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Luxus made in Bremen

Claudia und Albert Drettmann mit einem der prominenten Kunden.
Claudia und Albert Drettmann mit einem der prominenten Kunden. Ralf Schumacher hat drei Drettmann-Yachten. Foto: Drettmann GmbH

Ein Bremer Unternehmerpaar entwirft Motoryachten für Leute, die Geld und Sinn fürs Exklusive haben. Vom Bikini bis zum Hubschrauberlandeplatz bieten sie alles, was die anspruchsvolle Klientel begehrt.

Im Hemelinger Hafen der Hansestadt, am Weser-Kilometer 361, schickt die Drettmann GmbH ihre Yachten auf Probefahrt. Gerade liegt eine "Bandido 75" am Flussanleger, knapp 25 Meter lang, mit vier Schlafkabinen für Eigner und Gäste, drei Bädern, Küche, Wohn- und Essbereich. Auf dem Oberdeck eine Bar und mehrere Sitzgruppen. Vor kurzem hat Ralf Schumacher ein Schiff des gleichen Typs in Empfang genommen. Es ist schon die dritte Yacht, die der Rennfahrer bei Albert und Claudia Drettmann gekauft hat.
Das Ehepaar steuert die Geschäfte der Drettmann GmbH und hält sie erfolgreich auf Wachstumskurs. 1970 als kleiner Gebrauchtboothandel gegründet, ist der Familienbetrieb zu einem international operierenden Unternehmen mit eigenen Niederlassungen auf Mallorca, in Kroatien, in Dubai und an der Cote d’Azur angewachsen. Insgesamt beschäftigen die Drettmanns mittlerweile etwa 100 Mitarbeiter. 2006 zogen sie mit ihrer Firmenzentrale aus dem niedersächsischen Weyhe nach Bremen. Durch die bodentiefen Panoramafenster ihrer Büros schauen sie direkt auf die Weser und die vorbeifahrenden Schiffe. In den Hallen dahinter steht eine bunt gemischte Schar von aufgebockten Luxusyachten, ob elegant und windschnittig, breit und robust oder mit einem Turm zum Angeln versehen.

Eigene Marken brachten den Durchbruch

Albert Drettmann zufolge setzte das Unternehmen 2008 mit Neu- und Gebrauchtbooten etwa 100 Millionen Euro um - rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr. "Unseren Durchbruch hatten wir, als wir begannen, unsere eigenen Schiffsmodelle zu kreieren", sagt Claudia Drettmann. "Vorher war es reiner Handel". Die Bremer nahmen 1995 die Horizon-Werftgruppe in Taiwan unter Vertrag. Dort werden die Schiffe der von ihnen entwickelten Marken wie "Elegance" und "Bandido" gebaut.

"Das Besondere an uns ist, dass wir jeden unserer Kunden persönlich betreuen und uns selbst in unsere Produkte einbringen", meint die 33-jährige Firmenchefin. Außerdem sei jedes Schiff ein Unikat, das individuell nach den Wünschen der Kunden ausgestaltet werde. "So ein Schiff, das kauft man ja nicht wie einen Liter Milch im Supermarkt, das muss schon etwas Besonderes sein."

Rund 30 dieser Schiffe haben Kunden aus aller Welt im vergangenen Jahr bei den Drettmanns in Auftrag gegeben - zwischen einer und 30 Millionen Euro werden sie dafür als Kaufpreis hinblättern müssen. Die Verträge kommen meist auf den großen Bootsmessen zustande, in Düsseldorf, Genua, Cannes oder Dubai zum Beispiel. Die ganztägige Baubesprechung findet dann in der Bremer Zentrale statt.

Für jeden Kunden die passenden Details

Der Salon einer Drettmann-Yacht bietet viel Platz, um sich innenarchitektonisch zu verwirklichen.
Der Salon einer Drettmann-Yacht bietet viel Platz, um sich innenarchitektonisch zu verwirklichen. Foto: Drettmann GmbH

Der gelernte Kfz-Mechaniker Albert Drettmann bespricht mit den zukünftigen Eignern vor allem die technischen Fragen wie Motorisierung oder Nautik. Auch exklusive Wünsche wie ein schiffseigener Hubschrauberlandeplatz lassen sich verwirklichen, haben aber ihren Preis.

Ehefrau Claudia ist für die Innenausstattung zuständig. Im firmeneigenen Showroom präsentiert sie ihre eigene Kollektion namens "Yacht Glamour by Claudia Drettmann": Kaschmir-Wäsche, Bikinis, Jeans, Porzellan und Handtücher gehören zum Beispiel dazu, mit einer Kompassrose als Markenzeichen. Und hier diskutiert sie mit den Kunden über Farbgestaltung und Möblierung ihrer Schiffe, zeigt ihnen Stoffe, Bodenbeläge, Fliesen und vieles mehr. Gemeinsam mit einer Hamburger Innenarchitektin entstehen dann die Entwürfe, mal klassisch, mal elegant und mal gänzlich ausgefallen - je nach Geschmack.

Ein Schönheitschirurg bekam zum Beispiel eine Yacht mit einem Innenleben ganz in Weiß und Lila. Ralf und Cora Schumacher ließen ihr zweites Schiff mit pinkfarbenen Ledergarnituren und Leopardenstoffen ausstaffieren. Beim dritten Schumacher-Schiff habe sie das Afrika-Thema wieder aufgenommen und Naturfarben mit verrückten Accessoires kombiniert, sagt Claudia Drettmann. "Anregungen hole ich mir überall, ob auf der Dekomesse in Paris, auf dem Spielplatz oder im Restaurant", sagt die ausgebildete Bankkauffrau und zweifache Mutter.

Zeitraubende Fertigung in Taiwan

Nach der Baubesprechung muss sich die Klientel erst einmal in Geduld üben: Mindestens sechs Monate dauert es bis zur Auslieferung. Das bislang größte Exemplar, eine rund 50 Meter lange Bandido-Yacht, wird erst nach etwa drei Jahren fertig sein, 2011 soll sie ausgeliefert werden. Die Werft in Taiwan übernimmt dabei auch fast den gesamten Innenausbau. Nach Angaben Drettmanns sind dort zurzeit rund 1.300 Mitarbeiter beschäftigt, die zu über 80 Prozent für seine Firma tätig sind. "Viele Kunden fliegen persönlich nach Taiwan, um sich den Baufortschritt anzusehen", erzählt der 40-jährige Unternehmer.

Für dieses Jahr erwartet Albert Drettmann ein eher stagnierendes Auftragsvolumen, die Kundschaft sei aufgrund der Wirtschaftskrise zurückhaltender geworden. "Wir denken aber schon, dass wir 30 Menschen auf dieser Welt finden werden, die noch Geld haben", sagt Claudia Drettmann lächelnd. Und für die nicht so Betuchten gibt es schließlich den firmeneigenen Gebrauchtboothandel. Vom kleinen Motorboot bis hin zur nicht ganz so neuen Luxusyacht soll für möglichst viele Hobby-Schiffer etwas dabei sein.

Mehr unter www.drettmann.com

5.356 Zeichen, Autorin: Astrid Funck

Pressekontakt:

Drettmann GmbH

Irena Mamic

E-Mail: Irena.Mamic[at]drettmann.com