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Milliarden-Kurs Offshore

RWE-Innogy-Chef Fritz Vahrenholt (re.) mit dem Chef des Containerterminal-Betreibers Eurogate, Emanuel Schiffer.
RWE-Innogy-Chef Fritz Vahrenholt (re.) mit dem Chef des Containerterminal-Betreibers Eurogate, Emanuel Schiffer. Foto: RWE Innogy

Energiequelle Nordsee: Allein die RWE Innogy GmbH will bis Mitte des Jahrzehnts rund 2,8 Milliarden Euro in zwei große Offshore-Windparks investieren. Errichtet werden sie von Bremerhaven aus, denn das Unternehmen hält den Standort für ideal.

Noch sind es erst zwölf Windräder, die gut 40 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum im steten Nordseewind rotieren. Doch die ersten Erfahrungen mit der Offshore-Nutzung der Windenergie zeigen bereits, welches Potenzial für die umwelt- und klimafreundliche Stromerzeugung auf hoher See besteht. Bereits in diesem Jahr errichten die BARD-Gruppe (Emden) sowie enBW/wpd (Karlsruhe) die ersten Anlagen, im kommenden Jahr soll der Bau kommerzieller Anlagen im großen Stil beginnen. "Nach dem Willen der Bundesregierung sollen bis 2030 vor Deutschlands Küsten rund 20.000 Megawatt Offshore-Kapazität entstehen", sagt Professor Fritz Vahrenholt, Vorstand der Essener RWE Innogy GmbH, des auf erneuerbare Energien spezialisierten Unternehmens im RWE-Konzern.

Die Dimension der Planungen wird gravierende Konsequenzen für die Wirtschaftsstruktur an der Küste haben: "Wir haben hier einen riesigen Wachstumsmarkt. Davon profitieren nicht nur die bekannten Anlagenhersteller, sondern ganz besonders auch deren Zulieferer", betont Vahrenholt, der seit seiner Zeit als Hamburgs Umweltsenator als Experte für regenerative Energien gilt. Bremerhaven hat sich, so lautet seine Überzeugung, bestens als Zentrum der Offshore-Windkraft-Aktivitäten etabliert. Emden, Cuxhaven und Bremerhaven sind derzeit die Ausgangspunkte für nahezu alle Windkraft-Aktivitäten vor der deutschen Nordseeküste.

"In keinem Nordseehafen vergleichbar große Flächen"

Alle übrigen Anbieter setzen darauf, die riesigen Windmühlen in Großbauteilen zu verschiffen und dann an Ort und Stelle zusammenzubauen. Dies ist auch das Konzept von RWE Innogy - deshalb hat sich das Unternehmen bewusst für den Standort Bremerhaven als Startplatz zum Bau des Windparks Nordsee Ost entschieden. „Es gibt in keinem deutschen Nordseehafen vergleichbar große Flächen, die ab kommenden Sommer für unsere Zwecke zur Verfügung stehen“, sagt Vahrenholt und fügt hinzu: "Was nützt mir ein an sich guter Hafen, wenn ich ständig meine Arbeit unterbrechen muss, weil andere Ladung Vorrang hat?"

Für die kommenden zwei bis drei Jahre hat RWE Innogy das Südende des Bremerhavener Container-Terminals gepachtet. Dort sollen die Bauteile für die Windräder vormontiert und dann auf das Spezialschiff "Seabreeze" verladen werden.

Der 109 Meter lange und 40 Meter breite Schwerlast-Gigant ist ein schwimmendes Kraftpaket und Multitalent. Vom Container-Terminal aus fährt die "Seabreeze" wie ein normales Schiff zum Bauplatz auf hoher See. Dort wird es durch vier bewegliche Stützen zur Hubplattform. Mithilfe eines Schwerlastkrans können dann die Windenergieanlagen aufgebaut werden.

Drei Windräder samt Türmen, Gondeln und Rotoren können gleichzeitig transportiert werden. Die Rotoren-Sterne stellen die Logistiker dabei vor besondere Herausforderungen – fertig montiert haben sie einen Durchmesser von 120 Metern. "Bremerhaven gibt uns beste Manövriermöglichkeiten für die Seabreeze und liegt zudem nahe zu unserem Hauptlieferanten REpower. Es passt also alles bestens", meint Vahrenholt.

Auf der Weser sind es Schifffahrtsverwaltung und Lotsen gewohnt, mit den größten Containerschiffen der Welt umzugehen. Wenn ein Riese wie die knapp 400 Meter lange "Emma Maersk" Weser abwärts fährt, muss das Fahrwasser ohnehin für alle anderen Schiffe gesperrt werden. Die "Seabreeze" könne dann gewissermaßen im Windschatten der "Emma" folgen, ohne dass zusätzlich eine Fahrwassersperrung erforderlich wäre, meinen Hafenexperten.

Standortentscheidung für Offshore-Basishafen im Juni

Die Vormontage der ersten 48 Windräder auf dem Container-Terminal ist für Vahrenholt erst der Anfang eines längerfristig geplanten Engagements vor der deutschen Küste. Nach Nordsee Ost will RWE Innogy den Bau des Offshore-Windparks Innogy Nordsee I mit knapp 1.000 Megwatt Leistung in Angriff nehmen. Dafür ist der neue Offshore-Basishafen für Innogy sehr interessant, den das Land Bremen an der Wesermündung bauen will. Mitte Juni soll für das Hafenprojekt die Standortentscheidung fallen. Dann ist der Weg frei für die vorerst letzte große Infrastrukturmaßnahme, die Bremerhaven noch auf dem Weg zum deutschen Zentrum der Offshore-Windindustrie tätigen muss.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu dem neuen Hafen haben sich bereits die ganz Großen der Branche angesiedelt. Hier sitzen die Anlagenhersteller Areva-Multibrid und REpower (dessen Vorstand Vahrenholt vor seinem Wechsel zu RWE Innogy war), hier sind Turm- und Fundament-Hersteller wie Weserstahl und WeserWind ansässig, und auch die Rotorender Windmühlen kommen aus Bremerhaven von der Firma PowerBlades.

Jobmaschine mit Potenzial

"Bremerhaven hatte den Mut in Vorleistung zu gehen", sagt Fritz Vahrenholt, Vorstand der RWE Innogy. Foto: RWE Innogy

Diese massive Präsenz einer zukunftsweisenden Industrie ist für Vahrenholt Ergebnis einer gezielten und gut ausgerichteten Wirtschaftsförderungsstrategie. „Als ehemaliger Hamburger Umweltsenator zolle ich der Stadt große Anerkennung. Als andere Hafenstädte noch geschlafen haben und nicht wirklich an Großkraftwerke auf dem offenen Meer glaubten, hatte Bremerhaven den Mut, in Vorleistung zu gehen“, betont Vahrenholt und verweist auf das Ergebnis dieses Mutes: Über 1.000 Arbeitsplätze sind bereits entstanden, weitere kommen Jahr für Jahr hinzu.

Welche Perspektiven die Windenergieindustrie für Bremerhaven hat, wird schon allein beim Blick auf die Planungen von RWE Innogy deutlich. Die ersten 48 Anlagen machen mit einer Gesamtleistung von rund 300 Megawatt nur einen Teil des Gesamtengagements in Bremerhaven aus. "Bereits bis zur Mitte des Jahrzehnts haben wir den Bau von weiteren 1.000 Megawatt fest im Blick", markiert Vahrenholt die nächsten Meilensteine.

Das schafft nicht nur Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Bremerhaven, sondern auch für Touristen. Mindestens einmal pro Woche werden sie künftig beobachten können, wie das Spezialschiff „Seabreeze“ eine neue Ladung Windmühlen auf Kurs Nordsee bringt. "Das wird ein beeindruckendes Bild", ist Vahrenholt schon heute überzeugt.

Mehr unter www.rwe.com/web/cms/de/86134/rwe-innogy/

6.197 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt:

RWE Innogy GmbH

Barbara Woydtke

E-Mail: barbara.woydtke[at]rwe.com