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Kurzfassung: Grenze des Machbaren

Segeln ist sportliche Herausforderung und Freizeitvergnügen zugleich. Beides spiegelt sich in den Entwürfen der Yachtarchitekten von Judel/Vrolijk & Co wider. Das Bremerhavener Unternehmen zählt zu den erfolgreichsten Konstruktions- und Designbüros der internationalen Wassersportbranche.

Zwischen den Ausflugsdampfern im Hafen von Luzern sticht die MS "Saphir" sofort ins Auge. Mit ihrer Eleganz symbolisiert sie schwimmenden Luxus. Doch nicht nur deshalb nennt die Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstätter See ihr 2012 in Dienst gestelltes Passagierschiff "Panorama Yacht": Mit seinem schlanken Rumpf und dem reduzierten Design der Aufbauten kann der jüngste Neubau der schweizerischen Binnenschiffswerft Shiptec Lucerne seine Bezüge zum hochklassigen Wassersport nicht leugnen. Das Design stammt von den Bremerhavener Yacht-Architekten Jude/Vrolijk & Co (JVC), die seit fast 35 Jahren die Regattaszene prägen. "Innovative Passagierschiffe sind für uns ein hoch interessantes neues Aufgabenfeld, in das wir unsere gesamten Erfahrungen einbringen können", sagt JVC-Geschäftsführer Torsten Conradi.

Für "Alinghi"-Entwurf verantwortlich

"Pinta", "Rubin", "Container", "Outsider": In den 1980er und 1990er Jahren begründeten diese international erfolgreichen deutschen "Rennziegen" den Ruf des Ingenieurbüros, das der Bremer Fietje Judel und der Niederländer Rolf Vrolijk 1978 gründeten. Spätestens seit 2003 ist das Unternehmen auch einer breiteren Öffentlichkeit ein Begriff: Zum ersten Mal nach 150 Jahren kehrte die begehrteste Segeltrophäe der Welt, der America's Cup, zurück nach Europa. Konstrukteur der siegreichen Schweizer "Alinghi" war Rolf Vrolijk, der auch bei der Cup-Verteidigung vier Jahre später den Entwurf der neuen "Alinghi" verantwortete.

An der millionenschweren Materialschlacht um die "Blechkanne" – wie der America's Cup in Seglerkreisen heißt – beteiligt sich das Bremerhavener Büro derzeit nicht. Wohl aber an der Spitzenklasse des Segelsports: TP 52 heißt sie. TP steht für Transpacific Race, einer Regatta von Kalifornien nach Hawaii; 52 symbolisiert die Yachtlänge von 52 Fuß (15 Meter). Auf den sportlichen Leichtgewichten tritt die Elite der weltweiten Yachtszene an. Die TP 52 sind schnell; sie zu segeln macht Spaß. "Der überwiegende Teil der Boote dieser Klasse wurde von uns entworfen", sagt Conradi.

Er ist seit 1986 Partner bei Judel, Vrolijk & Co. Zuvor forschte der Schiffbau-Ingenieur an der Uni Hamburg zur Aero- und Hydrodynamik von Yachten. Conradi steht damit stellvertretend für die Kompetenz, die sich in dem 17-köpfigen Team des Konstruktions- und Designbüros gesammelt hat. "Unser Ziel ist es immer, das Optimum in der Konstruktion und im Design herauszuholen." Die Ingenieure gehen dabei buchstäblich an die Grenze des Machbaren, wie das Beispiel der TP 52 zeigt. Die Linien der Racer werden vor allem in Rechner-Simulationen optimiert. Die Materialstärken der Rümpfe sind dank hochspezialisierter Computersoftware punktgenau auf die jeweiligen Belastungen ausgerichtet, ohne ein Gramm zu viel zu wiegen. Schließlich ist sogar das Gewicht der 14-köpfigen Besatzung mit nur 1.273 Kilogramm streng limitiert.

Yacht des Jahres kommt aus Bremerhaven

Die aktuellen Hochleistungsboote sind vorläufiger Höhepunkt einer Konstruktionskarriere, in deren Verlauf JVC auch die segelnde Prominenz wie den Chef des Modekonzerns Prada, Patrizio Bertelli, oder Juan Carlos, König von Spanien, begeisterten. Wer ein Original von Judel/Vrolijk & Co segeln will, muss allerdings nicht unbedingt schwerreich sein. Die Konstrukteure und Designer arbeiten auch für Serienyachtwerften wie Dehler und Hansa. Mit Erfolg: Gerade wurde die in Bremerhaven entworfene Dehler 38 von der französischen Segel-Zeitung "Voile Magazine" zur Yacht des Jahres 2014 gewählt. Zudem wurde der sportliche Cruiser von den elf führenden europäischen Wassersport-Magazinen als "Europäische Yacht des Jahres 2014" nominiert.

Solch internationale Anerkennung sei für die ganze Branche wichtig, betont Torsten Conradi in seiner Rolle als Präsident des Deutschen Boots- und Schiffbauerverbandes. "Ohne den Export könnten viele unserer Betriebe nicht existieren." Allein im ersten Halbjahr 2013 exportierten die deutschen Bootsbauer Schiffe und Zubehör im Gesamtwert von 398 Millionen Euro.

Etliche der 253 exportierten Yachten mit mehr als zwölf Metern Länge trugen dabei neben dem Qualitätssiegel "Made in Germany" zusätzlich ein "Made in Bremerhaven". Das ist in dem Fall die Kurzform für "Maritime Architecture, Design and Engineering in Bremerhaven". Das Firmenschild hängt am Eingang des Bürogebäudes, das JVC vor fünf Jahren bezogen haben. Die Adresse "Am Alten Vorhafen" ist mittlerweile auch in der Schweiz ein Begriff. "Die MS 'Saphir' ist erst der Anfang", sagt Torsten Conradi. "Es sieht so aus, dass sich dort mit der Passagierschifffahrt ein neuer Markt für uns öffnet."

Mehr unter www.judel-vrolijk.com

4.894 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Torsten Conradi

Judel/Vrolijk & Co

E-Mail: info[at]judel-vrolijk.com

Erstellungsdatum: 27.01.2014