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Kurzfassung: In der Schule des herben Geschmacks

Anika Kukielka ist eine der wenigen Frauen, die das Handwerk des Brauens und Mälzens erlernen. Die Praxis bekommt sie von der Brauerei Beck & Co. beigebracht, die Theorie am Schulzentrum Rübekamp in Bremen. Es ist die einzige Berufsschule für Brauer und Mälzer in Norddeutschland.

Noch heute leuchten ihre Augen, wenn Anika Kukielka vom ersten Bier erzählt, das sie gebraut hat. Es war ein Märzen, ein untergäriges Vollbier. Zwei Jahre ist es her, dass sie und ihre Mitschüler aus Hopfen, Malz, Wasser und Hefe den Gerstensaft mit der karamelligen Note hergestellt haben. "Das war ganz anders als alle anderen Biere, die ich bis dahin probiert hatte", erinnert sich die Bremerin, unter deren Zutun inzwischen einige Millionen Hektoliter Bier entstanden sind – die meisten davon bei ihrem Ausbildungsbetrieb AB InBev Deutschland, Brauerei Beck & Co KG.

Am Bremer Standort des Brauereikonzerns lernt Kukielka seit 2013 den Beruf Brauerin und Mälzerin. Die theoretischen Grundlagen büffelt sie nicht in der Firmenzentrale, sondern am Schulzentrum Rübekamp in Bremen: Es ist eine von acht Berufsschulen für Brauer und Mälzer in Deutschland und die einzige in Norddeutschland.

Als Quereinsteigerin in den Beruf

Kukielka ist Quereinsteigerin. Sie brach ihr Biologiestudium ab, weil sie etwas Praktisches machen wollte. Dass sie bei der Brauerei Beck und Co. ihr Interesse an Biologie und Biochemie mit Handwerk und Technik verbinden kann, half ihr bei der Entscheidung für den Beruf. "Die Arbeit ist unglaublich abwechslungsreich: Mal kontrolliere ich die Kochsysteme und die Herstellung, mal steuere ich die Produktion, mal repariere ich eine Anlage", schwärmt sie. Dass sie in einem männerdominierten Beruf arbeitet, stört sie nicht. Im Gegenteil: Das mache die Arbeit oft viel entspannter, sagt sie. "Aber man muss schon ein robuster Typ und körperlich fit sein."

Mitte der 80er Jahre wurde der Bildungsgang am Schulzentrum Rübekamp eingerichtet. "Unsere Auszubildenden sind bis dahin immer nach Dortmund gefahren", sagt Kukielkas Ausbilder Michael Prigge. Auf dem Stundenplan stehen neben Englisch, Politik und EDV vor allem fachliche Inhalte rund um die Bierproduktion wie Malz herstellen sowie Bier filtrieren. Unterrichtet wird immer zwei bis vier Wochen am Stück. "Unsere Schüler kommen aus ganz Norddeutschland", sagt Fachlehrer Boris von Schaewen, "von Usedom bis Norderney, von Schleswig-Holstein bis Kassel."

"Brauen ist echt eine Kunst"

Neben der Vermittlung der Theorie wie der Berechnung von Malzmischungen oder den Unterschieden von Filteranlagen soll auch die Herstellung nicht zu kurz kommen. "Die Schüler lernen die Rezepturen aller gängigen Biersorten kennen", sagt Boris von Schaewen. Aber nicht nur das: Experimente mit Holzlagerungen, besonderen Hopfensorten oder Zutaten wie Salmiak sind erwünscht. Die Schüler lernen, dass sich hartes Wasser oder ein Fehler beim Maischen auf die Gärung und unterschiedliche Hopfensorten auf den Geschmack auswirken können. "Da kann ziemlich schnell was schiefgehen. Brauen ist echt eine Kunst", sagt Kukielka. Auch das Beschreiben der Biere gehört zur schulischen Ausbildung. "Neulich habe ich bei einem Bier zehn unterschiedliche Aromen herausgeschmeckt."

Auch wenn die Ausbildung nur einen Hauptschulabschluss voraussetzt: Die Mehrzahl der Bremer Berufsschüler sind Abiturienten. Und die wenigsten sind Frauen. Am Schulzentrum Rübekamp sind laut von Schaewen durchschnittlich etwa zehn Prozent der Jahrgänge weiblich. Nach Branchenangaben waren 2013 nur 63 der bundesweit 837 Auszubildenden weiblich. Allerdings ist ihr Anteil gestiegen: Im Jahr 1995 waren 36 Frauen unter den damals 1.035 angehenden Brauern und Mälzern.

Boom der Mikrobrauereien

Dass insgesamt die Zahl der Auszubildenden gesunken ist, erklärt Schaewen mit der Automatisierung und Zusammenlegung der Betriebe seit den 1990er Jahren. "Früher waren die Klassen noch zweizügig", sagt der Lehrer, "heute haben wir noch etwa 20 Schüler pro Jahrgang." Immerhin: Seit 2010 steigt die Zahl der Auszubildenden wieder leicht. Der Trend um Craft Beer und der Boom von Mikrobrauereien haben den Beruf in ein neues Licht gerückt. Aber auch in anderen Bereichen der Lebensmittelbranche seien die Chancen für Brauer und Mälzer derzeit sehr gut, sind sich Ausbilder und Berufsschullehrer einig. Allerdings müsse man flexibel sein und auch in Molkereien, in der Saft- und Softdrinkherstellung oder im Ausland arbeiten wollen.

Letzteres kann sich Anika Kukielka sehr gut vorstellen. Vor allem England oder Irland hat die 25-Jährige ins Auge gefasst – nicht nur wegen ihrer Vorliebe für Stout und andere dunkle Biere. Aber auch eine Rückkehr an die Uni kann sich die Bremerin vorstellen – diesmal allerdings, um Brauwesen und Getränketechnologie zu studieren.

Zeichen: 4.787; Autorin: Melanie Öhlenbach

Mehr unter: www.ruebekamp.de

Pressekontakt

Boris von Schaewen und Jens Kummert, Fachlehrer am Schulzentrum am Rübekamp

schaewen.schule[at]gmx.de

Michael Prigge

Ausbilder bei Anheuser-Busch InBev Deutschland GmbH & Co.KG, Brauerei Beck GmbH & Co. KG

michael.prigge[at]ab-inbev.com

Erstellungsdatum: 20.11.2015