Sie sind hier:

Sekretär fürs Ende der Welt

Dr. Manfred Reinke managt die Konsultativtagungen der Mitgliedstaaten von Buenos Aires aus.
Dr. Manfred Reinke managt die Konsultativtagungen der Mitgliedstaaten von Buenos Aires aus. Foto: Alfred-Wegener Institut

Einheimische gibt es hier nicht, Tiere sind ebenso rar wie Pflanzen - der Kontinent um den Südpol ist groß, leer und trotzdem hoch bedeutsam. Manager des Weltenendes ist ab 1. September ein Bremerhavener: Manfred Reinke vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) ist neuer "Exekutivsekretär für den Antarktisvertrag".

Die Antarktis ist zwei Millionen Quadratkilometer größer als Europa, berichtet der 57-jährige Meeresbiologe und Informatiker. Von den 13,7 Millionen Quadratkilometern sind 99 Prozent von Eis bedeckt, ein Klimaarchiv der Erde in den vergangenen 1,2 Millionen Jahren. Aufgrund der extremen Temperaturen spielt der Eiskontinent zudem eine wesentliche Rolle im Weltklima - eine wahre Fundgrube für die Wissenschaft.

Das Gebiet ist staatsfrei, doch regelt ein völkerrechtliches Vertragssystem die Beziehungen auf dem Kontinent, den umgebenden Meeren und deren Nutzung. Nach dem Antarktisvertrag von 1959, der inzwischen durch verschiedene Abkommen ergänzt wurde, herrscht am Pol Forschungsfreiheit, er ist entmilitarisiert und atomwaffenfreie Zone. Zunächst von zwölf Staaten unterzeichnet, haben sich ihm inzwischen 47 Staaten angeschlossen. 28 Länder - darunter Deutschland - haben Stimmrecht, weil sie dort Forschung betreiben.

Politische Macht nicht inklusive

Hier kommt Reinkes neue Aufgabe ins Spiel. Politische Macht über die kältestete, trockenste und stürmischste Ecke der Welt hat der Exekutivsekretär des Vertrags nicht - das Vertretungs- und Verhandlungsrecht für die Antarktis behalten sich die Vertragsstaaten vor. Mit sieben Mitarbeitern betreibt Reinke im argentinischen Buenos Aires vielmehr das Kompetenzzentrum des Bündnisses. "Wir müssen zum Beispiel reibungslose Treffen der Staaten mit Stimmrecht und ihre Verständigung untereinander sicherstellen", erläutert Reinke. Ein wichtiger Job: "Wir sind das Öl im Getriebe des Vertrages."

Sein Büro bereitet für diese so genannten Konsultativtagungen die Arbeitspapiere vor und lässt sie ins Englische, Französische, Spanische und Russische übersetzen. Es muss das Treffen jährlich in einem anderen Staat organisieren und anschließend einen Ergebnisbericht zusammenstellen. Außerdem unterhält das Sekretariat Archive über sämtliche Beschlüsse und Empfehlungen und betreibt seit einiger Zeit eine eigene Website.

Reiz der internationalen Zusammenarbeit

Eisige Schatzkammer: Die Antarktis ist staatenfrei, völkerrechtliche Verträge regeln die Forschung im Eis.
Eisige Schatzkammer: Die Antarktis ist staatenfrei, völkerrechtliche Verträge regeln die Forschung im Eis. Foto: Kim Lawrenz, Alfred-Wegener-Institut

Reinke hat seine Doktorarbeit über die Antarktis geschrieben, war insgesamt viermal in der Antarktis. "Nun ist das erstmal ein reiner Schreibtischjob", sagt er. Was aber kann einen Wissenschaftler daran reizen, der 23 Jahre für ein führendes Forschungsinstitut arbeitete?

Schon lang sei er im Direktorium des Alfred-Wegener-Instituts für das Wissenschaftsmanagement und die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen zuständig gewesen, erzählt Reinke. 2002 trug man ihm die Aufgabe an, die Konferenz des "Wissenschaftlichen Komitees zur Antarktisforschung", dies ist das wissenschaftliche Pendant zum Antarktisvertrag, 2004 in Bremen zu organisieren: "Es war das größte Treffen, das es bis dahin gegeben hatte". Vielleicht empfahl ihn diese Managementleistung, als er sich um seine jetzige Position bewarb. "Mich hatte die Aussicht auf die internationale Zusammenarbeit gereizt", erklärt er sein Interesse.

Gegen zehn Bewerber aus aller Welt setzte sich Reinke durch. Er ist für zunächst vier Jahre gewählt, eine Verlängerung ist möglich. Sicherheitshalber hat Reinke mit dem Alfred-Wegener-Institut ein Rückkehrrecht vereinbart, sollten sich die Aufgabe, die Kollegen oder sein Arbeitgeber in Gestalt des Staatenbündnisses als unangenehm erweisen. Bislang sehe alles sehr gut aus, sagt er. "Vier Jahre sind jedenfalls zeitlich eine gute Perspektive, um einen Umzug auf sich zu nehmen, sich richtig einzuleben - aber der Zeitraum ist auch endlich, wenn es gar nicht funktioniert."

Ende Juli startete Reinke in die neue Heimat. Jetzt, im August, sucht er eine Wohnung und arbeitet sich ein. Die Möbel sollen über den Atlantik reisen, um ein wenig Heimat in der Fremde zu schaffen. Anfang kommenden Jahres will dann Reinkes Ehefrau nachkommen, die bislang als Schulzahnärztin arbeitet. Und die drei Kinder? "Die studieren alle schon an verschiedenen Orten. Und nun freuen sie sich, Weihnachten mit uns in der Hauptstadt von Argentinien zu feiern."

Mehr unter www.ats.aq

4.338 Zeichen, Autorin: Imke Zimmermann

Pressekontakt:

Antarctic Treaty Secrateriat

Manfred Reinke

E-Mail: manfred.reinke[at]awi.de

Hinweis: Diese Bilder stehen online nicht in Druckauflösung zur Verfügung! Bei Interesse wenden Sie sich bitte an: Maike Thomsen, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft: Telefon: 0471 – 48 31-17 42, E-Mail: Maike.Thomsen[at]awi.de.