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Mit der Kraft eines neuen Herzens

Bei den diesjährigen Weltmeisterschaften für Transplantierte erreichte Chantal Bausch Gold und Silber. Viel wichtiger als der sportliche Erfolg ist der jungen Bremerin die Botschaft, dass Organspende Leben retten kann. Foto: Susanne Bausch
Bei den diesjährigen Weltmeisterschaften für Transplantierte erreichte Chantal Bausch Gold und Silber. Viel wichtiger als der sportliche Erfolg ist der jungen Bremerin die Botschaft, dass Organspende Leben retten kann. Foto: Susanne Bausch

"Manchmal liege ich ganz still da und spüre meinen Herzschlag." Das sagt die Bremer Sportlerin Chantal Bausch. Das Herz der Studentin schlug einst in der Brust eines 18-Jährigen – und rettete ihr das Leben. Seither trägt die junge Frau eine Botschaft mit sich: "Donate organs – save lives" ("Organe spenden – Leben retten") steht auf ihrer Visitenkarte.

Chantal Bausch ist eine Sportlerin, wie sie jeder Verein gerne in seinen Reihen hätte. Vielseitig, jung, erfolgreich. Wenn die Bremer Studentin nicht gerade als Torfrau ihres Hockey-Clubs dessen Regionalliga-Platz verteidigt, spielt sie Tennis, Badminton und Golf, läuft Ski und übt sich in verschiedenen leichtathletischen Disziplinen. Vor kurzem ist sie mit einer Gold- und einer Silbermedaille im Gepäck von einem internationalen Wettkampf zurückgekommen.

Ihre Freude über den neuerlichen Erfolg ist deutlich zu spüren, aber auch dass sich ein bisschen Nachdenklichkeit unter den Stolz mischt. Denn die Medaillen sind nicht die Ausbeute irgendeines Wettbewerbs, sondern der Weltmeisterschaften für Transplantierte, den WorldTransplantGames, die dieses Jahr im südafrikanischen Durban ausgetragen wurden. "Hoffentlich tragen solche positiven Geschichten dazu bei, dass noch mehr Menschen erkennen, wie wichtig die Bereitschaft zur Organspende ist", sagt die junge Frau.

Zunächst Kunstherz implantiert

Dass Chantal Bausch jemals auf das Siegertreppchen klettern würde, dürfte vor acht Jahren kaum jemand geglaubt haben. Hockey und Tennis waren zwar schon damals ihre Welt, aber nach einer Herzmuskel-Entzündung baute ihr Körper so schnell ab, dass schon einfaches Treppensteigen nicht mehr zu meistern war. Acht Monate lang kämpften die Ärzte in Bremen um ihre Gesundheit, doch als eine weitere Infektion hinzukam, mussten sie sich geschlagen geben: "Mir ging es damals so schlecht, dass ich nach Berlin ins Deutsche Herzzentrum verlegt wurde. In der ersten Nacht bekam ich Kammerflimmern, und mir wurde in einer Notoperation ein Kunstherz implantiert." Zugleich wurde ihr Name auf die Warteliste für Spenderherzen gesetzt – mit dem Vermerk "High Urgency".

Doch auch die höchste Dringlichkeit nutzt nur dann, wenn es auch einen Spender gibt. Einen solchen zu finden, wird aber immer schwieriger. Seit den jüngsten Organspendeskandalen ist nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation die Bereitschaft der Deutschen im ersten Halbjahr 2013 um fast 20 Prozent zurückgegangen, sich als potenzieller Spender bereit zu erklären. "Das ist schon dramatisch", sagt Chantal Bausch – jährlich benötigen rund 12.000 Menschen in Deutschland ein neues Organ, das ihr Leben retten könnte.

Als Zwölfjährige war sie sich zwar bewusst, dass sie sich in einer schwierigen Situation befand. "Aber man macht sich nicht unbedingt Gedanken, dass man sterben könnte", sagt sie. Ihre Familie allerdings dürfte damals bei dem Aufenthalt in Berlin ganz anders gezittert und gebangt haben. "Das erste Herz, das nach vier Monaten Wartezeit eingesetzt werden sollte, passte nicht", erinnert sich Chantal. Zwei Tage später kommt der erlösende zweite Anlauf mit dem Herz des 18-Jährigen, das nun seit acht Jahren in ihrer Brust schlägt.

Hochachtung für Eltern des Spenders

Gold für die Herztransplantierte Chantal Bausch und ihre Doppelpartnerin beim Tennis. Das Duo setzte sich bei den diesjährigen WorldTransplantGames in Durban erfolgreich gegen die Niederländerinnen durch. Foto: Susanne Bausch
Gold für die Herztransplantierte Chantal Bausch und ihre Doppelpartnerin beim Tennis. Das Duo setzte sich bei den diesjährigen WorldTransplantGames in Durban erfolgreich gegen die Niederländerinnen durch. Foto: Susanne Bausch

Wer dieser junge Mann war, weiß Chantal Bausch nicht. Er kam bei einem Motorradunfall ums Leben – mehr hat sie nicht erfahren. Aber den Eltern, die der Organspende zustimmten, ist sie für immer dankbar. "In einer Situation, in der man das eigene Kind verliert, noch an andere Menschen zu denken – das verdient Hochachtung", sagt sie.

Mit ihren sportlichen Aktivitäten und Erfolgen möchte Chantal Bausch zeigen, was trotz eines Spenderorgans möglich ist. Die Freude über die eigenen Erfolge ist ihr zwar deutlich anzumerken, doch lieber spricht sie über ihr zentrales Anliegen – das Thema Organspende. Von ihrer Teilnahme an den WorldTransplantGames in Durban hat sie nicht nur zwei Medaillen mitgebracht, sondern auch eine wichtige Erkenntnis: "In anderen Ländern ist das Thema viel tiefer in der Gesellschaft verankert als bei uns."

Ausländische Teams mit mehr Unterstützern

In Durban wurde dies auf vielfältige Weise sichtbar: Die Nationalmannschaft von Ländern wie Italien oder Großbritannien sind viel größer als das 24-köpfige deutsche Team. Offenbar haben sie auch eine stärkere Lobby und größere Sponsoren als Unterstützer. "Das sieht man schon an der Ausstattung der Teams", berichtet die Bremerin. Und sie hätten mehr Rückhalt in der Bevölkerung. Als Chantal Bausch sich mit ihrer Tennis-Partnerin Christiane Hochhuth aus Kassel die Goldmedaille gegen das niederländische Tennis-Duo erkämpfte, spielte sie auch gegen eine große und lautstarke Kulisse niederländischer Fans an, die ihr Team nach Südafrika begleitet hatten. "Unser einziger Fan war meine Mutter", sagt Chantal Bausch.

Vielleicht bekommt das deutsche Team bei der nächsten Meisterschaft schon mehr Unterstützung. Vom 12. bis 17. Januar 2014 finden im französischen La Chapelle d‘Abondance die Winterweltmeisterschaften der Transplantierten statt. Chantal Bausch wird unter anderem beim Abfahrtslauf an den Start gehen. Natürlich hofft sie wieder auf eine Medaille. Vor allem aber freut sie sich auf das Treffen mit den anderen Athleten, die dasselbe Schicksal erlebt haben wie sie selbst: "Das Zusammensein führt zu einer besonderen Stimmung, da alle positiv in die Zukunft schauen und ihre zweite Chance wertzuschätzen wissen."

Mehr unter www.organspende-info.de

5.491 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Chantal Bausch

E-Mail: cbausch[at]live.de

Erstellungsdatum: 21.10.2013