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Rundfahrt durch das Reich der "Global Players"

Schlange stehen für die Rundfahrt im Containerhafen ist in Bremerhaven keine Seltenheit.
Schlange stehen für die Rundfahrt im Containerhafen ist in Bremerhaven keine Seltenheit. Foto: Kai Koppe

Mit dem Bremerhavener "HafenBus" können Fahrgäste täglich die maritime Seite der Seestadt erkunden. Das Interesse wird immer größer.

Hinter dem Zolltor Rotersand rollt der Bus langsamer, die Reisenden dürfen jetzt zweimal hinsehen, damit sie ihren Augen wirklich trauen können. Vor ihnen liegt Europas größtes Autoterminal, darauf parkt edles Blech in kaum zu schätzender Stückzahl. "Die BMWs kommen aus Alabama, Mercedes-Coupés aus Brasilien", erklärt Stadtführer Franz Eckhard Falck und verblüfft seine Zuhörer kurz darauf mit dem Hinweis, dass man inzwischen ja auf dem zur Stadt Bremen gehörenden Überseegebiet angelangt sei: "Ich hoffe, Sie haben alle ihre Ausweise dabei."

Der Trip ins "Ausland" hat vor einer Viertelstunde begonnen: Klassenfahrt-Stimmung macht sich auf dem Oberdeck breit, als der Doppelstockbus die Rampe am Fischereihafen hinauf kriecht. "Einen wunderschönen guten Tag, meine Damen und Herren", meldet sich Stadtführer Falck über Lautsprecher. In den kommenden zwei Stunden wird er öfters das "junge Gesicht Bremerhavens" erwähnen, ohne dabei einprägsame Details aus der seestädtischen Vergangenheit zu unterschlagen.

Rotlicht und andere Dienstleistungen

An der Einmündung Georg-Seebeck-Straße etwa recken die Passagiere die Hälse: Hier lag einst Bremerhavens sündige Meile, die roten Laternen sind indes schon vor Jahren erloschen. "Dienstleistung" hat zwischen Weser und Geeste längst eine ganz andere Bedeutung: Wer die "HafenBus"-Tour bucht, erlebt die Seestadt als moderne Logistik-Drehscheibe mit Container-Brücken, Autoumschlag und dem längsten Kai der Welt.

"Näher ans Geschehen kann man kaum kommen." Für Jochem Schöttler, Geschäftsführer der BIS Bremerhaven Touristik, ist das Projekt "HafenBus" eine echte Erfolgsgeschichte. Vor acht Jahren entstand bei der BIS die seither auch an anderen Hafenstandorten kopierte Idee, einen "Doppeldecker" statt auf herkömmliche Stadtrundfahrt direkt in den Überseehafen zu schicken. Die täglich verkehrenden "HafenBusse" haben sich inzwischen zu einer Art Bremerhavener Marke entwickelt. Mit gutem Grund. Ein Bus-Ticket ist einerseits Fahrschein, andererseits Eintrittskarte in eine Welt, die Außenstehenden normalerweise verschlossen bleibt.

Denn die Sicherheitsstandards wurden in Reaktion auf die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA auch in den bremischen Häfen erhöht. Das Hafengebiet auf eigene Faust erkunden? Keine Chance. "Nimm’ einfach den HafenBus", raten Einheimische darum inzwischen Besuchern, die sich für die maritime Seite der Stadt interessieren. So viel Mundpropaganda zeigt Wirkung: 2008 beförderten die beiden Doppelstockfahrzeuge mehr als 52.000 Gäste, darunter nicht nur die typischen Nordsee-Urlauber aus dem Binnenland.

Unterwegs zwischen Container-Gebirgen

Wie groß die Container und Van Carrier in natura sind, davon können sich HafenBus-Touristen überzeugen.
Wie groß die Container und Van Carrier in natura sind, davon können sich HafenBus-Touristen überzeugen. Foto: bremen ports GmbH & Co KG

Busfahrerin Sandra Koppenstein hat auch schon Kegelclubs oder Seniorengruppen gefahren und ihren Dreiachser dabei sicher zwischen Container-Gebirgen und Arbeitsfahrzeugen hindurch manövriert. Buspassagiere erleben die spannendsten Momente ihrer Rundfahrt, wenn ein hochbeiniger "Van Carrier" - ein Hubwagen für die gewaltigen Stahlkisten - schwer bepackt neben den Seitenfenstern auftaucht.

"Wir achten natürlich sehr darauf, dass wir niemandem in die Quere kommen", räumt Sandra Koppenstein ein. Durch Rücksichtnahme macht man sich Freunde im Hafen: Werftarbeiter winken, als die Ausflügler vorbei rollen - doch die Aufmerksamkeit der "HafenBus"-Fahrgäste gilt ganz dem altehrwürdigen Kaiserdock II von 1913.

Von ihren Sitzen aus genießen sie einen in dieser Form einmaligen Logenblick auf einen im Bau befindlichen Schiffsrumpf. Kribbeln im Bauch erzeugt ein Blick in die Tiefe des 335 Meter langen Beckens. Anderen mag es schwindelig werden, wenn Franz Eckhart Falck auf den Schaden zu sprechen kommt, der der Lloyd-Werft hier in einer einzigen Sturmnacht 2004 entstanden. Damals waren Decks und Maschinenraum des im Umbau befindlichen Kreuzfahrtschiffs "Pride of America" voll Wasser gelaufen.
Schnee von gestern, das freut Falck aus einem ganz persönlichen Grund: Die Fahrt über das Werftgelände gehört zu seinen Lieblingsetappen auf der insgesamt zweistündigen Bus-Tour. Sie neigt sich dem Ende entgegen, sobald der "HafenBus" wieder das Zolltor passiert: "Willkommen zurück in der Seestadt!" Wer jetzt schon applaudiert, klatscht ein paar Minuten zu früh. Auf den letzten Kilometern bis zur Endstation Fischereihafen durchquert der Doppeldecker nicht nur das Stadtzentrum und erlaubt einen Blick auf die Einkaufs- und Amüsiermeile "Alte Bürger". Auch ein weiteres Highlight für Fans des Maritimen liegt am Weg: das Deutsche Schiffahrtsmuseum.

Mehr unter www.bremerhaven-touristik.de/bremerhaven-tourism/deutsch/Sehenswuerdigkeiten/b_der_hafenbus.html

4.764 Zeichen, Autor: Kai Koppe

Pressekontakt:

BIS Bremerhaven Touristik

Jochem Schöttler

E-Mail: touristik[at]bis-bremerhaven.de