Sie sind hier:

Blaue Waben für Olympia

Dachziegel, Glas, Beton? Fehlanzeige. Die Vector Foiltec GmbH nimmt lieber Folie. Und formt daraus Dächer für riesige Gebäude. Die Aufträge kommen aus aller Welt.

Olympia-Schimmhalle in Peking (Foto: Vector Foiltec GmbH )
Futuristisch mutet die Konstruktion der Olympia-Schimmhalle in Peking an.

Millionen Menschen werden im August gebannt auf die olympischen Schwimmer schauen, wenn sie vom Startblock ins Wasser schnellen. Hinter, neben und über ihnen werden lauter transparente, wasserblaue Waben zu sehen sein, etwa 3.000 an der Zahl. Die Waben sind nichts anderes als mit Luft gefüllte Kissen aus Plastikfolie, getragen und verbunden durch ein Stahlgerüst. Zusammen bilden sie Dach und Fassade der Olympia-Schwimmhalle in Peking. Mit etwa 100.000 Quadratmetern sei diese Folienkonstruktion die größte der Welt, sagen Reinhard Schmidt und Stefan Lehnert.

Schmidt arbeitete früher als Bootsbauer, sein Kompagnon Lehnert ist promovierter Maschinenbauingenieur. Sie lernten sich beim Segeln kennen. Vor 25 Jahren verfielen die beiden Geschäftsführer der Vector Foiltec GmbH mit Sitz in Bremen-Lesum auf die Idee, Dächer aus Folie zu bauen. Sie hatten von Architekten gehört, die nach einem transparenten Material für ihre Dachkonstruktionen suchten. Das Material war schnell gefunden: eine Folie aus Ethylentetrafluorethylen (ETFE), die lichtdurchlässig, dehnbar, reißfest, schmutzabweisend und isolierend ist. Reinhard Schmidt kannte sie aus dem Bootsbau, wo die Formengießer sie als Trennfolie benutzten.

Zwei Jahre experimentierten Lehnert und Schmidt mit der Folie, sie legten mehrere Schichten übereinander, entwickelten ein Verfahren, um sie an den Rändern zu verschweißen, und füllten die entstandenen Kissen mit Luft. Das neue Verfahren sorgte in der Fachwelt für Furore, die Erfolgsstory nahm ihren Lauf. Seit dem ersten Auftrag im Jahr 1982 hat das Unternehmen über 650 Gebäude in aller Welt bedacht, darunter riesige Schwimmbäder, Regierungsgebäude in London und Washington, Kindergärten, Bahnstationen, Einkaufszentren und Gewächshäuser. Die Vector Foiltec GmbH unterhält Vertriebsbüros in elf Ländern und produziert mittlerweile zum Teil in China. Sie beschäftigt rund 150 Mitarbeiter und ist nach eigenen Angaben mit etwa 70 Prozent Marktanteil der größte unter den weltweit vier Anbietern von Foliendächern.

In der Lesumer Produktionshalle stehen Mitarbeiter an Schneidgeräten und Schweißmaschinen. Hier entstehen luftig-leichte Dachverdecke in vielen verschiedenen Ausführungen: Um die Sonneneinstrahlung zu reduzieren, versieht das Unternehmen die Folie bei Bedarf mit Farbpunkten, die wie ein Lichtsieb wirken. Die „unbehandelte“ Folie lässt nämlich sämtliche UV-Strahlen durch. Auf Wunsch statten die Bremer das Dachsystem sogar mit Solarzellen aus. Außerdem können sie jede einzelne Folienlage bedrucken, einfärben und mit LED-Leuchten bestücken. Auf die Oberfläche lassen sich Bilder, Videos und Farben projizieren.

In der benachbarten Halle testen die Foiltec-Ingenieure gerade ein Foliengebilde, das sich wie ein riesiger Tintenklecks über den Hallenboden zu ergießen scheint. Der Klecks soll einem Wolkenkratzer in Hongkong als Restaurantdach dienen. Um die 100.000 Euro muss der Auftraggeber für Fertigung und Tests hinblättern, Montage und Luftfracht kommen noch hinzu. Produziert wurde das extravagante Dach in einem Dorf, 80 Kilometer außerhalb von Peking.

Schmidt und Lehnert hatten dort 2005 eine Halle für ihr Olympia-Projekt angemietet, sie hatten die Maschinen in Schiffscontainern herübergebracht und 75 chinesische Mitarbeiter eingestellt. Seit Juli 2007 ist das um die 20 Millionen Euro teure Dach fertig, doch die Produktion in China läuft weiter. Allerdings nur bei langfristig planbaren Projekten, betont Schmidt. Alles andere werde weiterhin in Bremen gefertigt.

"Wir bauen in China gerade für St. Petersburg eine Riesenschwimmkuppel“, berichtet der Unternehmer. Und dann sei da noch das Kasachstan-Projekt: ein Unterhaltungscenter in Astana, überdacht mit einer kegelförmigen Kuppel aus lichtdurchlässiger Foiltec-Folie. Unter der Kuppel soll stets ein warmes Mittelmeerklima herrschen, auch wenn es draußen bitterkalt ist im harten kasachischen Winter. "Die Leute können dort schwimmen, shoppen, ins Kino gehen und in den Himmel sehen“, sagt Reinhard Schmidt. Frieren werden sie dabei nicht.

4.260 Zeichen

Autorin: Astrid Funck

www.vector-foiltec.com

Pressekontakte

Vector Foiltec GmbH

Steinacker 3
28717 Bremen


BIG Bremen - Die Wirtschaftsförderer