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In der Weihnachtsbäckerei

Ein Bremer Schausteller-Ehepaar beweist, dass guter Elisen-Lebkuchen nicht zwingend aus Nürnberg kommen muss. Mit der selbstgebackenen Delikatesse haben Britta und Albert Coldewey eine Marktlücke auf dem Bremer Weihnachtsmarkt aufgetan – und nicht nur dort.

Wer die Tür öffnet, hat den Duft der Weihnachtsbäckerei sofort in der Nase. Zimt, Nelken, Kardamom, Anis und Muskatblüten sorgen für das typische Aroma der Lebkuchen. Sechs Mitarbeiter kümmern sich in der Bremer Lebkuchen-Manufaktur von Britta (50) und Albert Coldewey (58) bereits seit Wochen ums diesjährige Weihnachtsgeschäft. Ein großer Trichter steht in der Mitte der Backstube. Er enthält eine gehaltvolle Mischung aus gemahlenen Mandeln und Nüssen, Marzipan, Honig, Zucker, Orangeat und Zitronat, die auf den Oblaten platziert wird. Mehl enthalten die Elisen-Lebkuchen nach dem Rezept von Britta Coldewey nicht – auch wenn sich ihr neuer Firmensitz direkt am Getreidehafen befindet.

"Haben Sie unsere Malieschen schon probiert?", fragt Britta Coldewey und hält den Kunden einen Teller mit dem frischen Gebäck entgegen. Malieschen sind kleine Elisen-Lebkuchen mit Mandelstückchen. Torsten Lippstreu, einer ihrer Mitarbeiter in der Backstube, hatte die Idee für die Kreation – und die Coldeweys haben sie vor kurzem ins Sortiment aufgenommen. Gute Ideen erkennen und umsetzen – darin hat das Bremer Schausteller-Ehepaar Übung. Lebkuchen-Liebhaber sind die beiden schon lange. Das Gebäck aus dem Supermarkt fanden sie jedoch meist etwas trocken und pappig. Selbstgebacken schmeckte es ihnen am besten: Die Idee einer eigenen Lebkuchen-Bäckerei auf dem Bremer Weihnachtsmarkt war geboren.

Duft nach Lebkuchen und Punsch

Mit süßen Sachen kennen sich die Coldeweys aus. Auf dem Bremer Freimarkt und anderen Volksfesten verkaufen sie traditionell selbstgemachtes Eis. Mit der Umsetzung ihrer Gebäck-Idee ließen sie sich aber Zeit. "Als unsere drei Kinder noch klein waren, war es uns zu aufwendig, jedes Jahr nach der Eissaison auf den Volksfesten noch auf Lebkuchen umzusteigen", erinnert sich Albert Coldewey.

Mittlerweile sind die Kinder groß, die Weihnachtsmärkte boomen – und die Coldeweys sind nun seit drei Jahren nicht nur Eiskonditoren, sondern auch Lebkuchenbäcker. Ihr Standort auf dem Weihnachtsmarkt könnte bremischer kaum sein: Die rustikale Holzhütte, aus der es verführerisch nach Lebkuchen und Punsch duftet, steht direkt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Rathaus, Stadtmusikanten und Liebfrauenkirche.

Die Coldeweys sind begeistert darüber, welches Echo sie mit ihrem Gebäck ausgelöst haben: Da sind die Eltern, die es schon Anfang Oktober im Online-Shop bestellen, um es an ihre Kinder in Australien zu schicken. Da sind die älteren Damen, die bei einem Kaffeekränzchen feststellen, dass sie alle drei unabhängig voneinander die Bremer Lebkuchen als Mitbringsel gekauft haben. Und da sind die lokalpatriotischen Bremer, die süddeutschen Freunden und Bekannten beweisen wollen, wie gut norddeutsche Lebkuchen schmecken können. Denn so genannte Lebküchner, die sich nach alter Tradition auf das Handwerk des Lebkuchenbackens spezialisieren, gibt es vor allem im Raum Nürnberg. Jenseits des Weißwurst-Äquators haben Britta und Albert Coldewey mit ihrer Manufaktur dagegen weithin Seltenheitswert.

Heilige Elisabeth: Schutzpatronin der Bäcker

Wie die Elisen-Lebkuchen einst zu ihrem Namen kamen, ist unklar: Eine Theorie besagt, dass sie nach der Heiligen Elisabeth benannt wurden, die unter anderem als Schutzpatronin der Bäcker gilt. Einer anderen Geschichte zufolge heißen die Elisen-Lebkuchen so, weil ein verwitweter Lebkuchenbäcker aus Nürnberg das Rezept für seine geliebte kranke Tochter Elisabeth erdacht hatte. Der Lebküchner nahm die besten Zutaten, die er bekommen konnte, hoffte auf die Heilkraft der orientalischen Gewürze – und tatsächlich wurde das Mädchen der Legende nach wieder gesund.

Heute muss niemand mehr krank werden, um in den Genuss des edlen Gebäcks zu kommen. Allein bei den Coldeweys gibt es die Lebkuchen in diversen Varianten. Ob mit Mandeln verziert, mit Ingwer im Teig, in Schokolade getunkt oder als reine Mandel-Variante für Nuss-Allergiker, ob im schlichten Zellophan-Beutel oder in der aufwendigen Geschenkpackung mit Firmenlogo für Geschäftskunden: Wer sich in der Weihnachtsmarkt-Hütte oder in der Lebkuchenmanufaktur umschaut, merkt schnell: Die beiden bedienen eine vielfältige Kundschaft. Ergänzt wird das Sortiment durch Punsch, Kaffee und Tee mit Lebkuchen-Geschmack.

"Genuss und Freude" hat eine ihrer Mitarbeiterinnen in großen Lettern auf den Fußboden der Manufaktur geschrieben. Das Motto scheint hier zu stimmen. Im Herbst 2015 haben die Coldeweys die neuen Räume in der Bremer Überseestadt bezogen, weil es ihnen am alten Standort zu eng geworden war. In der Nähe des ehemaligen Kaffee-Hag-Geländes werden die Lebkuchen nun von Oktober bis Dezember in einer von außen einsehbaren Backstube hergestellt – und natürlich auch gleich an Kunden vor Ort verkauft.

So gleichförmig wie das Weihnachtsgebäck aus dem Supermarkt wirken die Bremer Lebkuchen nicht, jeder sieht ein bisschen anders aus – wie liebevoll selbstgebackene Kekse, die unter Freunden und Familienangehörigen verschenkt werden. Dabei backen die Coldeweys und ihre Mitarbeiter durchaus große Mengen. Zu ihren Kunden gehören neben Privatleuten mittlerweile auch Firmenkunden – vom Mittelständler bis zum Großunternehmen, das mehrere Tausend Lebkuchen-Packungen als Weihnachtspräsent für seine Mitarbeiter benötigt.

Schausteller mit langer Familientradition

Britta und Albert Coldewey stammen beide aus traditionsreichen Schaustellerfamilien. Britta Coldeweys Familie gastierte schon Anfang des 20. Jahrhunderts mit ersten Achterbahnen auf Volksfesten; Albert Coldeweys Großvater zog 1923 erstmals mit einem hölzernen Eiswagen über die Märkte und verkaufte dort sein "Eis wie Sahne" – ein besonders lockeres, sahnig geschlagenes Eis mit einem Hauch von Vanille. Anders als Softeis wird es bis heute mit dem Löffel portioniert und mit Schokostreuseln, Krokant oder Schokoglasur verziert. Dieses typische Jahrmarktseis ist in Bremen besonders beliebt. "Wir kennen kein anderes Volksfest, auf dem selbst bei nasskaltem Herbstwetter noch so viel Eis gegessen wird wie auf dem Freimarkt", sagt Britta Coldewey lachend. Rund zehn Eiskonditoreien wetteifern auf dem Volksfest um die Gunst der Kunden – und das in manchen Jahren sogar bis in den November hinein. Der Kontrast zwischen dem kühlen Genuss und den dampfenden Lebkuchen-Blechen könnte kaum größer sein.

Ein bloßes Festhalten an beruflichen Familientraditionen ist den Coldeweys zu wenig, deshalb schauen sie immer wieder über den Tellerrand der Volksfeste hinaus. Sie gastieren mit ihrem Eiswagen auf Firmenveranstaltungen und Kulturfestivals und haben ihre Waren und ihren Service von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft und der Initiative "ServiceQualität Deutschland" zertifizieren lassen. Im Geschäft mit den Lebkuchen, das etwa ein Fünftel ihres Jahresumsatzes ausmacht, sehen sie ein zusätzliches Standbein. "Das kann in diesen Zeiten nicht schaden", sagt Britta Coldewey. Denn die Schaustellerbranche befindet sich seit einigen Jahren im Umbruch. Während auf großen Jahrmärkten wie dem Münchner Oktoberfest, dem Bremer Freimarkt oder dem Hamburger Dom nach wie vor jedes Jahr Millionen Besucher gezählt werden, befinden sich kleinere Schützenfeste und Kirmes-Veranstaltungen im Abwärtstrend. Immer beliebter werden dagegen die Weihnachtsmärkte. Mit ihrer Lebkuchen-Manufaktur liegen die Coldeweys also voll im Trend.

Mittlerweile haben sogar andere Weihnachtsmarkt-Veranstalter bei Ihnen angefragt, ob sie nicht auch dort ihre Lebkuchen verkaufen möchten. Doch Britta und Albert Coldewey haben abgelehnt. Sie wollen ihr Geschäft behutsam wachsen lassen, damit der individuelle Charme nicht verloren geht. Aus der Lebkuchen-Manufaktur soll keine Lebkuchen-Fabrik werden.

Zeichen: 7.930; Autor: Thomas Joppig

Mehr unter: www.lebkuchen-bremen.de und www.bremer-weihnachtsmarkt.de

Pressekontakt

Britta und Albert Coldewey

info[at]lebkuchen-bremen.de

Erstellungsdatum: 20.11.2015