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Kurzfassung: Kenner der Küsten und Kanäle

Seit 20 Jahren erkundet Toni von Häfen mit seinem Plattbodenschiff "Theepot" Küsten und Kanäle. Vom 19. bis 21. August aber bleibt er im heimatlichen Hafen. Dann kommen mehrere Dutzend traditionelle Plattbodenschiffe nach Bremerhaven. Der 76-jährige Seebär gehört zu den Organisatoren der "Schippertage".

Wenn Schönheit an Attributen wie schlank, elegant, sportlich und schnell gemessen wird, haben Plattbodenschiffe keine Chance. Mit ihrem breiten Bug bahnen sie sich behäbig ihren Weg durch die Wellen; an Deck findet man eher bedächtige Menschen in Arbeitskluft als Wassersportler in Hightech-Funktionsbekleidung. "Ja", sagt Toni von Häfen, "diese Schiffe sind nicht nur etwas besonders Schönes, sie sind auch ein besonderes Stück der maritimen Historie." Seit 20 Jahren ist der 76-jährige Bremerhavener mit seinem Plattbodenschiff "Theepot" im Wattenmeer und auf den Kanälen unterwegs.

In den Niederlanden haben die "Plattboden" eine große Fangemeinde. Dort hatten sie ihren Ursprung als Fischerboote und als Arbeits- und Transportschiffe für das Wattenmeer sowie für die Binnenwasserstraßen. "Charakteristisch und namensgebend sind das flache Unterwasserschiff, der geringe Tiefgang und die Seitenschwerter", erläutert von Häfen, "zudem lässt sich der Mast schnell und leicht legen." Im Wattenmeer können sich die Schiffe bei Niedrigwasser trocken fallen lassen; auf den Kanälen passen sie mit gelegtem Mast unter jeder Brücke durch.

Von Häfen ist ein Seemann wie aus dem Bilderbuch. Gute 1,90 Meter groß, "Elbsegler" auf dem Kopf. Er ist ein bedächtiger Mann, dessen Augen beim Thema Segeln und Meer strahlen. "Tja", sagt der 76-Jährige, "ich wollte schon als Jugendlicher Kapitän werden." Aber: "Ein Kapitän mit Brille war damals undenkbar." Stattdessen ging er zur Bundeswehr, die Sehnsucht nach dem Meer blieb. 1981 unternahm er mit seiner Frau einen einwöchigen Segeltörn – auf der "Astarte", einem Finkenwerder Kutter und damals dem ersten historischen Segler in Bremerhaven. Es war April und sehr kalt – und trotzdem: "Seitdem lieben wir Traditionssegelschiffe."

Mitinitiator der Sail Bremerhaven

Toni von Häfen wurde Mitglied des Vereins Sail Training Association Germany, der jungen Menschen das traditionelle Segeln nahe bringen will. Er wurde deren Geschäftsführer und 2. Vorsitzender und gehörte zu den Initiatoren der "Sail Bremerhaven", die alle fünf Jahre ein Millionenpublikum begeistert. Viele Leute lernte er so kennen und die Niederlande als Segelrevier schätzen. Dort war er vier Jahre lang stationiert, in der Zeit schloss er Freundschaft mit den Plattboden. 1997 war es so weit: "Drei Jahre lang hatten wir gesucht und endlich mit der "Theepot" unser Schiff gefunden." Das gut neun Meter lange Boot ist eine "Lemster Aak", Ende der 1950er Jahre gebaut.

Trotz seiner Größe bewegt sich Toni von Häfen elegant und mit schlafwandlerischer Sicherheit auf dem kleinen Schiff – ein sicheres Indiz, dass die "Theepot" sein zweites Zuhause ist. Das allerdings liegt nicht nur an der Behaglichkeit, die das Schiff ausstrahlt. "Meine Frau ist nicht nur mir zuliebe, sondern voller eigener Begeisterung mit von der Partie", sagt Toni von Häfen. "Das ist natürlich ein absoluter Glücksfall." Seitdem der Skipper pensioniert ist, sind die beide wochen- und monatelang unterwegs. "Man hat Zeit, man hat Ruhe, keinen Kalender im Nacken und rundherum nur wunderbare Natur."

Fasziniert von Ruhepunkten und versteckten Winkeln

Sein Revier, vor allem die Kanäle, sind jedoch selbst ambitionierten Wassersportlern unbekannt. "Wenn sie einmal hier durchgefahren sind, werden sie es nie wieder missen wollen", verspricht Toni von Häfen und erzählt mit leuchtenden Augen von den versteckten Winkeln, den Ruhepunkten, den unglaublichen Perspektiven und der Tierwelt, die man nur vom Wasser aus so intensiv erleben kann: "Selbst die Holländer, die ja noch viel mehr auf dem Wasser leben als wir, haben diese Welt noch nicht so richtig entdeckt."

In diesem Sommer könnte sich das ändern. Vom 19. bis 21. August veranstalten die Bremerhavener Tourismusförderer die "Schippertage", Toni von Häfen gehört ebenfalls zu den Organisatoren. Bis zu vier Dutzend Plattbodenschiffe, viele aus den Niederlanden, sollen dann Kurs auf die Seestadt nehmen. Der Weg nach Bremerhaven müsse nicht über die Außenweser, sondern könne auch über die Kanäle führen, sagt von Häfen. Der Besuch der Niederländer sei schon längst überfällig – nicht nur, weil das eine gute Gelegenheit für eine Kanaltour ist: "Bremerhaven hat mit der Schiffergilde eine sehr aktive Traditionssegler-Gemeinde und mit den Havenwelten einmalige Attraktionen zu bieten", betont von Häfen. Die gebe es natürlich auch für Landratten – und wenn es nur das Seeluftschnuppern ist: "Zeit für 'nen Klönschnack mit einem der Schipper ist immer. Zum Beispiel darüber, warum der Norden so einmalig schön ist."

Zeichen: 4.872, Autor: Wolfgang Heumer

Mehr unter: www.schiffergilde.de

Pressekontakt

Toni von Häfen

Skipper und Eigner der "Theepot"

theepot[at]web.de

Erstellungsdatum: 18.04.2016