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Mit sprechendem Licht im Flugzeug telefonieren

Ein Wunsch, der in fünf Jahren Realität sein könnte: Telekommunikation im Flugzeug. Illustration: 100 Produkte der Zukunft. Wegweisende Ideen, die unser Leben verändern werden von Theodor W. Hänsch
Ein Wunsch, der in fünf Jahren Realität sein könnte: Telekommunikation im Flugzeug. Illustration: 100 Produkte der Zukunft. Wegweisende Ideen, die unser Leben verändern werden von Theodor W. Hänsch

Während der Flugreise E-Mails schicken oder telefonieren: Das will die private Bremer Jacobs Universität mit einer bislang einzigartigen Lösung ermöglichen. Die Basis dafür ist Licht.

Das Prinzip basiert auf LED-Leuchtdioden, die Lichtwellen in einem entlegenen elektromagnetischen Frequenzbereich erzeugen - so stören sie die Bordelektronik nicht, erklärt Dr. Harald Haas, Professor of Electrical Engineering. Zudem arbeitet die kostengünstige Lösung drahtlos, spart also Kabel und damit Gewicht.

Die Dioden senden eine Art digitaler Licht-Morsezeichen. Sie übertragen so große Datenmengen in einem Tempo, das mit mehr als 100 Megabit/Sekunde weit höher ist als bei einem handelsüblichen DSL-Anschluss. Über Satellit gelangen Funkwellen für Internet oder Telefonie ins Cockpit von Flugzeugen. Über das Bordsystem sollen sie an die Dioden weitergeleitet werden. Diese wiederum werden in die Lämpchen über den Flugzeugsitzen integriert, als Zugänge zu dem System. Um es nutzen zu können, müssen Handy- und Laptophersteller dann noch ihre Geräte mit geeigneter Software ausstatten.

Erforscht die unbegrenzten Möglichkeiten des Lichts: Prof. Dr. Harald Haas. Foto: Jacobs University
Erforscht die unbegrenzten Möglichkeiten des Lichts: Prof. Dr. Harald Haas. Foto: Jacobs University

Rund fünf Jahre werde es noch bis zur Realisierung der Lösung dauern, glaubt Haas. Wie viele Sitze müssen mit dem "sprechenden Licht" ausgestattet werden und wie müssen die Dioden über das Flugzeug verteilt sein, damit alle Passagiere die Services nutzen können? Das gehört zu den aktuellen Forschungsfragen. "Es geht darum, wie sich Interferenzen vermeiden lassen, wenn mehrere Menschen gleichzeitig Handys benutzen oder im Internet surfen", erklärt der Elektrotechnik-Spezialist.

Die Forschung an lichtbasierter Datenübertragung begann vor drei Jahren. Das aktuelle Projekt führt Haas im Rahmen eines Forschungsverbundes mehrerer Institute und Firmen unter Führung der Airbus Deutschland durch. Kürzlich hat das Bundesforschungsministerium der Jacobs University dafür rund 670.000 Euro bewilligt. Haas will nun weitere Drittmittelquellen erschließen und die Lösung gemeinsam mit der Bremer Consultingfirma Mobiltec GmbH kommerzialisieren. "Licht für die drahtlose Datenübertragung zu nutzen, kann man als Revolution bezeichnen", sagt er, denn das Einsatzspektrum sei enorm. Zudem ist seine Gruppe ihm zufolge als einzige in Deutschland auf dem Sektor tätig und international führend. "Ich möchte Bremen zu einem Hauptforschungszentrum machen."

Weitere Einsatzfelder sieht Haas zum Beispiel in der Verkehrstelematik: "Intelligente" Ampeln könnten Automotoren an- und abschalten und so Energie sparen. Die derzeit sehr kabellastige Medizintechnik könnte von dem sauberen System profitieren. Es gebe bereits Diskussionen über den Einsatz auf der Internationalen Raumstation ISS. Daheim und im Büro könne künftig die Schreibtischlampe als Wireless-LAN-Zugang dienen. Und das Licht, mit dem in Museen Kunstwerke angestrahlt werden, könne Zusatzinfos zum Beispiel auf die Handys der Besucher übertragen. Haas: "Wir suchen jetzt ein Haus, das mit uns ein
Pilotprojekt beginnt."

Mehr unter www.cwc.jacobs-university.de/

3.036 Zeichen, Autorin: Imke Zimmermann

Pressekontakt:

Jacobs University Bremen gGmbH

Prof. Dr. Harald Haas

E-Mail: h.haas[at]jacobs-university.de