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Dickköpfe für den Naturschutz

Der wachsende Hafenumschlag in Bremerhaven ist nicht nur ein Gewinn für die Wirtschaft in der Stadt. Auch die Natur im Umland profitiert indirekt davon: Die als Ausgleich für die Hafenerweiterung geschaffenen Naturschutzgebiete locken seltene Tierarten an – und immer mehr Spaziergänger. Die erfreuen sich auch an den Wasserbüffeln von bremenports.

Seinen wichtigsten Mitarbeitern nähert sich Heiko Runge nur ganz vorsichtig: "Tritt man zu fest auf, gehen sie auf Abwehrhaltung." Seine dickköpfigen "Kollegen" mag Runge aber auf keinen Fall gegen sich aufbringen. Es handelt sich um Wasserbüffel – im Auftrag der Hafengesellschaft bremenports sind die exotischen Rindviecher auf der Luneplate im Süden Bremerhavens als Rasenmäher unterwegs. Die Umgestaltung des 1.000 Hektar großen Areals zu einem Naturschutzgebiet ist das größte einer Vielzahl von Projekten, mit denen das Land Bremen im Umland für umweltfreundlichen Ausgleich des wachsenden Hafenbetriebs sorgt. Auch der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer profitiert von den Millionen-Investitionen in die Natur.

Mehr seltene Brut- und Rastvögel

Die Wasserbüffel gehören mittlerweile zu den Lieblingen vieler Spaziergänger, die am Wochenende die Luneplate als Naherholungsgebiet nutzen. Doch die urigen Viecher stehen nicht als Augenweide fürs Publikum auf der Lohnliste von bremenports, sondern haben einen konkreten Auftrag: Auf einem etwa 40 Hektar großen Areal inmitten der Wiesen- und Wasserlandschaft sollen sie das Gras kurz halten, damit dort Vögel brüten können. Das ausgedehnte Feuchtgrünland bietet zahllosen Brut-, Rast- und Zugvögeln ideale Lebensbedingungen – zum Beispiel Kiebitzen, Rotschenkeln und Nonnengänsen. "Bei den Brut- und Rastvögeln verzeichnen wir inzwischen eine deutliche Zunahme der Populationen", sagt bremenports-Chef Robert Howe.

Ähnliches beobachten auch die Experten des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer im Norden Bremerhavens. Ebenfalls als Ausgleich für die Hafenerweiterung in Bremerhaven wurden im Deichvorland bei Cappel-Neufeld (Kreis Cuxhaven) die Sommerdeiche geöffnet und Priele angelegt. Seitdem sind die einst landwirtschaftlich genutzten Flächen wieder dem Einfluss der Gezeiten ausgesetzt – mit einem beachtlichen Ergebnis. "Durch die Sommerdeichöffnung haben sich wertvolle Salzwiesen entwickelt", erklärt Peter Bartz, Gebietsbetreuer für die Wurster Küste bei der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven. "Viele gefährdete Vogelarten finden dort wieder ein geeignetes Bruthabitat, ihre Bestände haben sich gegenüber den konventionell genutzten Flächen erheblich erhöht".

Exklusive Gäste aus Südeuropa

Der Leiter der niedersächsischen Nationalparkverwaltung, Peter Südbeck, entdeckte in diesem Jahr bei seinen regelmäßigen Begehungen des Areals eine absolute Besonderheit. In der renaturierten Salzwiese brütete ein Paar von Stelzenläufern. Die vom Aussterben bedrohte Art hatte offenbar eine lange Anreise hinter sich: Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt auf der Iberischen Halbinsel, im Mittelmeerraum sowie in den Niederungen Südosteuropas. Aus bislang unbekannten Gründen wurde diese Art seit Anfang April häufiger vor allem im Süden Deutschlands gesichtet. Doch nur an ganz wenigen Standorten wurden brütende Paare beobachtet – eines davon fast am Stadtrand von Bremerhaven. "Dass solche exklusiven Gäste die Renaturierungsflächen im Nationalpark zur Brutansiedlung nutzen, unterstreicht: Diese Art von Naturschutzmaßnahme ist geeignet, den Nationalpark und das Weltnaturerbe Wattenmeer ein Stück besser zu machen", betont Peter Südbeck.

Gemessen an den fliegenden Gästen aus Südeuropa sind die Wasserbüffel auf der Luneplate trotz ihres exotischen Aussehens geradezu bodenständige Bewohner der Region. Ursprünglich stammen sie aus Asien. Dort werden die zotteligen Zeitgenossen als Zugtiere beim Bewirtschaften von Reisfeldern eingesetzt. Die Herde von bremenports ist jedoch europäischen Ursprungs. "Es sind Zuchten aus Rumänien und Italien", weiß Bauer Rainer Knabbe, der die Tiere betreut. Genau genommen kommen sie aus der Nähe von Oldenburg. "Ich habe sie bei einem Bauern in Hatten gesehen, ein Wort gab das andere und nun haben wir die Dickköpfe im Dienst", sagt Runge. Dass sie überhaupt auf der Luneplate eingesetzt werden, liegt an der Robustheit der Tiere. "Die sind das ganze Jahr hier draußen und finden das auch bei Eiseskälte noch klasse", meint Runge.

Valentino ist der Boss

Boss ist Bulle Valentino – der hat zwar rund 20 Jahre auf dem Buckel, ist aber der Frauenliebling auf der Weide. "Er hat so häufig Nachwuchs gezeugt, dass wir die Herde jetzt teilen mussten", erläutert Knabbe. Einen Chef für die neue Gruppe gibt es schon: Tino ist gerade von bremenports eingestellt worden. "Er ist erst zwei Jahre alt und kann mit den 'Damen' noch nichts anfangen", weiß Runge. Selbst ans Fressen lassen ihn die Büffelkühe erst, wenn sie selbst satt sind. Widerstand ist zwecklos: "Eine Kuh wiegt locker 800 bis 900 Kilogramm", sagt Knabbe.

Gleichstellungsgrundsätze gelten in der Runde ohnehin nicht. Männer haben in Runges dickköpfigem Team kaum Karrierechancen. "Männliche Nachkommen müssen aus der Herde genommen werden, sonst gibt es Machtkämpfe", sagt Knabbe. Nach Möglichkeit suchen Runge und Knabbe dann nach einer neuen Beschäftigung. In Ausnahmefällen führt der Weg jedoch zum Schlachter. Aber selbst dann kommen Bremerhaven-Besucher buchstäblich in den Genuss der urigen Naturschützer: In einem Bremerhavener Hotel gab es gerade Büffeltage - "da kostete die Portion 70 Euro", macht Knabbe deutlich, welchen Wert dickköpfige Mitarbeiter für bremenports haben.

Zeichen: 5.651 , Autor: Wolfgang Heumer

Mehr unter: www.bremenports.de

Pressekontakt:

Rüdiger Staats

Pressesprecher Hafengesellschaft bremenports

E-Mail: ruediger.staats[at]bremenports.de

Erstellungsdatum: 20.11.2014