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Wie man mit Algen den Klimawandel bekämpft

Der Professor für Geosciences Dr. Thomsen will das Meer ans Land holen.
Der Professor für Geosciences Dr. Thomsen will das Meer ans Land holen. Foto: Jacobs University

Bremer Forscher der privaten Jacobs University arbeiten an einem Weg, den Klimakiller CO2 einzudämmen und zugleich Biomasse für Treibstoff, Tierfutter oder Baustoffe zu produzieren. Zwecks Vermarktung der Idee haben sie das erste Spin-off der Universität gegründet, die Phytolutions GmbH. Derzeit wird das Konzept unter Leitung von Professor Dr. Laurenz Thomsen im industriellen Maßstab getestet.

Das Prinzip basiert auf der Photosynthese, bei der Pflanzen CO2 aufnehmen und Licht in chemische Energie umwandeln. Die Forscher vermischen nun Industrieabgase eines Braunkohlekraftwerks mit einer Lösung aus Mikroalgen und Meerwasser und leiten sie in so genannte Photobioreaktionen in einem Gewächshäus. Hier kommen die Algen in Kontakt mit Licht und wachsen, wobei sie das CO2 "fressen". Da sie sieben bis 20-mal schneller wachsen als Landpflanzen, verbrauchen sie entsprechend mehr Kohlendioxid.

"Die Lösung des CO2-Problems liegt im Meer"

CO2-Fresser bei der Arbeit: Photobioreaktoren in der RWE-Versuchsanlage
CO2-Fresser bei der Arbeit: Photobioreaktoren in der RWE-Versuchsanlage. Foto: Jacobs University

Die Arbeiten starteten 2004. Im November nahm der Energieversorger RWE die erste Versuchsanlage mit 600 Quadratmetern Gewächshausfläche am Kraftwerksstandort Niederaußem bei Köln in Betrieb. Sie verarbeitet Kraftwerksrauch zu 6.000 Kilogramm Algen-Trockenmasse pro Jahr und bindet so 12.000 Tonnen CO2. Für den ersten Schritt des Projektes stellte RWE 700.000 Euro bereit. Daran beteiligt ist zudem das Forschungszentrum Jülich.

Ein Projekt mit Perspektiven: Über fossile Brennstoffe gelangen zurzeit rund sechs Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr in die Atmosphäre, erklärt Thomsen. 50 Prozent davon nehmen die Ozeane auf, die zwei Drittel der Erdoberfläche bedecken und 98 Prozent des gesamten Wasservorkommens der Erde stellen. "Die Lösung des CO2-Problems liegt also im Meer", sagt der Professor für Geosciences. "Unser Projekt entwickelt Technologien, um das Meer an Land zu holen." Würde man nämlich das derzeit weltgrößte Gewächshaus in Spanien entsprechend ausstatten, könnte man schon "zehn Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr in fünf Millionen Tonnen Biomasse umformen". Weiterführendes Ziel sei nun, die Technologie etwa in trockene Küstenstreifen zu bringen – in Gegenden, die viele Quadratkilometer Platz hätten und in denen Landwirtschaft unmöglich sei.

Mehr unter www.phytolutions.com

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Pressekontakt:

Jacobs University

Kristin Beck

E-Mail: k.beck[at]jacobs-university.de