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175 Jahre Rickmers - Historie eines Unternehmens von Weltrang

Das Eingangstor zur Rickmers-Werft steht auch heute noch in Bremerhaven. (Foto um 1934) Foto: DSM - Deutsches Schiffahrtsmuseum
Das Eingangstor zur Rickmers-Werft steht auch heute noch in Bremerhaven. (Foto um 1934) Foto: DSM - Deutsches Schiffahrtsmuseum

Sie war das angesehenste Schiffbauunternehmen in Europa und eines der weltweit führenden: die Rickmers Werft, die 1986 in Bremerhaven für immer ihre Pforten schloss und vor 175 Jahren in Bremerhaven gegründet wurde. Anlässlich dieses Jubiläums zeigt das Deutsche Schiffahrtsmuseum in einer großen Sonderausstellung die Familien- und Firmengeschichte von 1834 bis heute.

Das Museum zählt zu den sieben deutschen Nationalmuseen und widmet sich der Erforschung der deutschen Schifffahrtsgeschichte auf all ihren Gebieten. So basiert diese Schau auf den Forschungsergebnissen von zwei Doktoranden, die die Familien- und Firmengeschichte aufgearbeitet haben. In Szene setzte die Ausstellung eine Projektgruppe, die von der Kulturwissenschaftlerin Christina Voigt koordiniert wurde. Dokumente, Fotos, Filme, Schiffsmodelle und Erinnerungen aus dem Besitz der Nachfahren, die heute in fünfter Generation in der Schifffahrt tätig sind, veranschaulichen abwechslungsreich die Geschichte der Unternehmerfamilie.

Nähkästchen und Dokumente

Auf den 380 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden mehr als 150 Exponate und Wandgrafiken gezeigt, darunter ein originales Stück des roten Helgoländer Sandsteinfelsen und ein Propellerflügel eines Rickmers-Containerschiffs. Ihr Lieblingsexponat? "Das Nähkästchen von Maria", sagt Christina Voigt. Maria, das war die Tochter von Rickmer Claasen Rickmers (1807-1886) und seiner Frau Margaretha, "die er übrigens gegen den Willen des Schwiegervaters heiratete", berichtet die Kulturwissenschaftlerin.

"Am Anfang war die Liebe": So beschreibt die Website der in Hamburg ansässigen Rickmers Group den Anfang der Erfolgsgeschichte. R. C. Rickmers und seine "Etha" stammten von Helgoland. Doch bald nach der Hochzeit verließ der Bootsbauer mit seiner Angebeteten die Insel und ging nach Bremerhaven. Hier legte er im Juni 1834 den Grundstein für sein Lebenswerk, berichtet der Historiker Arnold Kludas*: Er bezog mit Etha sein neu erbautes Haus mit Werkstatt, um sich als Schiffbauer selbstständig zu machen.

Rasanter Aufschwung

Die Besatzung der Fünfmastbark R. C. Rickmers um 1910. Foto: DSM - Deutsches Schiffahrtsmuseum
Die Besatzung der Fünfmastbark R. C. Rickmers um 1910. Foto: DSM - Deutsches Schiffahrtsmuseum

1836 lief das erste Schiff vom Stapel. Rund zehn Jahre später beschäftigte Rickmers schon 100 Mitarbeiter, die zwölf Stunden am Tag arbeiteten. In den 1850er Jahren erlangte die Werft Weltgeltung: Rickmers baute für Russen, Franzosen, Briten, Belgier. Dem Unternehmen wurde sein erster Standort zu klein - 1857 öffnete der neue, zehnmal so große Betrieb seine Pforten.

Schon in den 1840ern hatte Rickmers sich als Kapitalgeber an Schiffen beteiligt. 1859 gründete er seine eigene Reederei, baute ab 1865 bis fast zur Jahrhundertwende nur noch auf eigene Rechnung. "Schiffe unter der Rickmers-Flagge waren bald in allen Häfen der Welt bekannt", so Kludas. Als für die Rickmers-Schiffe als Rückfracht von Ostasien Reis immer wichtiger wurde, schuf der Firmengründer seinem Imperium ein drittes Standbein und sorgte so für gute Auslastung: Er beteiligte sich an einer Reismühle. Schon bald gehörte sie ihm allein und wurde zum größten Unternehmen ihrer Art in der Welt.

Glanz und Untergang

Die Ausstellung spiegelt den Glanz dieser Jahre, spart aber auch die bitteren Zeiten der Rickmers-Geschichte nicht aus. Der Fast-Zusammenbruch in der Weltwirtschaftskrise zwischen den Kriegen ist da nur ein Thema. Ein anderes: der Konkurs im Zuge der Schiffbau- und Werftenkrise Mitte der 1980er Jahre. Heute erinnert in Bremerhaven nur das alte Werfttor an das Unternehmen. Ein Zufall nur: Dahinter erhebt sich das Arbeitsamt.

Die Ausstellung ist bis zum 17. Januar 2010 zu sehen (Hans-Scharoun-Platz 1, 27568 Bremerhaven). Und wer dann Lust auf mehr bekommen hat: Auch ein Abstecher in den Hafen von Hamburg lohnt sich. Dort liegt seit 1983 die "Rickmer Rickmers" vor Anker, einer der letzten Großsegler der Handelsschifffahrt. Der Dreimaster wurde 1896 auf der Werft in Bremerhaven gebaut und nach dem Enkel des Firmengründers benannt.

* Arnold Kludas, Rickmers. 1834-1984. 150 Jahre Schiffbau und Schifffahrt, Herford 1984

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Pressekontakt:

Marc Liedtke

E-Mail: liedtke[at]dsm.museum