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Da haben Sie den Salat

Ob Gurken, Kohlrabi oder Bohnen, nahezu alle Zutaten für die Salate werden von Hand verarbeitet.
Ob Gurken, Kohlrabi oder Bohnen, nahezu alle Zutaten für die Salate werden von Hand verarbeitet. Foto: Focke Strangmann

Von wegen Ruhestand: Nach über 40 Jahren auf dem Wochenmarkt hat sich ein Bremerhavener Obst- und Gemüsehändler ein zweites Mal selbstständig gemacht. Sein Erfolgsrezept: frischer und von Hand zubereiteter Salat.

Zuerst ein grünes Bett aus Feldsalat, dann in die Mitte einen Löffel voll geraspelter Möhren, links unten kommen zwei Stücke rote Tomate, rechts oben ein weißes Blatt Endivie hin. Und schließlich noch klein gewürfelter Käse, fein geschnittener Schinken und zwei halbe, hart gekochte Eier. Schnell und sorgfältig stellt die junge Frau das Farbenspiel aus natürlichen Zutaten zusammen. Der Salat, den sie in nicht einmal einer Minute in der Schale anrichtet, gleicht wie ein Ei dem anderen jenem Dutzend, das sich bereits in einem Karton stapelt.

Die Uniformität ist geplant. "Natürlich müssen alle Salate eines bestimmten Rezeptes aus unserer Manufaktur genau gleich aussehen", betont Firmenchef Gerhard Rosenbusch – auch wenn es bis zu 6.000 Portionen sind, die seine VITAL Salatmanufaktur in Bremerhaven am Tag ausliefert. Wie die Firma das immer gleiche Aussehen erzielt? "Wir haben die Ursprungszubereitung fotografiert und das Bild als Vorlage über den Arbeitstisch gehängt."

Dass Salat gesund ist, weiß Gerhard Rosenbusch nicht erst seit gestern. Mehr als vier Jahrzehnte hat der 61-Jährige als Obst- und Gemüsehändler auf den Wochenmärkten in Bremerhaven und der Umgebung gestanden. "Eigentlich wollte ich wie mein Vater mit 50 aufhören", sagt Rosenbusch: "Alle Arbeitsstunden zusammengerechnet, hätte das der Lebensarbeitszeit eines normalen Angestellten entsprochen."

Doch aus dem Ruhestand wurde nichts: "Olga treibt mich immer wieder an", lächelt Rosenbusch in Richtung seiner etliche Jahre jüngeren Ehefrau. Das ist aber nur die halbe Wahrheit: "Gemeinsam haben wir die Idee zu der neuen Firma gehabt. Und es ist einfach toll, diese Idee auch gemeinsam umzusetzen."

Mit einer Handvoll Mitarbeiter fing es an

Olga Rosenbusch hat gut lachen: 6.000 Salate bereiten ihre 30 Mitarbeiter täglich zu.
Olga Rosenbusch hat gut lachen: 6.000 Salate bereiten ihre 30 Mitarbeiter täglich zu. Foto: Focke Strangmann

Ein kleiner Raum in einer ehemaligen Fischverarbeitungshalle, ein langer Edelstahltisch, jede Menge Messer und eine knappe Handvoll Mitarbeiter – so fing es vor sechs Jahren an. "Eineinhalb Jahre hat es gedauert, bis wir das erste Mal damit Geld verdient haben", erinnert sich Olga Rosenbusch.

"Qualität steht an erster Stelle", verlangt das Unternehmerehepaar von sich. Das hat sich ausgezahlt: Ende 2009 eröffneten Rosenbuschs ein neues Betriebsgebäude. Längst liefert der heute 30 Mann starke Betrieb nicht mehr nur ein oder zwei Supermärkte, sondern im Umkreis von 100 Kilometern praktisch an alle großen Geschäfte, an Großgastronomie-Betriebe sowie an führende Unternehmen der Bremerhavener Nahrungsmittelindustrie.

Auch ein Geheimnis des Erfolges - die Firma hält, was ihr Name verspricht: "Hier wird fast alles von Hand geschnitten und zubereitet", versichern die Rosenbuschs. Auf der Zutatenliste steht alles, was für Salate geeignet ist einschließlich exotischer Obstsorten. "Gestern bestellt, heute geliefert", ist das zweite große Motto, dem sich Rosenbuschs verpflichtet sehen: "Pünktlichkeit und Liefertreue sind genauso wichtig wie Qualität."

Jeden Winter allerdings kommt diese Weisheit das Ehepaar teuer zu stehen. "Die Rohwaren-Preise ziehen dann kräftig an, aber wir können nicht im selben Maße höhere Preise für unsere Produkte verlangen", erläutert der Chef. Ein wenig Kompensation bekommt er immerhin: "Wir haben mit unseren Geschäftspartnern Sommer- und Winterpreise vereinbart."

Mehr als 40 verschiedene, selbst entwickelte Salat-Variationen haben Rosenbuschs im Programm. Dass ein Tomaten-Gurken-Salat mit Dressing nicht einfach so heißt, sondern "Tante Käthes Salatmischung" oder ähnlich, liegt dabei nicht in der Kreativität der Unternehmer begründet, sondern in gesetzlichen Bestimmungen: "Bei einer einfachen Salatbezeichnung müssen alle Zutaten aufs Gramm exakt angegeben werden, bei Zubereitungen wie den ,Tanten-Salaten’ nicht", erläutert Rosenbusch.

Tante Käthe und die anderen

Dennoch können sich die Kunden auf die Angaben auf der Verpackung verlassen: "Wenn die Rezeptur 30 Gramm Tomaten vorsieht, dann sind auch mindestens 30 Gramm drin - egal wie viele tausend Schalen wir produzieren", versichert Olga Rosenbusch. Im Zweifelsfall werden es sogar mehr sein, denn: "Besser zu viel als zu wenig einpacken", lautet das dritte große Erfolgsmotto der Salatspezialisten. Dieses Motto kennt auch jeder der Mitarbeiter, der an dem langen Packtisch die Rezepturen zusammenstellen. In den frühen Morgenstunden hat die erste Schicht die Zutaten vorbereitet und beispielsweise die Tomaten in feine Scheiben geschnitten. Jetzt werden die Salate fein säuberlich und genau nach Vorbild zusammengestellt und verpackt.

Die Stimmung ist konzentriert, aber gut. Nur am Ende des Schneidetisches kämpft eine junge Frau immer wieder mit den Tränen. "Sie schält Zwiebeln", weiß Olga Rosenbusch aus Erfahrung. "Das kann man einfach nicht vermeiden. Egal wie oft und wie lange man Zwiebeln schneidet: Bei der ersten müsse man immer weinen", weiß Olga Rosenbusch aus eigener Erfahrung: "Nach der zweiten geht es dann, aber nach jeder Pause fängt es wieder an."

5.070 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

Vital Salatmanufaktur

Gerd und Olga Rosenbusch

E-Mail: vital-brhv[at]t-online.de