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Revolution im Bildarchiv

Leuchttisch ade: Mit neuer Software können digitale Fotos künftig automatisch indiziert werden.
Leuchttisch ade: Mit neuer Software können digitale Fotos künftig automatisch indiziert werden. Foto: Slow85/pixelio.de

Die Suche nach Fotos in großen Datenbanken kann der nach der Stecknadel im Heuhaufen ähneln - Bremer Wissenschaftler suchen nach Abhilfe und indizieren die Fotoplattform Flickr.

Sie sind begeisterter Urlaubsfotograf und haben inzwischen Tausende Bilder auf Ihrem heimischen PC? Ihnen steht ein ganz bestimmtes Motiv vor Augen, doch wo es abgelegt ist, erinnern Sie nicht genau? Dann können Ihnen einmal eine Technologie helfen, die derzeit vom Technologiezentrum Informatik und Informationstechnologie der Universität Bremen gemeinsam mit der privaten Jacobs University entwickelt wird: die visuelle Bildindizierung, die automatisch Bildmotive erkennen soll.

Bislang müssen Fotos verschlagwortet oder anders codiert werden, damit sie in umfangreichen Bilddatenbanken wiederzufinden sind. Die visuelle Bildindizierung will diese Suchhilfen um eine optische ergänzen. Die Wissenschaftler suchen optische Merkmale in den Fotos, die Bildinhalte transportieren: das Händeschütteln für Begrüßungen oder den aufgespannten Schirm für Regen. Anhand solcher Merkmale soll ein Suchprogramm dann das oder die passenden Bilder herausfiltern. "Bei entsprechender Verfeinerung könnte es sogar Menschen identifizieren", erklärt Professor Dr. Otthein Herzog von der Universität Bremen.
Das Themenfeld bearbeitet Herzog bereits seit 1994. Schon jetzt kann seine Software anhand von Farben, Formen, Texturen oder Bewegungen in Fotos und Filmen ähnliche Motive herausfiltern. Aber: "Gibt man dem System das Bild einer blauen Blume vor, findet es dazu nicht nur andere blaue Blumen, sondern auch ein blaues Kleid."

Um diese Technik zu verfeiern, indiziert Herzogs Arbeitsgruppe nach Absprache mit der Online-Fotoplattform Flickr schon seit langem sämtliche Bilder, die dort eingestellt werden. Zudem soll nun zur rein beschreibenden die interpretierende, inhaltliche Ebene hinzukommen.

Testfall Begrüßung

Manuelles Verschlagworten will die Arbeitsgruppe um Professor Herzog überflüssig machen.
Manuelles Verschlagworten will die Arbeitsgruppe um Professor Herzog überflüssig machen. Foto: Rainer Sturm/Pixelio.de

Seit einiger Zeit arbeiten die Informatiker an der visuellen Indizierung der Fotos von Staatsoberhäuptern, die der Professor für Massenkommunikation an der Jacobs-University, Peter Ludes, gesammelt hat. Sie beschäftigen sich dabei gezielt mit Begrüßungsszenen. Die Schwierigkeit bei der Definition und Codierung optischer Merkmale: "Es gibt Hunderte Arten, wie sich Menschen begrüßen", sagt Herzog.

Seit Januar ist das Feld noch weiter geworden. Gemeinsam mit der Kollegin von Ludes, Professorin Marion G. Müller, wollen Herzog und andere Informatiker nun eine Methode zur Klassifikation von Bildmotiven in Massenmedien entwickeln: sei es der Staatsempfang mit rotem Teppich, die Abstimmung im Parlament, das Murren auf den Oppositionsbänken. Sie nutzen dafür Müllers Sammlung von rund 15.000 Pressebildern, Cartoons und Kunstreproduktionen zu politischen Themen aller Art. Sie wertet sie zum Beispiel danach aus, welche Motive zur Illustration von Zusammenhängen besonders häufig gewählt werden.

Ziel der Zusammenarbeit ist darum nicht nur eine Archivtechnologie zum "visuellen Verschlagworten" und Wiederfinden von Bildern, die zum Beispiel Redakteuren in Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen die Arbeit erleichtern kann. "Wir erhoffen uns außerdem einen systematischen Überblick über das zeitgenössische Repertoire an Bildmotiven in der politischen Berichterstattung", sagt Müller.

Mehr unter www.tzi.de und www.jacobs-university.de

3.296 Zeichen, Autorin: Imke Zimmermann

Pressekontakt:

Technologiezentrum Informatik und Informationstechnologie

Professor Dr. Otthein Herzog

E-Mail: herzog[at]tzi.de

Jacobs University Bremen

Professor Dr. Marion G. Müller

E-Mail: m.mueller[at]jacobs-university.de