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Kurzfassung: Kreativ-Nachwuchs trifft auf Wirtschaft

Stipendienprogramm einmal anders: Im "Brennerei next generation lab" erhalten Hochschulabsolventen kreativer Fächer und angrenzender Disziplinen die Chance, sechs Monate lang in Projekten mit Auftraggebern aus der Wirtschaft zu arbeiten. Eine Win-Win-Situation, wie die Beteiligten finden.

Wenn Holger Schoefer nach seiner Zeit im ersten Jahrgang der "Brennerei next generation lab" gefragt wird, fasst er die frappierendste Erfahrung in einem Satz zusammen: "Es gab immer eine Lösung." Die Verblüffung schwingt auch zwei Monate nach Ende des neuen Stipendienprogramms in seiner Stimme mit, wenn er darüber spricht, wie befruchtend die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen sein kann. Gemeinsam mit einem Medien- und zwei Kommunikationsdesignern, einer Innenarchitektin, zwei Kulturwissenschaftlern und einer weiteren Architektin hat der Masterstudent in sechs Monaten an drei Projektaufträgen gearbeitet. Und immer, wenn das Gefühl aufkam, jetzt stecke man fest, "ging es irgendwo weiter", so der 31-Jährige.

Der Auftrag: Kreative Lösungen für Unternehmen

Keinesfalls erstaunt sind die Projektkoordinatorinnen Anne Havliza und Andrea Kuhfuß. Für sie geht mit dem Stipendienprogramm "Brennerei" ein Konzept auf, von dessen Wirkung sie überzeugt sind. Es baut auf Erfahrungen auf, die im Vorgänger-Stipendium "Designlabor" in Bremerhaven gemacht worden sind. "Es geht um die Professionalisierung der Stipendiaten und darum, Innovationsprozesse in Unternehmen zu initiieren", beschreibt Anne Havliza das Ziel. Inzwischen verantwortet die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH das Programm, finanzielle Unterstützung erhält es aus dem Europäischen Programm für Regionale Entwicklung (EFRE).

Bewerben können sich Hochschulabsolventen, deren Abschluss nicht mehr als ein Jahr zurückliegen sollte, und Masterstudenten. Derzeit läuft die Bewerbungsphase (Frist: 31. Januar 2014) für den nächsten Durchgang, der am 1. April beginnt. Wer von der unabhängigen Jury ausgewählt wird, erhält ein Stipendium in Höhe von 1.000 Euro monatlich. Inhaltlich geht es dann unter Anleitung von Experten aus Kreativwirtschaft und Wissenschaft darum, Lösungen für konkrete Problemstellungen von Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen zu entwickeln.

Ideen für den Bürgerpark

Für den Bremer Bürgerpark galt es beispielsweise, im ersten Durchlauf neue Ansätze zu finden, wie vermehrt Mitglieder und Spendengelder akquiriert werden können. Eher theoretischer Natur war dann die Thematik bei der niedersächsischen Onlyglass GmbH: Hier ging es darum, alternative Nutzungsmöglichkeiten eines neuen Produkts auszuloten. Das Unternehmen stellt so genannte Medienfassaden her, das heißt: digital bespielbares Glas als Informations- und Werbeträger, etwa an Häuserfassaden. Displays ersetzen dabei herkömmliche Verglasungssysteme. Die Fassaden sind nahezu transparent, LED-Leuchten sind im Glas integriert.

So unterschiedlich die Aufgabenstellungen, so divers die Herangehensweisen: Mit einem "Feldstudio" zogen die Stipendiaten etwa in den Bürgerpark und luden Besucher ein, aufzuschreiben oder zu malen, was sie sich für "ihren" Park wünschten. Zu ihrem Maßnahmenkatalog, den sie der Bürgerpark-Direktion nach Analyse und Ideenentwicklung schließlich präsentierten, zählte unter anderem eine Mitgliederkarte, die unterschiedlichen Interessensgruppen (etwa Kinder, Garten- oder Sportinteressierte) passgenauen Mehrwert bietet. "Wir haben die Zusammenarbeit als sehr wertvoll wahrgenommen", sagt Tim Großmann, Direktor des Bürgerparks. Einige Vorschläge werden jetzt in den Gremien weiterentwickelt.

Ganz ähnlich resümiert das Unternehmen Onlyglass die Zusammenarbeit. Hier setzten die Stipendiaten nach dem ersten Treffen gewissermaßen auf der Metaebene an: Was kann man mit Medienfassaden machen, jenseits der bekannten Nutzung als Werbeträger? Die verschiedenen Hintergründe der Stipendiaten führten zu einer breit gefächerten Recherche: von Aspekten der Stadtentwicklung bis zur Lichtverschmutzung, der öffentlichen Raumgestaltung, interaktiven Nutzung und kulturellen Dimension. Dass Medienfassaden etwa in nordischen Ländern im Winter eine willkommene Lichtquelle darstellen können, war ein neuer Aspekt. "Der Ideenreichtum und die konkreten Vorschläge haben uns überrascht", sagt Geschäftsführer Walter Tietz.

Neue Arbeitsformen bewähren sich

Die Stipendiaten haben Projekt- und Praxiserfahrung gesammelt, neue Arbeitsmethoden gelernt und Kontakte geknüpft – gute Voraussetzungen für den Berufsstart. Holger Schoefer beendet derzeit seinen Master und ist überzeugt, dass er aus der „Brennerei“ neue Perspektiven und Arbeitsmethoden für seine Arbeit als Architekt mitnimmt: „Ich finde nun durch das interdisziplinäre Arbeiten viel schneller Anknüpfungs- und Verknüpfungspunkte“, sagt er und fügt lachend hinzu: „Offen für Neues zu sein, ist jetzt mein Spezialgebiet.“

Mehr unter www.brennerei-lab.de

4.875 Zeichen, Autorin: Astrid Labbert

Pressekontakt:

Anne Havliza und Andrea Kuhfuß

Projektleiterinnen BRENNEREI next generation lab

E-Mail: info@brennerei-lab.de

Erstellungsdatum: 15.12.2013