons probieren. Foto: Focke Strangmann

Die Zuckermasse, die Sabine Marquardt auf der Holzablage weiter geknetet hat, ist inzwischen mit rot und grün eingefärbten Zuckermassestreifen versehen. Stück für Stück werden nun Teile abgetrennt, zu rund 40 Zentimeter langen Rollen geformt und von einer Kollegin in die Bonbonpresse gelegt, die Marquardt einem dänischen Zuckerbäcker abkaufen konnte. Ihre Kollegin drückt jetzt den Hebel nach unten – fertig sind die Bonbons, die nun auf ein Blech zum Abkühlen gelegt werden.

20 Kilogramm Drops entstehen laut Bremer Bonbon Manufaktur durchschnittlich am Tag, verkauft werden sie nur in der Böttcherstraße. Im nächsten Jahr soll der Internetshop eröffnet werden, auch wenn Sabine Marquardt nach wie vor überzeugt ist: "Das warme Bonbon kann man nicht zum Probieren verschicken. Das gibt es nur hier."
Ihren Urlaub verbringt sie übrigens nach wie vor gern mit ihrer Familie in Skandinavien. In diesem Jahr machten sie wieder in Gränna Station. Diesmal, um ihre Mitarbeiterin Annika Büsselmann bei der ersten Polkagris-Weltmeisterschaft anzufeuern. Mit Erfolg: Die 27-Jährige kann sich jetzt Vize-Weltmeisterin der "Candy Championships" nennen.

Mehr unter www.bremer-bonbon-manufaktur.de

4.041 Zeichen, Autorin: Astrid Labbert

Pressekontakt:

Bremer Bonbon Manufaktur

Sabine Marquardt

E-Mail: marquardtsabine[at]online.de

Erstellungsdatum: 02.10.2013