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Ein Freund fürs Leben

Essen zubereiten, das Telefon bedienen - die Befehle erhält Friends Roboterarm über den Joystick in Kinnhöhe.
Essen zubereiten, das Telefon bedienen - die Befehle erhält Friends Roboterarm über den Joystick in Kinnhöhe. Foto: Frank Pusch

Bremer Forscher tüfteln am perfekten Helfer für behinderte Menschen.

"Friend" heißt der Assistenzroboter, "Freund": unermüdlich, fleißig, klaglos. "Ein unglaublich gutes Gerät", wie Hermann Kraus sagt. Er muss es wissen. Denn Kraus, der unter einer seltenen Muskelerkrankung leidet, hat den "Friend" im Neurologischen Rehabilitationszentrum Friedehorst in Bremen ausprobiert.

Der Freund schenkt Autonomie

Der Patient sitzt in einem Elektro-Rollstuhl, vor ihm ein Monitor, über ihm zwei Kameras. An der rechten Seite erhebt sich ein vielgelenkiger Roboterarm mit einer elektrisch-mechanischen Hand am Ende. Der Patient gibt per Joystick über den Bildschirm das Kommando: "Ich möchte trinken", "Ich möchte essen". Dann spult der "Friend" seine erstaunlichen Fertigkeiten ab: Selbstständig rollt er den Rollstuhl zum Kühlschrank. Kameras und Software führen den Arm zum Teller mit dem Essen und holen ihn heraus. Der "Friend" stellt das Ganze in die Mikrowelle, serviert das fertige Essen und füttert den Patienten.

Noch funktionieren diese Abläufe nur teilweise und nur in einer eigens präparierten Umgebung, die den Roboter unterstützt – in einer normalen Küche wäre der "Friend" überfordert. Aber Dr. Matthias Spranger, Leiter des Rehazentrums Friedehorst, ist überzeugt: "Für Menschen, die wegen ihrer Behinderung ständig auf Hilfe angewiesen sind, wird der Roboter einmal einen enormen Zuwachs an Autonomie bedeuten."

Die Seele des "Friend" ist die Software in seinem verlöteten Hirn. Rund vier Jahre lang haben die Mathematiker der Arbeitsgruppe "Autonome Manipulationssteuerung für Rehabilitationsroboter" (AMaRob) am Institut für Automatisierungstechnik der Universität Bremen daran unter anderem mit Friedehorst und dem Institut für integriertes Design getüftelt. "Wir haben für den Friend über das Essen-Zubereiten hinaus zwei weitere Szenarien entwickelt", erklärt der Mathematiker Torsten Heyer, Mitglied von AMaRob. So kann das Gerät einem Gelähmten an einem Büchereitresen oder in einer Werkstatt assistieren und ihm die Berufsausübung ermöglichen.

Die Zukunft hat begonnen

Der intelligente Assistenzroboter Friend soll Schwerbehinderten zu mehr Autonomie im Alltag verhelfen.
Der intelligente Assistenzroboter Friend soll Schwerbehinderten zu mehr Autonomie im Alltag verhelfen. Foto: Frank Pusch

An Zukunftsmusik fehlt es nicht. Patienten können die Befehle derzeit entweder mit einem Joystick oder mit einem Hebel auf Kinnhöhe geben. Aber bald sollen sie quasi Kraft ihrer Gedanken, nämlich mittels "Brain-Computer-Interface", ihren elektronischen Freund steuern. "Stellen Sie sich fünf Lichter vor, die in verschiedenen Frequenzen blinken", erklärt Heyer. Jedes stehe für einen anderen Befehl. "Konzentriert sich der Patient auf ein bestimmtes Blinken, reagieren seine Gehirnströme im gleichen Takt, der von Dioden am Kopf ausgelesen, an den 'Friend' weitergegeben und dort entschlüsselt wird. Zum Beispiel: schnelles Blinken - Essen machen. Langsames Blinken – Buch holen."

Noch ist das Projekt in der Experimentierphase. Ein geschäftlicher Erfolg könnte es dennoch bereits werden. Nicht wegen des derzeit noch sehr ansehnlichen Preises von 200.000 Euro. Sondern weil die Bremer Entwickler ihre Idee anderen Universitäten verkaufen wollen, die den Roboter dann ebenfalls weiter entwickeln können. Gemeinsames Forschen werde die Entwicklung schneller voran bringen. Eines werde der "Friend" aber nie können, schmunzelt Heyer: "Gedanken lesen."

Mehr unter www.amarob.de und www.friend4you.eu

3.291 Zeichen, Autor: Christian Beneker

Pressekontakte:

Institut für Automatisierungstechnik

Torsten Heyer

E-Mail: theyer[at]iat.uni-bremen.de

Neurologisches Rehabilitationszentrum Friedehorst

Dr. Matthias Spranger

E-Mail: spranger.nrz[at]friedehorst.de