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Ein neues Zuhause für Bodo

"Papageien sind keine Haustiere." Davon sind Elisabeth Willich-Braune und Hans-Hermann Braune überzeugt. Im Papageienschutz-Centrum Bremen pflegen sie kranke und alte Papageien und klären Besucher über artgerechte Haltung auf.

Bodo ist aufgeregt. Sein schmächtiger Körper wippt, den Kopf wiegt er von links nach rechts. "Bodo", krächzt er immer wieder seinen eigenen Namen, "Bodo." Sanft streicht Elisabeth Willich-Braune dem Kongo-Graupapagei über das Gefieder und betrachtet ihn aufmerksam von allen Seiten. "Ruhig", redet sie mit leiser Stimme auf ihn ein, "ganz ruhig."

Elisabeth Willich-Braune hat ein Händchen für Papageien. Und ein großes Herz für schwierige Fälle. Gemeinsam mit ihrem Mann gründete sie 1998 den Trägerverein des Papageienschutz-Centrums Bremen, in dem alte, kranke und vernachlässigte Papageien annähernd in Freiheit leben können. In zwei üppig bepflanzten Flughallen mit insgesamt 530 Quadratmetern Fläche können sie mit ihren Artgenossen ungestört fliegen, scharren und spielen. Getragen von einem gemeinnützigen Verein ist die Einrichtung wohl einzigartig in Deutschland, das Konzept ist im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnet: 2006 erhielt das Papageienschutz-Centrum den Tierschutzpreis der Mechtold-Stiftung für Tierschutz, drei Jahre darauf folgte der Bremer Tierschutzpreis.

Erstes Gehege im eigenen Haus

Auch über die Landesgrenzen hinweg ist das Papageienschutz-Centrum bekannt. Regelmäßig lassen sich engagierte Tierfreunde vor Ort beraten, weil sie ähnliche Projekte planen. "Sicherlich ist so eine Flughalle nicht mit einem echten Urwald zu vergleichen. Aber die Bedingungen sind trotzdem besser als das, was Papageien in Käfigen erleiden", sagt Elisabeth Willich-Braune. Mitte der 1970er-Jahre beobachtete sie die Tiere zum ersten Mal, bei einem Besuch in den Urwäldern Brasilien. Das Bild eines Schwarms frei fliegender Aras hat sie nie vergessen – und prägt ihre Sicht auf die Vögel bis heute. "Papageien sind Wildtiere", sagt sie. "Und was tun die Menschen? Sie sperren sie in Käfige und lassen sie sprechen lernen."

Ihren ersten Vogel brachte die Bremerin auch gleich aus Brasilien mit: ein fast federloses, blindes Geschöpf, das sie vor dem Kochtopf der Ureinwohner bewahrte. Zuhause richtete sie für den Ara ein Gehege ein – in der ersten Etage ihres Hauses. Weitere Papageien folgten. Und das schließlich in so großer Zahl, dass sie eine andere, größere Bleibe benötigten.

Fünf Jahre lang suchten das Ehepaar und ihre Mitstreiter ein geeignetes Gebäude. 2003 wurden sie in einem Kleingartengebiet in Bremen-Findorff fündig und pachteten eine ehemalige Gärtnerei. "Worauf haben wir uns nur eingelassen?" fragte sich Elisabeth Willich-Braune, als sie das erste Mal das völlig von Brombeeren und Gestrüpp überwucherte Gelände betrat, um das sich sieben Jahre lang niemand gekümmert hatte. Mit Kettensägen, Herzblut, Geld und Elan richtete der Verein die Gewächshäuser und den Anbau wieder her. Im darauffolgenden Frühjahr konnten die ersten Tiere einziehen.

Bodo war ein Rupfer

Bodo kam ein Jahr später nach Bremen, im April 2005 gemeinsam mit seinem Partner Jacob. Seine Eigentümer hatten die Kongo-Graupapageien aus einer privaten Haltung übernommen, wo sie nach Angaben des Papageienschutz-Centrums viele Jahre in einem kleinen Käfig in einem leeren Raum leben mussten. Mit diesen Bedingungen kam der Wildfang gar nicht klar: Bodo wurde ein Rupfer, noch heute reißt er sich die kleinen Federn an der Brust aus bis nackte Haut zu sehen ist.

Schicksale wie diese dürfen sich nach Ansicht der Papageien-Freunde nicht wiederholen. "Papageien sind keine Haustiere", sagt Hans-Hermann Braune. Er ist Vorsitzender des Trägervereins und hat eine Ausstellung für den Informationsraum im Fluggehege konzipiert, die vor allem ein Ziel hat: die jährlich zwischen 500 und 600 Besucher über das Leid der Tiere in Gefangenschaft aufzuklären.

Und doch gibt es noch unzählige Tiere, die in Käfigen ihr Dasein fristen. Fast täglich rufen Menschen im Papageienschutz-Centrum an, weil sie ihre Tiere abgeben wollen. Die Liste an Begründungen ist lang: Ursprüngliche Besitzer seien verstorben und die Erben überfordert, Ehepaare ließen sich scheiden und keiner möchte das Tier übernehmen oder die Kosten seien ihnen schlichtweg zu hoch. "Wir hätten in den vergangenen Jahren mehrere tausend Tiere aufnehmen können", sagt Hans-Hermann Braune, "aber wir haben einfach keinen Platz mehr."

Versteckspiel im künstlichen Dschungel

Gerade mal 63 Vögel leben derzeit in den beiden zu Fluggehegen umgebauten Gewächshäusern, getrennt nach den Kontinenten aus denen sie ursprünglich stammen: Südamerika und Afrika.

Wer einen Mohrenkopfpapageien oder einen Vertreter der verschiedenen Amazonen- und Graupapageien-Arten beobachten will, muss allerdings Geduld haben. Die Vögel verstecken sich gern im dichten Grün. Auch wenn Wein, Hopfen, Hasel, Eberesche und Ahorn nicht aus den Heimatländern der Tiere stammen – die Papageien-Freunde scheuen keine Kosten und Mühen, um für ein möglichst authentisches Dschungel-Gefühl zu sorgen. Mehrmals am Tag lässt eine Sprenkleranlage gefiltertes Wasser regnen.

Rund 150.000 Euro hat Elisabeth Willich-Braune in den Umbau der ehemaligen Gärtnerei gesteckt. Für eine weitere Halle fehlt das Geld. Monatlich muss der Verein mit seinen derzeit etwa 100 Mitgliedern rund 6.500 Euro über Spenden aufbringen, um die vier hauptamtlichen Mitarbeiter zu bezahlen und laufende Kosten zu decken: Die Vögel verschlingen täglich etwa 300 Kilogramm an Spezialfutter, frischem Gemüse und Obst.

Jeder von ihnen braucht eine individuelle medizinische Betreuung und Medikamente. Wie Bodo sind viele Tiere verhaltensauffällig und rupfen sich. Andere sind blind, haben eine verwachsene Wirbelsäule, schiefe Krallen oder Schnäbel. Fast alle Papageien litten durch die Käfighaltung an Aspergillose, einer Infektion durch Schimmelpilz, sagt Elisabeth Willich-Braune. Sie behandelt die chronisch erkrankten Tiere fast ausschließlich mit homöopathischen Mitteln. Das subtropische Klima in den Flughallen, die regelmäßige zirkulierende Luft und die hohe Luftfeuchtigkeit sollen ebenfalls dazu beitragen, den gesundheitlichen Zustand zu stabilisieren oder sogar zu verbessern: "Die Papageien können beim Fliegen ihre Lungen durchlüften", erklärt Elisabeth Willich-Braune.

Fast täglich sind sie und ihr Mann im Papageienschutz-Centrum. Auf Urlaub verzichtet das Ehepaar seit Jahren. "Zu sehen, wie die Vögel das erste Mal fliegen, wie sie einen Partner finden und sich nach und nach vom Menschen entwöhnen, sind die schönsten Augenblicke für mich", sagt Elisabeth Willich-Braune.

Zeichenzahl: 6.616; Autorin: Melanie Öhlenbach

Mehr unter: papageienschutz.net/psc-bremen/

Pressekontakt

Hans-Hermann Braune

Vorsitzender des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

info[at]papageienschutz.de

Erstellungsdatum: 28.09.2015