Sie sind hier:

Auf Gold-Kurs

Am 5. Dezember beginnt die Latein-WM im Bremer AWD-Dome. Bis dahin heißt es für die Tänzer Spannung halten!.
Am 5. Dezember beginnt die Latein-WM im Bremer AWD-Dome. Bis dahin heißt es für die Tänzer "Spannung halten!". Foto: Jörg Sarbach

Bei der WM im Latein-Formationstanz in Bremen will der Vize-Weltmeister, der Grün-Gold-Club Bremen, zurück an die Spitze. Und der Perfektion möglichst nahe kommen.

Seit zwei Stunden proben sie bereits an diesem Abend. An einem Ende der großen Sporthalle ist eine Stereoanlage aufgebaut, in der Mitte tanzen acht Paare. Zum fünften Mal üben sie nun diese Passage mit Pirouette, schnellen Wechseln und - "Stopp" ruft Roberto Albanese, läuft zwischen den Paaren umher, korrigiert Armhaltung und Tempo einzelner Paare, Tänzer und mahnt dann die ganze Gruppe: "Das muss genauer sein, auf den Punkt!" Noch mal von vorn.

Absolute Perfektion? Unmöglich

Für das ungeübte Auge ergeben die Bewegungen der acht Paare ein Ganzes. Doch Roberto Albaneses Job ist es, zu sezieren. Der Trainer zerlegt den harmonischen Gesamteindruck in seine Einzelteile, deckt Unstimmigkeiten auf. Tempo, Kraft, Körperspannung, Präzision, Ausdruck, Timing, Harmonie: Wenn die A-Lateinformation des Grün-Gold-Clubs (GGC) Bremen am 5. Dezember im AWD-Dome ihrer Heimstadt den Titel erobern will, muss alles passen. "Absolute Perfektion erreicht man beim Tanzen nie", sagt der 36-Jährige zwar. Aber sein Mantra ist, ihr möglichst nahezukommen.

Absolute Perfektion ist unmöglich, sagt Grün-Gold-Trainer Roberto Albanese
"Absolute Perfektion ist unmöglich", sagt Grün-Gold-Trainer Roberto Albanese. Foto: Jörg Sarbach

Seit 15 Jahren trainiert Albanese die A-Formation des Klubs, hat sie an die Weltspitze geführt und heute mit seiner Frau Uta Deharde und Sven Emmrich zwei Co-Trainer zur Seite. Das Trainerteam musste sich nach der Europameisterschaft in Litauen im Oktober zähneknirschend eingestehen: Der Gastgeber war besser und ist als amtierender Welt- und Europameister bei der WM der ärgste Konkurrent. Doch beim Weltturnier haben nun die Bremer Heimvorteil, und die Lehren aus der EM sind gezogen: Der 20-köpfige Kader wurde personell verändert, das Trainingspensum erhöht. "Im Moment ist die Stimmung sehr gut, weil alle die Dinge sehen, die verbessert werden müssen. Das ist der Ansporn eines jeden Einzelnen", sagt Albanese.

Choreografie ist wie ein guter Wein

Das Ziel ist klar: "Wir wollen den Titel zurückholen", sagt Tänzer Marco Welzel selbstbewusst. Denn wie es ist, Weltmeister zu sein, weiß man bei der A-Formation des GGC. Vor drei Jahren bebte die Halle, als sie in Bremen ihren ersten WM-Titel holte. Damals war es die Choreografie "Rocky", die Wertungsrichter und Publikum überzeugte. Ein Jahr später gelang die Titelverteidigung, erneut mit "Rocky". Seit einem Jahr heißt es in Bremen "Siamo noi" ("Das sind wir"). Mit der neuen Choreografie wurde der Grün-Gold-Club 2008 Deutscher Meister und WM-Vize – hinter Litauen.

Musikalisch basiert "Siamo noi" auf einer Mischung aus Klassik und italienischen Pop-Elementen, tänzerisch auf 36 Bildern. Getanzt werden sie in fließenden Übergängen in den vorgegebenen sechs Minuten. Für die Tänzer ist das ein anspruchsvolles Programm. Dynamik, Rhythmik: Albanese versucht, neue Impulse zu geben. Die bestehende Choreografie verändert dabei im Laufe der Zeit immer wieder ihr Gesicht, wird angepasst, verbessert - auch an diesem Trainingsabend. "Eine Choreografie ist wie ein guter Wein. Je älter, desto besser wird sie", sagt Albanese.

Genuss und harte Arbeit

Für die Tänzer ist das nicht immer mit Hochgenuss, sondern mit harter Arbeit verbunden, die nicht nur körperlich an die Grenzen geht. In den Wochen vor der WM wird zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche geprobt, nach dem regulären Broterwerb. Sie sind Amateursportler, viele haben einen ganz normalen Berufsalltag. Man geht schon an seine Grenze, erklärt Tänzerin Franziska Becker (27). Aber: „Es ist wichtig, dass alles in Mark und Bein übergeht, dass der Kopf sich ausschaltet.“ Bei allen. Dann erst entwickele sich der gemeinsame "Spirit", der entscheidend dafür sein kann, dass der Funke überspringt. Auf Publikum und Richter.

Spannung halten - bis zum 5. Dezember

An diesem Abend Ende Oktober wirkt Roberto Albanese, kurz vor dem letzten Durchgang, noch unzufrieden mit dem Trainingsstand. Viel hat er kritisiert in den drei Stunden. Dann geben seine Tänzer und Tänzerinnen noch einmal alles. Mitte November werden sie auf diese Weise, drei Wochen vor der WM, die Deutsche Meisterschaft 2009 gewinnen. Davon weiß Albanese natürlich jetzt noch nichts. Aber leise, außer Hörweite der Tänzer, sagt er: "Ich bin zufrieden mit dem Stand. Das spüren sie nur nicht." Es gilt, die Spannung zu halten - bis zum 5. Dezember.

Mehr unter www.ggcbremen.de

4.366 Zeichen, Autorin Astrid Labbert

Pressekontakt:

Roberto Albanese

E-Mail: roberto[at]albanese-deharde.de