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Kurzfassung: Die Welt im Briefmarkenformat

Seit 1978 entwerfen die beiden Designer Sibylle und Fritz Haase aus Bremen Postwertzeichen. Mit rund 120 veröffentlichten Exemplaren gehören sie zu den führenden Briefmarkengestaltern Deutschlands.

Der erste deutsche ICE für 60 Pfennig, das Passagierschiff "Bremen" für 55 Cent, das Bauhaus Dessau für 1,60 Euro: Es gibt nichts, was Sibylle und Fritz Haase nicht auf wenigen Quadratzentimetern unterbringen könnten. Angefangen hat alles vor 37 Jahren. Damals erhielten die beiden Inhaber des Bremer Ateliers für Gestaltung Haase & Knels die erste Anfrage der Deutschen Bundespost zur Gestaltung einer Sondermarke. "Da kann man sich nicht einfach bewerben, sondern man wird aufgefordert, sich an einem Wettbewerb zu beteiligen", sagt Fritz Haase.

Wem eine solche Aufforderung zuteilwird, der hat es in die erste Liga der Grafikdesigner geschafft – keine Frage also, dass der Professor für Grafikdesign und Fotografie gemeinsam mit seiner Ehefrau Sibylle Haase, geborene Knels, die Herausforderung annahm. Und gleich einer der ersten Versuche wurde zum Erfolg: Die beiden setzten sich gegen ihre Mitbewerber durch und entwarfen zwischen 1978 und 1980 alle 24 Marken einer Serie zum Thema Luftfahrt.

Bis heute folgten etwa hundert weitere veröffentlichte Marken mit einem breiten Themenspektrum. "Das ist das Schöne daran", sagt Sibylle Haase. "Wir beschäftigen uns mit Dingen, mit denen man üblicherweise nichts zu tun hat." Natürlich gebe es gelegentlich Themen, an denen das persönliche Interesse zunächst nicht übermäßig groß sei. "Aber dann versuchen wir, da etwas herauszuholen und eine andere Sicht zu finden." Bisher sei das immer gelungen.

Botschafter des Landes

Briefmarken seien "Spiegel der Zeit, Botschafter unseres Landes, Wohltäter und kleine Kunstwerke", schreibt das seit 1998 als Herausgeber fungierende Bundesfinanzministerium auf seiner Internetseite. Von den etwa 500 Themenvorschlägen, die jedes Jahr beim Ministerium eingehen, werden ungefähr zehn Prozent verwirklicht. Um die Gestaltung der Marken kümmern sich aktuell bundesweit rund 100 Grafiker: Jeweils sechs bis acht von ihnen werden gebeten, Entwürfe zu den einzelnen Themen einzureichen.

"Reich werden kann man damit nicht", erzählt Sibylle Haase. "Aber es ist eine Ehre, dabei sein zu dürfen." Zu seinen bisherigen Lieblingsmotiven zählt ihr Mann Fritz Haase die 55-Cent-Marke von 2004 mit dem Dampfer "Bremen" – auch wenn die Vorarbeiten damals mit bestimmten Herausforderungen verbunden waren: Genau 75 Jahre vorher hatte die "Bremen" das begehrte "Blaue Band" für die schnellste Atlantiküberquerung gewonnen. Doch mit welchen Farben war das Schiff im Jahr 1929 bemalt? Und welche Gebäude waren bei seiner Ankunft in New York in der dortigen Skyline zu sehen? "Eine Briefmarke ist so klein, aber es darf nicht der geringste Fehler darauf sein", betont Fritz Haase. "Irgendwo gibt es immer jemanden, der es merkt, wenn irgendetwas nicht ganz genau richtig ist."

Filigrane Detaildarstellung

Am deutlichsten hat sich die Arbeit des Designer-Paars im Laufe der Jahrzehnte durch die technische Entwicklung verändert. "Früher war das reine Handarbeit, da mussten wir alles selbst zeichnen", erläutert Fritz Haase. Längst hat der Computer einiges vereinfacht. Das Malen haben die beiden bis heute nicht aufgegeben, aber jetzt können sie zusätzlich auch auf Fotos zurückgreifen und die grafischen Elemente am PC bearbeiten, bevor das Endprodukt schließlich in den Druck geht.

Auf das Ergebnis einer Ausschreibung warten die beiden manchmal besonders gespannt – und zwar dann, wenn sie zuvor einen internen Wettbewerb aus dem Projekt gemacht haben. Zu jedem Thema müssen nämlich drei unterschiedliche Entwürfe eingereicht werden, "und manchmal treten wir auch als Konkurrenten an", berichtet Fritz Haase. Zu Ehekrisen hat das bislang noch nie geführt. "Wir freuen uns, wenn der andere gewinnt", sagt Sibylle Haase. "Da sind wir ganz neidlos."

Zeichen: 3.935; Autorin: Anne-Katrin Wehrmann

Mehr unter: www.haase-und-knels.de

Pressekontakt

Sibylle und Fritz Haase

E-Mail: s.haase[at]haase-und-knels.de

Erstellungsdatum: 28.09.2015