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Kurzfassung: Tanzen ist wie eine Sprache

"KompeTanz" ist ein bundesweit einmaliges Tanzprojekt, das jungen Menschen mit Beeinträchtigung helfen will, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Der Verein "tanzbar_bremen" hat es entwickelt und macht mit Mitarbeiterin Neele Buchholz vor, wie Inklusion am Arbeitsplatz klappen kann.

Es ist Montag, die Vormittagsprobe fast vorbei. Neele Buchholz und Trudi Richardson schauen noch einmal konzentriert auf die Bewegungen, die die Tänzerin Corinna Mindt gerade vormacht: Sie geht auf ihre Tanzpartnerin zu, ihre Vorwärtsbewegung geht nahtlos über in eine Drehung und die beiden driften auseinander. Der fließende Übergang ist für Neele Buchholz, die mit Down-Syndrom auf die Welt kam, knifflig. Sie probiert es noch einmal, dann sitzt auch bei der 24-Jährigen die fließende Bewegung. Sie nickt zufrieden. Weiter geht’s.

Sieben Frauen stehen an diesem Vormittag im Tanzsaal, neben der künstlerischen Leiterin Corinna Mindt blickt ihre gehörlose Kollegin Doris Geist von außen auf das Ensemble und korrigiert. Noch hat das Tanzstück keinen Namen, es ist in der gemeinsamen Entwicklung von "KompeTanz". Das Modellprojekt wurde vom Verein "tanzbar_bremen" entwickelt. Die Idee: Die Teilnehmer lernen einen künstlerischen Betrieb von innen kennen, lernen eigenverantwortlich und im Team zu arbeiten, und sie erleben, wie ein künstlerischer Prozess gemeinsam gelingt. Parallel werden sie bei der Berufsorientierung begleitet. Das bundesweit einmalige Projekt wird für drei Jahre vom Amt für Versorgung und Integration Bremen gefördert. Auch die Agentur für Arbeit ist im Boot, indem sie junge Menschen mit Förderbedarf, die diese Maßnahme machen wollen, unterstützt. Je nach persönlichem Bedarf kann sie 18 Monate dauern.

Die Maßnahme hat Neele Buchholz bereits hinter sich, denn die junge Frau ist seit 2013 bei „tanzbar_bremen“ angestellt, als Tänzerin und Assistentin. Ihr Werdegang ist Vorbild für das Modellprojekt. Gemeinsam mit Corinna Mindt hat sie bereits über 50 Mal das Tanzduett "Rosa sieht Rot" gespielt, auf Festivals, bei Tagungen, Jubiläen und Kongressen. "Für mich ist Tanzen wie eine Sprache", sagt Neele Buchholz. "Da fühle ich mich frei. Ich strahle, wenn ich tanze." Mit drei, erzählt sie, habe sie zum ersten Mal getanzt. Als sie später als Erwachsene zum offenen Training von "tanzbar_bremen" ging, wurde aus dem Hobby langsam ein Beruf. Auch für Corinna Mindt ist die tänzerische Arbeit im Tandem eine wertvolle Erfahrung. Zudem habe die große Nachfrage dem Tanzkollektiv gezeigt: Da ist ein Weg. Inklusives Arbeiten funktioniert, wenn man die Rahmenbedingungen schafft.

Vor dem Hintergrund der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung festgeschrieben hat, stoßen Ansätze wie dieser auf gestiegenes Interesse. Denn die Beteiligung auf dem Arbeitsmarkt ist nicht leicht. Für Menschen mit einer Beeinträchtigung ist der Weg in die betreute Werkstatt oft vorgezeichnet. Hierzu Alternativen zu schaffen und Schulabgänger mit sozialen Kompetenzen auszurüsten, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind: Das ist das Ziel von "KompeTanz".

Disziplin und Geduld sind gefragt

Seit April 2015 ist auch Trudi Richardson dabei. Nach der Förderschule stellte sich der 20-Jährigen die Frage: Was jetzt? Durch ein Schulprojekt kannte sie "tanzbar_bremen" bereits. "Hier lerne ich, selbstbewusster zu sein", sagt Trudi Richardson heute. Das Tanzen bietet ihr die Möglichkeit, sich einzubringen. Parallel geht es darum, Themen wie ihre Leseschwäche gezielt anzugehen. Ihr großer Wunsch ist, mit Kindern zu arbeiten. "Wir gucken, dass wir sehr nah an der Person dran sind", sagt Corinna Mindt. Dabei wird ausgelotet: Was kann ich, was nicht? Und welche Möglichkeiten gibt es auf dem Arbeitsmarkt mit den eigenen Fähigkeiten, aber ohne Ausbildung? Dieser Prozess wird von einer Diplom-Pädagogin begleitet. Beim Probenbesuch zeigt sich schon nach wenigen Minuten, was die tänzerische Arbeit dazu beitragen kann. Mut, an sich zu arbeiten, Disziplin, Teamarbeit und Geduld sind hier gefragt. Und auch sich zu präsentieren und sich etwas zuzutrauen.

Zeichen: 4.125 Zeichen, Autorin: Astrid Labbert

Mehr unter: www.tanzbarbremen.com/kompetanz-bremen

Pressekontakt

tanzbar_bremen e.V.

infos[at]kompetanzbremen.de

Erstellungsdatum: 18.12.2015