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Spektakulärer Fassadenzauber

Die Fassade lebt: Die Projektionen von Urbanscreen funktionieren im Einklang mit der Architektur.
Die Fassade lebt: Die Projektionen von Urbanscreen funktionieren im Einklang mit der Architektur. Foto: Urbanscreen GmbH & Co KG

Die Architekten und Künstler von Urbanscreen haben sich auf passgenaue Großbildprojektionen spezialisiert. Gebäude bekommen durch sie ein Außenleben - mit lichten Momenten, virtuellen Akteuren und vielen Szenenwechseln.

Eine Fassade kann mehr sein als Fassade: Sie lässt sich zum Beispiel in ein interaktives Flipperspiel verwandeln. Oder sie kann von überlebensgroßen südamerikanischen Blattschneide-Ameisen heimgesucht und bis auf die Grundmauern abgetragen werden - die Urbanscreen GmbH & Co. KG, ein Unternehmen der Bremer Kreativszene, macht’s möglich.

Urbanscreens Spezialität ist die Inszenierung von Architektur mit Hilfe von Video-Großbildprojektionen, die genau auf die Beschaffenheit der Gebäude zugeschnitten sind und in der Wahrnehmung mit dem Untergrund verschmelzen. "In Deutschland gibt es vielleicht eine Handvoll von Akteuren, die sich mit diesem speziellen Themenfeld auseinandersetzen", sagt der studierte Kulturmanager und Musiker Thorsten Bauer. Der 34-Jährige ist einer der Unternehmensgründer. Die anderen beiden sind der Architekt und Bühnenbildner Till Botterweck und der Diplom-Kaufmann Manuel Engels.

Eigenes Verfahren für exakte Projektionen entwickelt

Für ihre Großbildprojektionen haben sie ein technisches Verfahren namens "Lumentektur" entwickelt und patentrechtlich schützen lassen. Um beispielsweise das "große Krabbeln" der Ameisen auf ein Eckhaus im Bremer Ostertorviertel zu projizieren, mussten sie dessen Frontseite exakt vermessen. Aus den Koordinaten bauten sie die Hausfassade nach: in einem 3D-Animationsprogramm und als reales Miniaturmodell. Es folgten drei aufwändige Drehtage mit dem Gastspielensemble, einem Ameisenstaat aus dem Osnabrücker Zoo, der in dem Modell herumkrabbeln sollte.

Für andere Projekte mietet Urbanscreen auch Theaterräume oder Hallen an, um darin ein maßstabsgetreues Bühnenbild aufzustellen. Für den "Dreh" engagieren die Macher Tänzer und Schauspieler, die sich an der künstlichen Hauswand abseilen, durch die Fenster krabbeln oder auf Trampolinen davor herumspringen. Das Gefilmte kombinieren die Bremer Videokünstler mit den im 3D-Programm erzeugten Licht- und Schatteneffekten und animierten Grafiken zu einem "Gesamtkunstwerk". In der realen Welt wird das ausgewählte Gebäude schließlich von lichtstarken, an den gegenüberliegenden Häusern befestigten Video-Projektoren mit dieser virtuellen zweiten Haut überzogen.

Seinen Ursprung hat Urbanscreen im Bremer Kulturzentrum Lagerhaus. Thorsten Bauer war dort für die Programmredaktion einer "Medienwand" im Steintorviertel zuständig. Er fand Gefallen an der Videokunst, entwickelte eigene Ideen und setzte sie gemeinsam mit anderen Kreativen und Technikprofis um. So traf er auf Till Botterweck und später auf Manuel Engels.

Bremer "Ideenlotsen" halfen bei der Firmengründung

Bei Stadtfesten, Kulturveranstaltungen und Firmenevents sind die Projektionen beeindruckende Blickfänger.
Bei Stadtfesten, Kulturveranstaltungen und Firmenevents sind die Projektionen beeindruckende Blickfänger. Foto: Urbanscreen GmbH & Co KG

Anfang 2008 gründeten die drei mit der Urbanscreen GmbH & Co. KG ihr eigenes Unternehmen. Dabei standen ihnen die Mitarbeiter des Projekts "Ideenlotsen" der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) als Ratgeber zur Seite. Unternehmer aus der Kreativwirtschaft können im Rahmen dieses Projekts an Einzel- und Gruppencoachings teilnehmen und erhalten so Unterstützung bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen und beim Markteintritt.

Der Start verlief erfolgreich. Die Jungunternehmer gewannen umgehend mehrere Preise, unter anderem wurde Urbanscreen auf der Cebit 2008 als einer von fünf Hauptpreisträgern des vom Bundeswirtschaftsministerium ausgeschriebenen Gründerwettbewerbs "Mit Multimedia erfolgreich starten" ausgezeichnet.

Um die zahlreicher werdenden Projekte realisieren zu können, zieht das Trio einen Kreis von freien Mitarbeitern hinzu, darunter Grafik-, 3D- und Motion-Designer. Zu sehen sind die Werke von Urbanscreen unter anderem bei Stadtfesten, Museumsnächten oder Firmenveranstaltungen, denn zu den Auftraggebern gehören mittlerweile neben Kultureinrichtungen auch Unternehmen.

Produktwerbung betreiben die Bremer allerdings nicht, sie suchen vielmehr einen künstlerischen Zugang zum Thema. Für die BLG Logistics Group entwarf Urbanscreen zum Beispiel die Videoinstallation "World in a Box": Während eines Stadtteilfestes bewegten zwei Hände Container, ganze Schiffe und weitere Motive der maritimen Wirtschaft über die Fassade des Bremer Theaters am Goetheplatz.

Von der Experimentierkunst zur virtuellen Theaterbühne

In den ersten Jahren, sagt Thorsten Bauer, hätten sie viel experimentiert und neue Techniken ausprobiert. 2008 tüftelten die Videoprofis etwa aus, wie sich ein 3D-Objekt von allen Seiten bespielen lässt. Versuchsgegenstand war ein Auto, das Projekt wurde aus EU-Mitteln gefördert. "Jetzt geht es uns darum, mit den entwickelten Techniken noch stärker dramaturgisch zu arbeiten und eine Geschichte zu inszenieren", betont Bauer.

Im Mai diesen Jahres wurde zum Beispiel das Schürstabhaus in Nürnberg zur Spielfläche einer solchen Darbietung. Für die Veranstaltung "Die Blaue Nacht 2009" inszenierte die Künstlergruppe die Geschichte des Astronomen Nicolaus Kopernikus, der 1543 in Nürnberg sein Hauptwerk veröffentlichte. "Kopernikus konnte seine Theorie, dass die Erde sich um die Sonne dreht, zu Lebzeiten nicht beweisen", sagt Bauer. "Wir wollten ihn in seiner Sehnsucht nach Wahrheit darstellen."

So streckt zum Beispiel ein virtueller Mensch die Arme durch die Fenster des Gebäudes, als wolle er nach der Wirklichkeit greifen, während Kopernikus’ Konterfei als Schattenriss über die Fassade gleitet. Was ihn an solchen Projektionen besonders fasziniere, sei die Verbindung von Theatermomenten mit den Stilmitteln des Kinos, meint Thorsten Bauer. "Ich kann Figuren auftreten lassen wie auf einer Bühne, die aber wie im Film auf einmal in Großaufnahme erscheinen."

Mehr unter www.urbanscreen.com (mit Video-Galerie) und www.ideenlotsen.de

Videos von weiteren Projekten:

5.788 Zeichen, Autorin: Astrid Funck

Pressekontakt:

Urbanscreen GmbH & Co.KG

Manuel Engels

E-Mail: manuel.engels[at]urbanscreen.com