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Frischer Wind durch neues Know-how

Windräder
Boom an der Nordsee: Windenergie ist im Kommen, Fachleute sind gefragt. Foto: fk-wind

Die Windenergie-Branche in Bremen und Bremerhaven boomt und sucht händeringend nach spezialisierten Ingenieuren. An der Hochschule Bremerhaven wurde deshalb ein bislang einzigartiges Studienangebot geschaffen.

Fest im Meeresboden verankert werden sie sein, umspült von Gischt und Wellen, während der Wind ihnen in die Rotorblätter fährt: die Offshore-Windenergieanlagen vor der deutschen Nordseeküste. Ganze Parks aus Windrädern entstehen hier, denn die Nachfrage nach Strom aus regenerativen Energiequellen ist groß. Zu den wichtigsten Standorten für Planer, Produzenten und Dienstleister der Windenergiebranche gehören das Land Bremen und insbesondere Bremerhaven. Die Vorzüge der Seestadt: Sie liegt direkt am seeschifftiefen Wasser und hat im Fischereihafen und im Industriegebiet Luneort eine Infrastruktur mit ausgebauten Kajen geschaffen, an denen die extrem großen und schweren Bauteile für die Offshore-Windräder auf die Schiffe verladen werden können.

Steigende Nachfrage nach Fachleuten

Foto von Gurmukh Singh
Gurmukh Singh studiert Maritime Technologien an der Hochschule Bremerhaven. Foto: fk-wind

Weil die Transportwege kurz und die Großbauteile über Straße und Schiene, durch Tunnel oder unter Brücken hindurch kaum zu transportieren sind, haben sich Windanlagenhersteller wie die Repower Systems AG und die Multibrid GmbH entschieden, in Bremerhaven zu produzieren. Dafür aber benötigen sie Mitarbeiter mit möglichst passgenauer Qualifikation.

Jemanden wie Gurmukh Singh zum Beispiel. Vor etwa drei Jahren kam er aus Malaysia nach Deutschland, um sich an der Hochschule Bremerhaven im internationalen Bachelorstudiengang "Maritime Technologien" einzuschreiben. "Ich wusste schon als Junge, dass ich mal etwas mit Technik machen will." Außerdem liebte er das Meer. Als er wegen seines sehr guten Schulabschlusses ein Stipendium für Deutschland erhielt und hörte, dass es in Bremerhaven ein Ingenieurstudium mit technisch-maritimer Ausrichtung gab, war die Entscheidung gefallen. Die Einsatzfelder der Absolventen liegen zum Beispiel in der Biotechnologie, der Hafenwirtschaft, der marinen Umweltüberwachung oder der Windenergieindustrie.

Der 23-jährige Singh hat sich im Laufe seines Studiums auf Windenergietechnik spezialisiert, weil er später in der Branche arbeiten will. Seine Chancen stehen gut: "Die meisten unserer Studierenden werden sofort nach ihrem Abschluss von den Unternehmen übernommen", sagt Henry Seifert, der seit 2005 als Professor im Studiengang Maritime Technologien lehrt und das an der Hochschule angesiedelte Forschungsinstitut für Windenergie (fk-wind) leitet.

Ausbildung mit vereinten Kräften

Da Fachleute wie Gurmukh Singh so begehrt sind, hat die Hochschule Bremerhaven ihr Ausbildungsangebot mittlerweile noch stärker auf die Bedürfnisse der Windkraft-Branche zugeschnitten: Seit dem Wintersemester 2008/2009 können die Studenten und Studentinnen im Bachelorstudiengang Maritime Technologien den Schwerpunkt Windenergie und Meerestechnik wählen. Während der dreijährigen Ausbildung eignen sie sich natur- und ingenieurwissenschaftliche Grundlagen an, lernen aber auch ganz konkret, wie Windenergiesysteme zu projektieren, in Betrieb zu nehmen und zu betreiben sind. Während eines dreimonatigen Praktikums können sie erste Kontakte zu Unternehmen knüpfen oder in der Forschung mitarbeiten.

Noch weiter in die Tiefe werden die Inhalte des neuen Masterstudienganges "Windenergietechnik" gehen, der im Wintersemester 2009/2010 starten soll. Dafür werden zwei neue Stiftungsprofessuren eingerichtet, deren Finanzierung bereits für fünf Jahre gesichert ist. Auf dem Master-Lehrplan werden Hochschullehrer Seifert zufolge auch Management, Personalführung und Sicherheitstrainings stehen, um die Studierenden auf spätere Leitungsfunktionen vorzubereiten. "Das ist hierzulande das erste Mal, dass ein Bachelor- und ein anschließender Masterstudiengang die komplette Windenergietechnik von A bis Z abbildet."

Für einzigartig hält Seifert die Ausbildung auch deshalb, weil die Hochschule in ein Netzwerk aus Forschungsinstituten und Unternehmen eingebunden ist. Sein Institut kooperiert unter anderem mit dem neu in Bremerhaven angesiedelten Fraunhofer-Center für Windenergie und Meerestechnik, das im künftigen Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik aufgehen soll. Zudem arbeitet man mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und mit der ansässigen Industrie, für die es Forschungsprojekte durchführt. Der Student Gurmukh Singh arbeitet zum Beispiel gerade an der Entwicklung eines Rotorblattes für einen Kleinhersteller mit und schreibt parallel an seiner Bachelor-Abschlussarbeit. Ob er danach weiterstudiert oder sich erst einmal als Ingenieur den Seewind um die Ohren wehen lässt, hat er noch nicht entschieden.

Mehr unter mar.hs-bremerhaven.de und www.fk-wind.de

4.738 Zeichen, Autorin: Astrid Funck

Hintergrund: Bremerhaven soll Hochburg der Offshore-Windenergie werden

Der Bremer Senat beschloss Anfang 2003, die Windenergiebranche in Bremen und Bremerhaven durch eine gezielte Ansiedlungspolitik zu fördern. Insbesondere Bremerhaven soll zum Zentrum des Offshore-Windkraftanlagenbaus in Deutschland werden. Zu den Maßnahmen zählen der Ausbau einer geeigneten Infrastruktur sowie Programme zur Forschungsförderung und Qualifizierung von Facharbeitern. Für die Vernetzung der Akteure sorgt die Windenergie-Agentur Bremerhaven/Bremen e.V. (WAB). Dem Verein gehören derzeit 185 Unternehmen und Institute aus allen Bereichen der Windenergiebranche in der Nordwest-Region an. 2008 war nach Angaben der WAB das bislang erfolgreichste Jahr für Bremerhaven. Insgesamt seien in der Seestadt rund 500 Jobs geschaffen worden, sagt Geschäftsführer Jan Rispens. Die Windindustrie habe rund eine halbe Milliarde Euro in Fertigungsstätten an der deutschen Nordseeküste investiert, davon sei etwa die Hälfte nach Bremerhaven geflossen.

Mehr unter www.windenergie-agentur.de

Pressekontakt:

Prof. Henry Seifert

Hochschule Bremerhaven
fk-wind: Institut für Windenergie

E-Mail: hseifert[at]hs-bremerhaven.de