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Kurzfassung: Wie Kindergeld bei der Integration hilft

Wegen des Kinderfreibetrags profitieren gutverdienende Eltern von einer höheren Kinderförderung als Familien mit niedrigen Einkommen. Eine Gruppe engagierter Bremer findet das unangemessen. Sie haben die Deutsche Kindergeldstiftung gegründet, um die Chancengleichheit unter Kindern und Jugendlichen zu fördern.

Ein Vormittag an einer Grundschule im Bremer Stadtteil Vahr: In der Turnhalle jagen Kinder aus der vierten Klasse mit Hockeyschlägern einem kleinen gelben Ball hinterher. Die Hockey-AG ist Bestandteil der Sportakademie, in der unter dem Dach des Jugendhilfeträgers Sportgarten Bremen e.V. Schulen und Sportvereine kooperieren, um zusätzliche Bewegungsangebote für Schüler der Klassen eins bis zehn zu schaffen. "Bewegung ist enorm wichtig", macht Sportgarten-Vorstand Hanns-Ulrich Barde deutlich. "Sie fördert die körperliche, geistige und soziale Entwicklung und letztlich den Bildungserfolg von Kindern."

Über die Stadt verteilt hat die Akademie mittlerweile 75 Angebote mit Sportarten im Programm, die an Schulen selten zu finden sind. Insgesamt kommen so jährlich mindestens 6.500 Stunden zustande, von denen gut 1.000 Kinder und Jugendliche profitieren. Möglich ist das alles in diesem Ausmaß nur, weil das Projekt einen großen Sponsor hat: die Deutsche Kindergeldstiftung.

Einfach (und) clever

Es war vor sechs Jahren, als der Kaufmann Andreas Hüchting eines Abends im Freundeskreis darüber diskutierte, wo es in der Gesellschaft Ungerechtigkeiten gibt. Kurz zuvor war er bei der Durchsicht seines Steuerbescheids darüber gestolpert, dass ihm das Finanzamt anstelle des beantragten Kindergeldes im Rahmen der automatischen "Günstigerprüfung" den Kinderfreibetrag in Höhe von gut 7.000 Euro für jedes Kind angerechnet hatte. Unter dem Strich führt diese Regelung für Gutverdienende zu erheblichen Steuerersparnissen, die die Höhe des Kindergeldes deutlich übertreffen können – nach Berechnungen der Stiftung um bis zu 40 Prozent. "Die Frage ist ja ohnehin schon, ob Kindergeld für Familien mit hohen Einkommen überhaupt sinnvoll beziehungsweise gerecht ist", meint er. "Und dann bekommen sie am Ende sogar noch mehr als alle anderen, da muss man doch etwas tun."

Der Kaufmann und drei weitere Mitstreiter wurden aktiv und gründeten die Deutsche Kindergeldstiftung. Deren Ziel ist seither die Unterstützung von neuen oder finanziell auf der Kippe stehenden Projekten in Bremen und Bremerhaven, die die Integration von Kindern und Jugendlichen fördern – durch Sprache, Bildung, Sport oder Teilhabe. Die Idee dahinter ist so einfach wie clever: Gutverdienende Eltern spenden regelmäßig einen Betrag in Höhe eines oder mehrerer Kindergelder von aktuell je 190 Euro im Monat. Da sie diese Spenden später von der Steuer absetzen können und außerdem ja auch schon vom Kinderfreibetrag profitieren, bleibt ihnen am Ende des Jahres immer noch eine monatliche "Förderung" erhalten, die annähernd der Summe des Kindergeldes entspricht – eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

"Das kann jeder machen"

Bisher ist es den Stiftungsmitgliedern gelungen, 35 dieser monatlichen "Kindergeldspenden" einzuwerben. Darüber hinaus sammeln sie bei Geburtstagen, Firmenfeiern und anderen Gelegenheiten zusätzliche Spenden. "Das alles ist so einfach, das kann jeder nachmachen", betont Hüchting. Tatsächlich habe es auch schon Anfragen aus anderen Städten gegeben: Konkrete Initiativen seien daraus aber bisher noch nicht hervorgegangen. "Wir würden unseren Namen und unser Logo zur Verfügung stellen und auch Tipps geben", sagt der Familienvater. "Aber es braucht einfach einige Engagierte, die ein Netzwerk haben und das Ganze dann auch durchziehen."

In Bremen profitiert nicht nur die Sportakademie von den regelmäßigen finanziellen Zuwendungen: Da ist zum Beispiel die "Bildungsbrücke", die Kindern aus finanziell schlecht gestellten Familien dabei hilft, die Nebenkosten der Schulbildung zu tragen. Oder das Projekt "Fach+Sprache", in dem geflüchtete Jugendliche kombinierten Sprach- und Fachunterricht erhalten, um den Einstieg in den Schulunterricht zu schaffen. Insgesamt 400.000 Euro hat die Stiftung bis Ende 2015 an Projekte ausgezahlt beziehungsweise fest zugesagt. Allein in diesem Jahr kommen noch einmal mehr als 100.000 Euro hinzu. "Bisher ist es uns gelungen, die Summe seit unserem Start 2010 in jedem Jahr zu steigern", berichtet Stiftungsmitgründer Andreas Hüchting.

Zeichen: 4.414, Autorin: Anne-Katrin Wehrmann

Mehr unter: www.deutsche-kindergeldstiftung.org

Pressekontakt

r.ludwig@deutsche-kindergeldstiftung.org

Erstellungsdatum: 22.06.2016