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Mitarbeiterbeteiligung als Erfolgsmodell

Bei uns sind es allein die Mitarbeiter, die den Erfolg erwirtschaften, sagt HEC-Geschäftsführer Dr. Thorsten Haase. Foto: HEC GmbH
Bei uns sind es allein die Mitarbeiter, die den Erfolg erwirtschaften, sagt HEC-Geschäftsführer Dr. Thorsten Haase. Foto: HEC GmbH

Mitarbeitern der Bremer Firma HEC gehört seit zwei Jahren ein Teil des Unternehmens. Der IT-Dienstleister gehört zu den wenigen Firmen, die ihren Angestellten eine solche Möglichkeit bieten. Mit Erfolg. Für beide Seiten.

Mitarbeiterbeteiligung? Für manchen Unternehmer ist das ein Begriff für Sonntagsreden oder Betriebsratsseminare. Nicht so für Dr. Thorsten Haase. Wenn der Geschäftsführer der Hanseatischen Software-, Entwicklungs- und Consulting GmbH (HEC) auf das Thema zu sprechen kommt, wird Begeisterung spürbar. Seit der Hälfte der Belegschaft ein Teil der Firma gehört, hat sich für ihn ein Kreis geschlossen. Der 49-Jährige: "Ich habe mir schon während meines Ökonomie-Studiums an der Bremer Universität vorgenommen: Sollte ich eine Firma führen, werde ich Mittel und Wege suchen, die Mitarbeiter am Erfolg zu beteiligen."

Die Gelegenheit bot sich Ende 2007: Durch den Ausstieg von Altgesellschaftern wurde ein Teil der HEC-Anteile frei. Ein neuer Investor musste her. Haase fand ihn in der Neusta Holding und schlug dem neuen Gesellschafter vor, auch die Mitarbeiter am Unternehmen zu beteiligen. "Ich stieß mit dieser Idee sofort auf Zustimmung." Und auch unter den Mitarbeitern sei das Interesse von Anfang an erstaunlich groß gewesen. Die Hälfte der 70-köpfigen Belegschaft zeichnete Anteile. "Im Durchschnitt hat jeder Mitarbeiter 10.000 Euro in die Firma investiert."

"Ich weiß hier, wo ich mein Geld investiere"

Einer von ihnen ist Frank Düsterbeck, der als Projektleiter bei der HEC arbeitet. "Ich kenne das Unternehmen schon lange. Anders als bei einem Aktienfonds weiß ich hier genau, wo ich mein Geld investiere." Auch als die Wirtschaftskrise hereinbrach, habe ihn das nicht verunsichert. Er vertraut auf das 22 Jahre alte Unternehmen, das 2008 einen Umsatz von 8,5 Millionen Euro erwirtschaftete. "Als vor knapp zehn Jahren die Internetblase platzte, haben wir das auch gut überstanden."

Mit dieser Haltung ist Frank Düsterbeck offensichtlich nicht allein. Selbst auf dem Höhepunkt der Krise habe kein einziger Mitarbeiter mal vorsichtig nachgefragt, was denn nun mit seinen Anteilen los ist, erinnert sich Haase. Freude und auch ein wenig Stolz klingen dabei in seiner Stimme mit. Dass die Angestellten Vertrauen in die Firma haben, ist ihm wichtig. "Ich hatte schon vorher einen guten Draht zu unseren Mitarbeitern. Aber jetzt sind wir noch enger zusammengerückt."

Ohne ein gutes Klima zwischen Geschäftsführung und Belegschaft könne Mitarbeiterbeteiligung ohnehin nicht funktionieren – davon ist der HEC-Chef überzeugt. "Dieses Konzept ist nichts für patriarchalische Chefs, die zur Geheimniskrämerei neigen. Denn wenn die Mitarbeiter zugleich Gesellschafter sind, hat man ihnen gegenüber viel größere Informationspflichten. Schließlich sind sie nicht nur am Erfolg beteiligt, sondern auch an möglichen Verlusten." Die Furcht mancher Unternehmer, ihnen könnte bei dieser Konstruktion die Führungsrolle entgleiten, hält Haase allerdings für unbegründet: "Die Mitarbeiter können mich nicht einfach entlassen oder das Unternehmen in eine völlig andere Richtung steuern, nur weil sie jetzt Anteile haben."

Nur vier Prozent der Unternehmen bieten Beteiligungen an

HEC-Geschäftsführer Dr. Thorsten Haase im Gespräch mit einer Mitarbeiterin. Foto: HEC GmbH
HEC-Geschäftsführer Dr. Thorsten Haase im Gespräch mit einer Mitarbeiterin. Foto: HEC GmbH

Dennoch bieten in Deutschland laut einer Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft nur gut vier Prozent der Unternehmen ihren Beschäftigten eine Beteiligung an. Haase will deshalb auch anderen Firmenchefs Mut machen, ihre Mitarbeiter zu Teilhabern zu machen. Eines sei dabei allerdings wichtig: "Wenn man eine Beteiligung anbietet, muss das Konzept klar und transparent sein."

Der HEC-Chef hat deshalb gemeinsam mit der Fides Treuhandgesellschaft ein unkompliziertes Verfahren entwickelt. Die Mindesteinlage beträgt pro Person ein Tausendstel des Unternehmenswertes. Hält der Mitarbeiter seine Anteile fünf Jahre oder länger, bekommt er dafür eine feste Rendite. "Es sei denn, das Unternehmen hat seither nachweislich an Wert verloren. Aber zum Beleg müssten wir erst mal ein aufwändiges Gutachten in Auftrag geben. Die Beweispflicht liegt also beim Unternehmen und nicht beim Anteilseigner", sagt Haase.

Macht die Firma Gewinne, erhalten die Mitarbeiter zudem jährlich eine Ausschüttung. "Und die lag trotz Krise im vergangenen Jahr deutlich über dem Sparbuch-Niveau und das wird auch in diesem Jahr wieder so sein", sagt Haase. Da die Anteile nicht an der Börse gehandelt werden, unterliegen sie auch keinen täglichen Kursschwankungen. Dass die Bundesregierung die Investition der Mitarbeiter mit einem Steuerfreibetrag von 360 Euro pro Jahr fördert, ist in seinen Augen dagegen nur ein schwacher Anreiz.
Einige Verhaltensweisen sollten Unternehmer nach Ansicht von Haase unbedingt vermeiden, wenn sie den Mitarbeitern eine Beteiligung anbieten. "Man sollte auf keinen Fall beleidigt reagieren, wenn einige das Angebot ausschlagen", rät er. "Manche Menschen legen ihr Geld lieber auf einem Sparbuch an. Andere haben nicht die nötigen Rücklagen." Manche seiner Angestellten seien so begeistert gewesen, dass sie bei ihrer Bank einen Kredit aufnehmen wollten, um sich Anteile zu kaufen. Das lehnte Haase allerdings ab. "Ich möchte nicht, dass Mitarbeiter dafür Schulden machen."

Firma muss wirtschaftlich gesund sein

Ein weiteres Tabu: die Anteilseigner mit Exklusiv-Informationen über das Unternehmen zu versorgen, während die übrigen Mitarbeiter außen vor bleiben. "Das wäre nicht gut für das Betriebsklima." Zudem müsse ein Unternehmen, das seinen Mitarbeitern eine Beteiligung anbietet, wirtschaftlich stabil sein. "Als getarnter Sanierungsversuch taugt so etwas nicht. Aber eine solche Absicht würden die Mitarbeiter, so hoffe ich, auch schnell erkennen."

Für Haase hat das Thema Mitarbeiterbeteiligung mehrere Facetten: "Mich freut natürlich, dass die Mitarbeiter sich ein Stück weit als Unternehmer sehen. Sie identifizieren sich noch stärker mit der Firma. Das erhöht die Motivation und wirkt sich positiv auf das Betriebsergebnis aus." Zudem sei die Mitarbeiterbeteiligung auch ein Imagegewinn: "Manche Kunden haben sich bewusst für uns entschieden, weil sie sich gesagt haben: Das muss eine gute Firma sein, wenn sich die Mitarbeiter daran beteiligen."

Zudem hält Haase nichts vom klassischen Tarifparteien-Denken: "Ich finde diese Rollenspiele zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften nicht immer hilfreich. Mitarbeiter sollten auch ohne dieses Gefeilsche bei den Tarifverhandlungen davon profitieren können, wenn es einer Firma gut geht." Denn das sei nur gerecht – gerade in einem Dienstleistungsunternehmen wie der HEC: "Bei uns sind es allein die Mitarbeiter, die den Erfolg erwirtschaften."

Mehr unter www.hec.de

6.671 Zeichen, Autor: Thomas Joppig

Pressekontakt:

Reitzenstein/Lenk. Agentur für PR & CSR GbR

Imke Engelbrecht

E-Mail: engelbrecht[at]agentur-reitzenstein.de