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Cheering für Deutschland

Cheerleader beim Proben
Cheerleading vereint Elemente aus Akrobatik, Tanz, Bodenturnen, Show und Cheer (Anfeuern). Foto: Focke Strangmann

"Bremen Firestorm" will in Schweden das Treppchen erstürmen: Zur Europameisterschaft Anfang Juli reisen die Cheerleader mit großen Ambitionen.

"Wir fahren nicht nach Schweden, um die goldene Ananas zu gewinnen." Die Kampfansage von Alexander Balz ist unmissverständlich: Bei der Europameisterschaft, die am 4. und 5. Juli im schwedischen Nyköping ausgetragen wird, will der 33-jährige Cheerleader mit seinem 20-köpfigen Team auf dem Treppchen stehen. Am besten ganz oben. Bei der Deutschen Meisterschaft im März dieses Jahres hatte "Bremen Firestorm" sich für die EM in der Kategorie "SeniorCoEd", der gemischtgeschlechtlichen "Erwachsenengruppe", qualifiziert. Damals hatte es zwar nur zum Vize-Titel hinter den "Potsdam Panthers" gereicht - die Bremer hatten nicht ihren besten Tag erwischt -, doch für Schweden hat man sich neue Ziele gesteckt.

Es ist die dritte EM für die Truppe, die sich vor zehn Jahren innerhalb des Footballvereins "Bremen Firebirds" gründete. Im Cheerleading ist es üblich, dass Vereinsmannschaften zu internationalen Wettbewerben wie der EM fahren. In diesem Jahr hat die Cheerleader Vereinigung Deutschland (CVD) erstmals ein Nationalteam zusammengestellt, das die Weltmeisterschaft Ende November in Bremen bestreiten soll. Zur EM schickt der Verband nun die besten 21 Vereinsteams in zwölf Wettbewerbskategorien. Aus Bremen kommt mit der Gruppe "Full House" auch der Deutsche Meister in der Kategorie "Junior CoEd Stuntgroup".

Das Timing muss stimmen

"Deutschland, we’re called - black, red, and gold" schallt es an einem Sonntagnachmittag durch die Turnhalle einer Bremer Grundschule. In der Mitte der Halle stehen knapp 20 Frauen und Männer, ihre Bewegungen folgen synchron einer Choreografie, während sie ihren "Anfeuerungsruf" rausdonnern. Eine Frau wird von den anderen in die Luft gewirbelt, landet auf den Händen von Alexander Balz, hebt dann ein Bein seitlich gestreckt bis zum Kopf, lächelt. "Liberty" nennt sich die Figur. Wenig später bildet sie die Spitze einer dreietagigen Menschenpyramide.

Immer wieder werden im Laufe des vierstündigen Trainings einzelne Elemente der "Routine" - so nennen Cheerleader ihre Choreografie - geprobt. "Die Einzelteile stehen, jetzt müssen wir die Puzzleteile noch zu einem Bild zusammenfügen", erklärt Balz, der über das Football-Spielen und seine heutige Frau zum Cheerleading kam. Sie ist die Trainerin des Teams und hat in den letzten Wochen vor der EM das Trainingspensum aufgestockt.

Die Bremer haben in ihrer "Routine" einiges verändert, denn in Europa gelten andere Maßstäbe. Statt der in Deutschland üblichen drei Minuten sehen die europäischen Regeln nur 2:30 Minuten für eine Darbietung vor. Trainerin Nicole Balz hat zudem die Elemente aus Tanz, Bodenturnen, Anfeuern ("Cheer"), Show und Akrobatik anders gewichtet. Im europäischen Wettbewerb, so ihr Eindruck, sei eher die Vielfalt entscheidend. "Bei uns zählen vor allem schwierige Stunts. Dort geht es eher darum, die Breite zu zeigen." In der Punktewertung könne das ein wichtiger Faktor sein.

Starke Konkurrenz

Cheerleader beim Proben
Zweieinhalb Minuten haben die Cheerleader Zeit für ihre Show auf der EM im schwedischen Nyköping. Foto: Focke Strangmann

Die europäische Konkurrenz schätzt die 36-Jährige als stark ein: "Slowenien hat jahrelang das Geschehen bestimmt. Aber inzwischen sind auch Finnland und Norwegen sehr stark." Aber von der eigenen "Routine" ist man überzeugt und hofft, auch die Jury dafür zu gewinnen. Am Ende wird wie immer auch die Tagesform entscheiden. "2:30 Minuten - eine zweite Chance hat man nicht", sagt Nicole Balz.

Urlaub nehmen für die EM

Cheerleading ist zwar längst ein Wettkampf- und Hochleistungssport, aber er wird in Amateurstrukturen betrieben. Mit einem Tross von 65 Leuten werden die Bremer Anfang Juli in den Flieger steigen - die 30 Sportler der beiden Wettkampfgruppen, dazu Trainer und viele ehrenamtliche Betreuer und Angehörige. Der Verein kommt größtenteils für die Unkosten der Aktiven auf, doch ein Eigenanteil bleibt. Die meisten nehmen sich Urlaub.

Einfacher haben es da "Juniors" wie die 14-jährige Jacqueline Gehricke. Für die Schülerin fällt die EM in die Ferien. Seit drei Jahren "cheert" sie, ist vor kurzem aus dem niedersächsischen Buxtehude ins Bremer Team gewechselt, "weil ich mehr lernen will". Zur EM fährt sie zum ersten Mal - und das mit ziemlicher Vorfreude: "Es ist toll, zu den Besten Deutschlands zu gehören, sich mit den anderen zu messen und zu sehen, was die so können." Ihr Ziel: "So gut wie möglich abschneiden und Spaß haben."

Mehr unter www.firebirds-cheerleader.com, www.ecc2009.se und www.c-v-d.info (Cheerleader Vereinigung Deutschland)

4.523 Zeichen, Autorin: Astrid Labbert

Pressekontakt:

Inge Balz

E-Mail: powerandspirit[at]arcor.de