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Pathologen-Netzwerk für verbesserte Diagnostik

Ist der Leberfleck dort auf dem Unterarm wirklich ein Leberfleck - oder schon Hautkrebs? Eine Frage, auf die Pathologen täglich Antwort geben müssen. "Im Einzelfall kann das aber sehr schwer zu entscheiden sein, und dabei hat die Entscheidung Riesenkonsequenzen für den Patienten", sagt der Bremer Pathologe Dr. Carsten Städtler. An dieser Entscheidung hänge, ob eine Chemotherapie eingeleitet, der Betroffene gar operiert werde.

Jedes Pathologische Institut in Bremen und Bremerhaven begutachtet täglich Hunderte Gewebeproben. In diagnostisch besonders schwierigen Fällen setzen die Experten nun auf gegenseitige Unterstützung. Nach dem Prinzip "Vier Augen sehen mehr als zwei" haben sich die Einrichtungen im Bundesland Bremen als bundesweit erste flächendeckend zusammengeschlossen: in dem Netzwerk "TelePathNord". Die Bezeichnung steht für eine Telekonsultationssystem: eine Internetplattform, die vom Bremerhavener Institut für Gesundheitstechnologien (BIGT) unter der Leitung von Prof. Dr. Rainer Dammer und Prof. Dr. Ulrike Lichtblau entwickelt wurde. Laut Angaben des zum Bremerhavener Technologietransferzentrums gehörenden Instituts genügt es höchsten Datenschutz-Sicherheitsanforderungen.

Die Pathologen stellen nach Einverständniserklärung von Patienten ausgewählte Mikroskopaufnahmen von Gewebeproben auf die Plattform. "Das System generiert im Bedarfsfall sogar eine E-Mail an alle Beteiligten und macht sie auf den neuen Fall aufmerksam", erläutert der Initiator des Netzwerks, Prof. Dr. Michael Heine, Landesvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Pathologen und Ärztlicher Leiter am Pathologischen Institut Bremerhaven.

Zu einem abgesprochenen Zeitpunkt setzen sich die Fachleute vor ihre Bildschirme. In einer Telefonkonferenz erarbeiten sie gemeinsam eine Diagnose oder kommen vielleicht zu dem Schluss, dass weitere Untersuchungen nötig sind. "In der medizinischen und halbmedizinischen Öffentlichkeit wird immer wieder die ,zweite Meinung’ gefordert. Doch das ist keine Kassenregelleistung", sagt Heine. Mit "TelePathNord" habe man nun ein systematisches Zweitmeinungssystem etabliert. Ein weiteres, langfristiges Ziel: Die auf der Plattform gespeicherten Bilder sollen zu einem umfangreichen Archiv anwachsen. "Aus dieser Datenbank schwieriger Fälle kann man dann Aufnahmen heraussuchen und den Nachwuchs daran aus- und fortbilden", sagt Heines Bremer Kollege Städtler.

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Pressekontakte:

ttz Bremerhaven

Prof. Rainer Dammer

E-Mail: dammer[at]ttz-bremerhaven.de

Pathologisches Institut Bremerhaven

Prof. Dr. Michael Heine

E-Mail: heine[at]pathologie-bremerhaven.de