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Animationsspektakel made in Bremen

Kreative Köpfe, mutige Jungunternehmer: das Bremer Soulcage Departement.
Kreative Köpfe, mutige Jungunternehmer: das Bremer Soulcage Departement. Foto: Jörg Sarbach

Ob plaudernde Hühner oder singende Zitronen: Fünf ehemalige Bremer Kunsthochschulstudenten entwickeln computeranimierte Werbestars für große Konzerne - vorwiegend aus Österreich.

"Ei-Tech-Wochen, was fällt euch dazu ein?", fragt ein Interviewer drei Tee trinkende Hühner. "Na, ich weiß nicht", sagt das dicke Oberhuhn und kratzt sich am Hinterkopf. "Aber was ein iPod ist, wissen’s schon?", fragt der Interviewer weiter. "Eierbecher vielleicht", rätselt das Huhn lachend.

Der Geflügel-Talk ist ein Werbespot der Elektronikkette Saturn in Österreich und endet mit dem Slogan "Ostern lieber Technik schenken - Ei-Tech-Wochen bei Saturn." Die Hühner dafür hat eine Bremer Firma geliefert, aber nicht etwa in engen Käfigen, sondern digital. The Soulcage Department nennt sich das junge Unternehmen. Spezialgebiet: Computeranimationen für Werbespots.

Firmengründung statt Agenturkarriere

Das feste Team von Soulcage Departement besteht aus fünf gleichberechtigten Partnern. Kennengelernt haben sie sich an der Bremer Kunsthochschule, wo sie Grafik-Design mit dem Schwerpunkt Illustration und Cartoon studierten. Mit den gemeinsamen Diplom-Filmen "Stadt in Angst" und "On the Sunny Side of the Street" gewannen sie diverse Preise, sodass die Art Directoren großer Werbeagenturen wie Jung von Matt auf sie aufmerksam wurden. Doch die Studienfreunde verzichteten auf eine Agenturkarriere und gründeten 2002 ihr eigenes Unternehmen.

Die Startbedingungen waren gut, weil Jung von Matt sie sogleich für die österreichischen Werbespots von Saturn engagierte. "Heute erzielen wir rund 80 Prozent unseres Umsatzes in Österreich", sagt Martin Ernsting, mit 38 Jahren der Älteste im Soulcage-Team. Das habe sich einfach so ergeben, nach den ersten Saturn-Spots seien weitere Großkunden wie der Österreichische Rundfunk (ORF) und die in Wien ansässige Tele2 Telecommunication GmbH auf sie zugekommen. Größter Kunde hierzulande sei momentan die Pepsico Deutschland GmbH;Gesellschaft.

Von der Zeichnung zum beweglichen Früchtchen

Die drei Hühner bewerben die Ei-Tech-Wochen
Die drei Hühner bewerben die "Ei-Tech-Wochen" einer Elektrokette. Foto: The Soulcage Departement

Für die Pepsico-Getränkemarke Punica haben die Bremer eine ganze Horde singender und tanzender Früchte entworfen. Martin Ernsting ist hauptsächlich für die sogenannte Vorproduktion zuständig: Er erfindet und skizziert die Charaktere und ihr Umfeld und produziert schließlich ein "Animatic", ein gefilmtes Storyboard, die zeichnerische Version eines Drehbuchs. Das Animatic zeigt, was im Spot wie lange zu hören und zu sehen sein wird. "Das Problem dabei ist, dass so ein Werbespot nur etwa 25 Sekunden dauert", erklärt Ernsting. Die Handlung müsse sich daher in wenigen, möglichst aussagekräftigen Szenen abspielen, was mit viel Tüftelei verbunden sei.
Wenn Timing und Dramaturgie dem Kunden gefallen, beginnen die Soulcage-Designer mit der Produktion: Mithilfe spezieller Programme modelliert einer von ihnen am Computer die Figuren, baut ihnen ein Skelett ein und bemalt sie. Der nächste setzt sie dann in Bewegung, indem er die Figur für jedes einzelne Filmbild in verschiedene Positionen stellt. Dabei sind Ernsting zufolge bestimmte Grundregeln zu beachten, damit die Bewegungen der Cartoonfiguren lustig aussehen. So rennen sie zum Beispiel nicht einfach los, sondern machen zuerst eine ausholende Gegenbewegung.

Das Schwierigste, sagt Ernsting, seien die Gesichtsmimik und die Lippenbewegungen, die genau zum Gesprochenen passen müssen. Dafür "bauen" sie verschiedene Gesichtsausdrücke. Mit Schiebereglern können sie ihren Figuren ein zehn- oder hundertprozentiges Lächeln ins Gesicht zaubern und sie mit den Lippen einen Laut formen lassen.

Die hohe Kunst der virtuellen Inszenierung

Zum Schluss richten die 3D-Animateure für ihre Geschöpfe im Computerprogramm ein digitales Studio ein, stellen eine virtuelle Kamera und virtuelle Lampen auf und feilen an der Gesamtinszenierung. Mitunter integrieren sie die Figuren auch in einen Realfilm. Für einen Saturn-Spot hätten sie zum Beispiel in Bremen-Oberneuland auf dem Fußballplatz gefilmt und anschließend einen Fußball spielenden Fernseher in die Szenen hineingebastelt, erzählt Ernsting.

Erfolgreich ist Soulcage aber vor allem mit Figuren, die sich in reinen Cartoonwelten bewegen. Mit Hühnern zum Beispiel, die jüngst den Animago Award 2008 für die beste Werbeproduktion erhielten. Oder mit dem ebenfalls preisgekrönten Weihnachtshasen, der in österreichischen Spots für Saturn wirbt und den es inzwischen auch als Stofftier gibt. Doch warum ist Soulcage trotz der vielen Aufträge aus Österreich in Bremen geblieben? "Wir sind hier verwurzelt und mögen diese Stadt, weil sie eine lebendige Subkultur und Kreativszene hat", antwortet Ernsting. "Und mit unseren Kunden haben wir einen Workflow aufgebaut, der auch über die Entfernung hinweg seit Jahren funktioniert."

Mehr unter www.soulcage-department.de

4.782 Zeichen, Autorin: Astrid Funck

Pressekontakt:

The Soulcage Department

Martin Ernsting

E-Mail: ernsting[at]soulcage-department.de