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Lob der Handschrift

Ein Faksimile dokumentiert die Vielseitigkeit des Dichters Neander.
"Lobe den Herren": Ein Faksimile dokumentiert die Vielseitigkeit des Dichters Neander. Foto: Carl Ed. Schünemann KG

"R the 971.1 x nea 575" - hinter dieser Zahlen-Buchstaben-Folge verbirgt sich ein Schatz. Die kryptischen Zeichen sind die Signatur eines Bändchens der Bremer Staats- und Universitätsbibliothek mit dem Titel "Glaub und Liebesübung: Auffgemuntert durch einfältige Bundes-Lieder und Danck-Psalmen". Dahinter verbergen sich die Werke des Bremer Dichters Joachim Neander (1650-1680), zu denen mit dem Choral "Lobe den Herren/den mächtigen König der Ehren" auch eines der berühmtesten Lieder der Christenheit gehört. Der einzig erhaltene Erstdruck der Sammlung ist jetzt als Faksimile erschienen - als Ehrung eines Kulturdenkmals der Barockzeit.

"Lobe den Herren": Es dürfte keinen Protestanten oder Katholiken geben, der das Lied nicht einmal in einem Sonntags- oder Feiertagsgottesdienst, bei Hochzeiten oder Trauerfeiern gehört hätte. Neanders Lieder waren zwar ursprünglich für den privaten Gebrauch gedacht, "zu lesen und zu singen auff Reisen/zu Hauß oder bey Christen-Ergetzungen im Grünen", wie es auf dem Titel hieß. Doch verbreitete sich sein Werk schnell, wobei der berühmte Choral zahlreiche Bearbeitungen erlebte. Von dem ursprünglichen Lied ist heute nur noch der Text geläufig. "Die Melodie, die wir kennen, stammt von Johann Sebastian Bach", sagt der Bremer Historiker Thomas Elsmann.

Die Bach-Fassung bringt in Bremen täglich das Glockenspiel der Bremer Martinikirche zum Klingen. Hier, direkt an der Weser, war Neander in seinem letzten Lebensjahr als Pastor angestellt. Zeitgenossen indes war er vor allem in Düsseldorf und Umgebung bekannt: Joachim Neander gab dem Neandertal und damit dem Neandertaler den Namen.

Musik aus dem Düssel-Tal

Mit dem Urzeitmenschen hatte Namenspate Joachim Neander nicht viel Ähnlichkeit.
Mit dem Urzeitmenschen hatte Namenspate Joachim Neander nicht viel Ähnlichkeit. Foto: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen

Neander hatte in Bremen Theologie studiert, bevor er nach Stationen in Heidelberg und Frankfurt zum Direktor der Lateinschule in Düsseldorf berufen wurde. Im "Gesteins", dem wildromantischen Düssel- und späteren Neandertal, pflegte er Versammlungen abzuhalten. Bei diesen Aufenthalten dürften viele seiner Lieder entstanden sein. Das schreibt der Düsseldorfer Komponist Oskar Gottlieb Blarr in seinem Kommentar der im Bremer Schünemann-Verlag erschienenen Faksimileausgabe, die der Rotary-Club Bremen-Roland aus Spenden finanzierte. Das Tal war im Übrigen für sein Echo bekannt - ein Nachhall davon findet sich auch in "Lobe den Herren", in dessen Ursprungsfassung laut Barr manche Silben leise wie ein Echo wiederholt wurden.

"Sehr schnell reduziert man Neander aber auf dieses eine Lied", sagt Elsmann, der für die Veröffentlichung die Druck- und Werkgeschichte beleuchtet hat. Dabei sei Neander insgesamt ein guter und zugleich innovativer Barockdichter gewesen, wie das Faksimile den Lesern auch demonstrieren soll. Nur ein Grund: Latein sei die Literatursprache der Zeit gewesen - Neander dichtete jedoch gänzlich in Deutsch.
Joachim Neander, Glaub- und Liebesübung, Auffgemuntert durch einfältige Bundes-Lieder und Danck-Psalmen, Bremen: Schünemann 2009, 192 Seiten + 34 Seiten Kommentar, 24,90 €

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Pressekontakt:

Carl Ed. Schünemann KG Bremen

Monika Thiele

E-Mail: mthiele[at]schuenemann-verlag.de