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Kurzfassung: Tanzen kennt kein Alter

Wer sein Leben lang gern getanzt hat, bewegt sich auch im Alter gern: Bremen ist eine Hochburg des Tanzes für ältere Menschen. Dafür sorgt nicht nur der hier ansässige Bundesverband Seniorentanz.

Mindestens einmal in der Woche zieht es Hannelore und Josef Mielke aufs Parkett. Seit mehr als 60 Jahren ist das Ehepaar verheiratet, gemeinsam tanzen sie aber schon viel länger: Anfang der 1950er-Jahre lernten sie sich bei einer Tanzveranstaltung kennen. "Tanzen macht uns Spaß und hält uns jung", sagt die 83-jährige Hannelore Mielke.

An diesem Tag sind Mielkes zu Gast in der St.-Markus-Gemeinde im Bremer Ortsteil Arsten. Seniorentanz steht auf dem Programm, aus den Boxen des Ghettoblasters dröhnen Schlager, Walzer und Songs von Elvis Presley. Die Stühle am Tanzflächenrand sind verwaist, flott bewegen sich die Füße über den Holzfußboden. Mehr als 50 Senioren sind es sicherlich, die gekommen sind, und alle haben sich schick gemacht.

Gemeinsames Erleben steht im Mittelpunkt

Seniorentanz hat in Bremen Tradition. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert schlägt das Herz des Bundesverbandes Seniorentanz in der Hansestadt. Gegründet wurde der Verein 1977, seit einigen Jahren ist er der Fachverband für den Bereich "Tanz mit Senioren" im Deutschen Tanzsportverband (DTV). "Bei uns steht aber nicht die sportliche Leistung im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Erleben und die Teilhabe am sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben", sagt Vorsitzende des Bundesverbandes Seniorentanz, die Bremerin Renate Scheidt.

Tanz sei eine Verbindung aus Bewegung und Kommunikation, sagt auch Monika Thiele, Sportwissenschaftlerin von der Universität Bremen. Doch dieser soziale Aspekt wird ihrer Ansicht nach bei der Entwicklung von Tanzangeboten häufig noch nicht genug berücksichtigt: Stattdessen herrsche noch das Klischee der Volksmusik liebenden Senioren vor, die ihre Tage vor dem Fernseher verbringen. "Alter nivelliert soziale, kulturelle und ästhetische Standards nicht, sie bleiben bis zum Tod erhalten. Was prägt, sind die Erfahrungen der Jugend und des gesellschaftlichen Umfelds", erklärt die Hochschuldozentin, die sich mit ihren 62 Jahren selbst zur "Nach-68er-Generation" zählt. Viele der heutigen Alten seien mit der Musik der Rolling Stones und der Beatles aufgewachsen. Solche Vorlieben blieben im Alter erhalten.

Rock'n'Roll für alte Knochen

Für Gleichgesinnte hat die Sportwissenschaftlerin mit Studierenden Konzepte für eine Disko für Menschen zwischen 60 und 90 Jahren entwickelt – der Titel: "Rock'n'Roll für alte Knochen". "Alter bedeutet nicht unbedingt Stillstand. Beim Wort Senioren denkt man an verkalkte Menschen, an Altersheim und Ruhestand", erklärt Thiele. "Pfleger und Profis sollten hingegen ernst nehmen, wen sie vor sich haben." Nämlich Menschen mit einer persönlichen und gesellschaftlichen Vergangenheit; mit sehr differenzierten Vorstellungen von Kultur, Denken und Bewegung.

Die Zeichen der Zeit hat man auch beim Bundesverband Seniorentanz erkannt. Um Frauen und Männer ab 60 Jahren weiterhin zu erreichen, hat der BVST die Marke "ErlebnisTanz" entwickelt. "ErlebnisTanz soll auf den Punkt bringen, was bei unseren Kursen und Veranstaltungen im Mittelpunkt steht: die Freude an der Bewegung in der Gemeinschaft", sagt Udo Bernshausen, BVST-Vorstandsmitglied und Vorsitzender des Bremer Landesverbandes.

Tausend aktive Tanzleiter

Rund 200.000 Menschen bringt der Bundesverband nach eigenen Angaben jede Woche deutschlandweit in Bewegung; in Sportvereinen, sozialen Einrichtungen und seit kurzem auch mit eigenen Seniorentanz-Gruppen. In der Qualifizierung und Weiterbildung von Tanzleitern sieht er eine seiner Hauptaufgaben. Mehr als tausend Tanzleiter sind derzeit aktiv; fast ebenso viele Tänze umfasst das Repertoire, das Elemente aus Volks-, Standard- und Lateinamerikanischen Tänzen beinhaltet und stetig weiterentwickelt wird.

Auch Hannelore und Josef Mielke haben mehr als 20 Jahre lang eine Seniorentanz-Gruppe in einem Bremer Sportverein geleitet. Im vergangenen Jahr übergaben sie aber aus Altersgründen die Führung an die jüngere Generation. Als Teilnehmer sind sie aber weiterhin aktiv. "Wir werden solange tanzen, wie es geht", sagt der 92-Jährige.

Zeichen: 4.214, Autorin: Melanie Öhlenbach

Mehr unter: www.erlebnis-tanz.de

Pressekontakt

Renate Scheidt

Bundesverband Seniorentanz e.V.

bundesvorstand[at]seniorentanz.de

Dr. Monika Thiele

Universität Bremen, Institut für Sportwissenschaft

mothiele[at]uni-bremen.de

Erstellungsdatum: 19.05.2016