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Mit persönlicher Note

Kunst und Menschen zusammenzubringen – das sind zwei Leidenschaften der Bremer Malerin Petra Heitkötter. Um beides zu vereinen, hat sie den "Kunstsalon" erschaffen. Einen Ort der künstlerischen Begegnung – aber nicht nur: Man kann bei der Künstlerin auch übernachten. Ihre individuellen Künstlerwohnungen sind nicht nur bei Kollegen aus der Szene beliebt. Mittlerweile betreibt sie an fünf Standorten acht Wohnungen mit 15 Zimmern.

In diesem Sommer erfüllt sich Petra Heitkötter einen Traum. Ihr Atelier zieht zu ihr unters Dach. Und damit steigt auch die Chance, dass die Künstlerin wieder mehr Zeit fürs Malen findet. Denn die Kunst, die kommt zu kurz seitdem die Malerin auch Vermieterin ist. Petra Heitkötter sitzt in ihrer Küche in Bremen-Walle und sinniert über ein mögliches nächstes Leben. Dann wäre sie garantiert Innenarchitektin, schmunzelt die Frau mit dem markanten Lockenkopf. Dabei hat sie schon längst all ihre Leidenschaften vereint: die Kunst, die Menschen und das Einrichten. In ihrem "Kunstsalon" treffen Kunstinteressierte aufeinander und sie können in von ihr eingerichteten und mit Kunstwerken ausgestatten Zimmern übernachten.

Bei Petra Heitkötter klingeln die unterschiedlichsten Gäste an. "Und mir muss es gelingen, dass sich alle wohlfühlen", sagt sie. Ganz gleich ob Hilfsarbeiter auf Montage, Tourist oder Professor auf Stippvisite für einen Gastvortrag. Wer sich für ein Zimmer oder eine Ferienwohnung im kleinen "Kunstsalon"-Reich aus insgesamt acht Wohnungen entscheidet, der schätzt die individuelle Note. Alle Zimmer versprühen das Besondere. Uniformität ist bei Petra Heitkötter fehl am Platze. Kein Zimmer gleicht dem anderen.

Überall präsent: Die Kunst

Alt und modern treffen in unterschiedlichsten Stilelementen zwischen Holzdielen und hohen Decken aufeinander. Überall präsent: Die Kunst. Gemälde, Skulpturen, Installationen. An der Wand, im Treppenhaus, in der kleinsten Nische. Zu gucken gibt es reichlich. Auf Wunsch auch zu kaufen.

Petra Heitkötter ist eher die freundschaftliche Herbergsmutter mit viel Herz als die aalglatte Unternehmerin. Das Geschäft mit den Übernachtungen hat sich Stück für Stück ergeben. Geplant war es nicht, wenngleich schon immer in der Künstlerin auch der Traum vom eigenen kleinen Hotel geschlummert habe, wie sie bekennt. Der Zufall hat diesem Traum dann in die Realität verholfen. Sie wollte damals, vor 17 Jahren, ein Zimmer in ihrem großen Altbremer Haus untervermieten. "Aber es sollte keine WG werden. Ich habe Leute gesucht, die zu mir und meiner Kunst passen", sagt die Malerin.

Sie hatte da gerade den ersten Kunstsalon Bremens ins Leben gerufen. Maler, Bildhauer, Objektkünstler, aber auch Musiker, Schriftsteller oder Schauspieler gingen in ihrem Haus im multikulturellen Bremer Stadtteil "Viertel" ein und aus. So verwundert es nicht, dass Musicaldarsteller Ethan Freeman der erste Gast war, der bei ihr eine Wohnung bezog. Ganze zweieinhalb Jahre blieb er.

Und er war nicht der einzige Künstler, der sich mit Petra Heitkötter ein Dach teilte. Das halbe Bremer Theater habe schon bei ihr gewohnt. "Eine Riesenbereicherung", sagt sie. Die Mitbewohner waren immer auch eine große kreative Inspirationsquelle. "Ich habe über sie Zugang zu Themen wie alte Musik oder Ballett gefunden", freut sich die bildende Künstlerin noch heute.

Glücksfall Walle

Alles lief nach Wunsch, doch dann wurde ihr das Haus im "Viertel" gekündigt. Petra Heitkötter musste umdisponieren. Zunächst ein Ärgernis, in der Rückbetrachtung jedoch ein Glücksfall, wie sie sagt. Denn die Malerin entdeckte mit dem einstigen Hafenarbeiterviertel Walle nicht nur einen neuen Standort, sondern legte auch den Grundstein zu ihrem heutigen Erfolg als Gastgeberin. Die erste Skepsis verflog schnell. Ruhige Seitenstraßen, alter Häusercharme, der beginnende Boom der Bremer Überseestadt in unmittelbarer Nachbarschaft, Zentrumsnähe und eine gute Infrastruktur überzeugten sie. Und auch die Gäste. Ihre Zimmer rangieren im oberen Feld in der Liste der Bremer Unterkünfte, im Frühjahr bekam Petra Heitkötter einen "Guest Award" vom Reiseportal "booking.com" überreicht.

Als Vermieterin sind Qualitäten wie Disziplin, Organisationstalent und Dienstleistungsorientierung gefragt. "Das Vermieten ist schon ein Beruf", sagt Petra Heitkötter. Einer, der auch immens von ihrem Geist lebt. Nicht nur beim Einrichten der Zimmer ist ihr Händchen gefragt. "Ich gehe da wie beim Malen der Bilder vor und fange mit einem Detail an wie zum Beispiel einer Lampe." Die Künstlerin kümmert sich um die bis zu 25 Schlafplätze, begrüßt die Gäste, checkt die Buchungslage ebenso wie den Zustand der Kühlschränke. Kaffee, Tee, Milch, Marmelade und Butter gehören zum kostenfreien Service. Viele Übernachtungsgäste kommen regelmäßig, zu einigen unterhält sie mittlerweile freundschaftliche Beziehungen, zum Beispiel nach St. Petersburg oder nach Bahrain. Andere nennt sie liebevoll "meine Inder" und meint damit Gäste, die für ein Bremer Unternehmen arbeiten und bei ihr eingemietet sind.

Niedrigschwellige Gespräche über die Kunst

Ihre Ferienwohnungen liegen alle in einem Radius, den man zu Fuß innerhalb von fünf Minuten erreichen kann. Und Petra Heitkötter ist viel unterwegs, gerade ist ein neues Haus fertig renoviert, in einem anderen hat sie die Dachterrasse eingerichtet – mit einem fabelhaften Blick über die Dächer die Stadt. Das viele Treppensteigen trainiert. Doch alles allein schaffen zu wollen ist schlichtweg nicht machbar. Vier Minijobberinnen unterstützen Petra Heitkötter. "Ich sehe mich nicht als klassische Hotelbetreiberin", sagt sie. Vermietet werden die Zimmer und Wohnungen ab zwei Tagen, die meisten Gäste mieten wochen- oder gar monatsweise. Und zu fast allen entwickelt sich ein Gespräch über Kunst. Ganz niedrigschwellig, weil diese einfach überall vorhanden ist.

"Mit so vielen unterschiedlichen Menschen aus allen Erdteilen in Berührung zu kommen, inspiriert mich auch in meiner künstlerischen Arbeit enorm", sagt Petra Heitkötter, die sich bislang in mehr als 40 Einzelausstellungen präsentiert hat. In Hamburg, Dresden, Riga und Wien ebenso wie auf Formentera, wo ihre Wahlheimat ist. Die Gastwohnungen im Kunstsalon-Imperium sind für die Künstlerin ein doppelter Glücksgriff: "Wo hätte ich sonst solch eine imposante Ausstellungsfläche?". Mehr als 500 Quadratmeter stehen ihr zur Verfügung.

Kunstwerke können gekauft werden

Und die werden gut genutzt von Miniaturen bis hin zu großformatigen Arbeiten. Eine Vielzahl in ihren favorisierten Farben Gold und Blau, "die Farben der Göttlichkeit". Ganz sicherlich werden neue Werke hinzukommen, wenn Petra Heitkötter ihr neues Atelier eingerichtet hat und neben staubsaugen, Buchungen planen und Wäsche waschen für einige Stunden schnurstracks unters Dach entschwinden und an neuen Ideen arbeiten kann.

6.806 Zeichen, Autorin: Corinna Laubach

Mehr unter: www.kuenstlerwohnung.de

Pressekontakt:

Petra Heitkötter

E-Mail: info[at]petraheitkoetter.de

Erstellungsdatum: 21.07.2014