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Kurzfassung: Schwärmerei im Großstadtrevier

Wer Bienen und Imkerei gedanklich mit freier Natur verbindet, der irrt. Andreas Bredehorn hat seine Bienenstöcke mitten in Bremerhaven auf Schuldächern, Fabrikgeländen und sogar auf dem höchsten Gebäude aufgestellt. "Man mag es zunächst nicht glauben, aber die Stadt ist ein ideales Gelände für die Imkerei", sagt der 28-Jährige.

Für sein Hobby klettert Andreas Bredehorn gerne in luftige Höhen. Das Fliegen allerdings überlässt er anderen. "Hätten Sie gedacht, dass es mitten in der Stadt so grün ist?" fragt er beim Blick vom Dach des Lloyd Gymnasiums und zeigt auf die vielen Lindenbäume und den Park, die den Straßenschluchten der Bremerhavener Innenstadt beim Blick von oben ein idyllisches Antlitz geben. Die grüne Vielfalt ist genau das, was der 28-Jährige braucht. Sein Hobby ist die Imkerei – mitten in der Stadt und sogar im Hafen sind seine Bienenvölker unterwegs. "Besseren Honig als direkt aus der Stadt kann man nicht bekommen", sagt er.

Obwohl vier Stockwerke tiefer der Straßenverkehr rauscht, ist das Summen der beiden Bienenvölker auf dem Schuldach nicht zu überhören. "Dahinten am Weserdeich gibt es immer noch Klee, da unten im Park blühen jede Menge Blumen. Und die Linden dahinten sind sowieso ideal für die Bienen", sagt Bredehorn und ist mittendrin in seinem Lieblingsthema – der Imkerei. "Sie müssen mal sehen, wie begeistert Kinder sind, wenn sie das erste Mal sehen, woher der Frühstückshonig kommt", freut sich Bredehorn. Viele Kinder würden nur noch Honig aus der Tube kennen. Dass er von Bienen produziert wird, sei ihnen fremd.

Obstbäume trugen wenig Früchte

Vor gut drei Jahren widmete sich Bredehorn das erste Mal den Bienen. „Weil es im Garten an meinem Elternhaus zu wenig Bienen gab, trugen die Obstbäume nur wenig Früchte", erzählt er. „Deshalb habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie man Bienen in die Stadt bekommt und bin so auf die Imkerei als Hobby gestoßen", sagt der junge Mann, der seinen Lebensunterhalt im Schichtdienst im Hafen verdient.

Bis zur Imker-Ausbildung war es dann nur noch ein kurzer Schritt; der nächste Schritt bis zum ersten Volk war auch nicht viel länger. Als Stadtkind kam für ihn nichts anderes in Frage, als die Imkerei mitten in der Stadt zu betreiben. "Aus der ersten Idee ist schnell ein Konzept entstanden", sagt Bredehorn. Er möchte anderen Menschen nahebringen, wie wichtig Pflanzenvielfalt in der Stadt ist, dass dafür Bienen notwendig sind – und dass Honig besser schmecken kann als die Ware aus dem Supermarkt.

"Hier oben fing alles an", sagt Bredehorn. Auf dem Dach des Lloyd Gymnasiums platzierte er sein erstes Volk. Die Schule fand sein Experiment interessant – im Gegenzug für den zur Verfügung gestellten Platz kommt der Imker in den Unterricht, betreut mit den Schülern die Bienen und produziert mit ihnen Honig.

Bienen sind nützlich und nicht aggressiv

Mittlerweile hat er 40 Bienenvölker in der Stadt verteilt – selbst auf dem höchsten Gebäude Bremerhavens, dem Atlantic Hotel Sail City, stehen drei Stöcke, in denen rund 180.000 Bienen wohnen. Natürlich begegnet Bredehorn dabei immer wieder gewissen Vorbehalten und einer Skepsis, dass Bienenvölker gefährlich sein könnten. "Gott sei Dank kann man den meisten Menschen schnell erklären, dass Bienen nicht aggressiv, sondern sehr nützlich sind."

Diese Aufklärungsarbeit zählt Bredehorn zu den wichtigsten Aspekten seines Hobbys. Er geht in Schulen und berichtet in Firmen. Mittlerweile ist er so bekannt in Bremerhaven, dass er sogar von der Polizei gerufen wird, wenn irgendwo ein wilder Bienenschwarm auftritt. Mancher Schwarm ist Bredehorn dabei willkommen. Denn die Nachfrage nach Bienenvölkern ist in der Stadt dank seiner Arbeit gewachsen. Aber nicht nur die Tiere sind gefragt, sondern auch das Endprodukt Honig. "Honig aus der Stadt ist vielseitiger und vitaminhaltiger als jener, der auf dem Land über Monokulturen wie beispielsweise Rapsfelder erzeugt wird", erklärt er. Den Reinerlös aus dem Verkauf des als Marke geschützten "Seestadt-Honigs" investiert er in Schulprojekte.

Er kauft zudem neue Bienenstöcke nicht von der Stange, sondern lässt sie genau wie sein Verpackungsmaterial bei der Lebenshilfe produzieren. Und schließlich geht es ihm vor allem um eine lebendige Natur mitten in der Stadt. "Das ist ja hier schon sehr grün", sagt er beim Blick vom Schuldach: "Aber mit Hilfe der Bienen und mit einem etwas anderen Bewusstsein für innerstädtisches Grün könnte es noch viel besser sein."

Zeichen: 4.442, Autor: Wolfgang Heumer

Mehr unter: www.seestadt-honig.de

Pressekontakt:

Andreas Bredehorn

E-Mail: info[at]seestadt-honig.de

Erstellungsdatum: 24.09.2014