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Sportgarten: Eine Idee macht Schule

Das Konzept des Sportgartens soll nach Durban in Südafrika exportiert werden.
Das Konzept des Sportgartens soll nach Durban in Südafrika exportiert werden. Foto: Sportgarten e.V.

Die Bremer Jugend-Freizeitanlage "Sportgarten" gilt bundesweit als Modellprojekt für Partizipation. Mitgestalten, mitverantworten, lautet das Prinzip. Jetzt entsteht ein Ableger im Fußball-WM-Land Südafrika.

Bremen: Vom Dach der Skatehalle bis zum Kletterfelsen ist quer über die Anlage eine Leine gespannt, daran wehen die Flaggen der afrikanischen Staaten im Wind. Sie sind die letzten sichtbaren Spuren des "African School Cup", den 36 Schulklassen vor kurzem zur Einstimmung auf die Fußball-WM gespielt haben. Es ist Mittag, noch ist hier wenig los. In der Halle sägen zwei Jugendliche Bretter, eine neue Skate-Rampe soll entstehen. Ein Skater rattert mit seinem Brett über den Asphalt, auf dem Kletterfelsen ist ein Kursleiter mit einer kleinen Kindergruppe unterwegs. In zwei Stunden wird es hier ganz anders zugehen, werden die Fußballplätze belegt, die Rampen in Beschlag genommen sein. Und vor dem Kiosk wird es voll sein.

Beteiligungsprozesse initiieren

Der Sportgarten ist eine nicht-kommerzielle Freizeitanlage für Jugendliche – zum Mitmachen. Sie soll ermöglichen, Sport zu treiben, Treffpunkt sein, zum Mitgestalten animieren. Eine Sportanlage zu bauen, ist kein Problem, sagt Ulli Barde vom Sportgarten. Worauf es ankommt, ist der Betrieb. "Das Konzept des pädagogischen Managements ist wichtig. Beteiligung ist ein Prozess." Der Job der Mitarbeiter ist, Dinge zu ermöglichen. Ideen für Veranstaltungen und Angebote werden hier und in Kooperation mit Schulen und Einrichtungen initiiert und mit den Jugendlichen diskutiert, variiert und umgesetzt; so verfahren die Mitarbeiter auch mit Vorschlägen, die von den Jugendlichen kommen. Aktiv werden, sich einbringen, ernst genommen werden, Verantwortung übernehmen: Darum geht es. Und Sport ist ein probates Mittel, möglichst viele Zielgruppen anzusprechen, so die Erfahrung der Sportgärtner. "Über Sport kann man stinknormale Menschen erreichen, wenn man ihn als Teil des Gemeinwesens sieht und nicht nur als Weg, um Asse zu produzieren", sagt Barde.

Bundesweites Referenzprojekt

Nicht nur bei Wettbewerben ist im Sportgarten volles Haus - der Schlüssel zum Erfolg ist Partizipation.
Nicht nur bei Wettbewerben ist im Sportgarten volles Haus - der Schlüssel zum Erfolg ist Partizipation. Foto: Sportgarten e.V.

Über ein Jahrzehnt nach seiner Entstehung gilt der Sportgarten als Referenzprojekt für Sportanlagen, Partizipation und Integration. Die Idee geht auf die Initiative eines Kinder- und Jugendparlaments im Stadtviertel zurück, das 1995 einen kulturellen Treffpunkt forderte. Im Jahr 2000 wurde der Sportgarten, inzwischen ein Verein, erstmals von der Bertelsmann Stiftung für mitverantwortliche Bürgerbeteiligung ausgezeichnet. Heute sind hier, im Schatten des Weserstadions, Skater, BMXer, Fußballer, Basketballer, Beachvolleyballer und Kletterer zuhause. Daneben ist eine Farm mit Eseln, Ziegen und Reitpferden entstanden. Die Arbeit finanziert sich durch öffentliche und Stiftungsgelder, Sponsoring und eigene Mittel wie zum Beispiel Mitgliedsbeiträge. Vier Vollzeitpädagogen, sieben Auszubildende (zum/zur Sportfachmann/-frau) sowie Übungsleiter, junge Leute, die ein freiwilliges Jahr absolvieren, und Saisonkräfte arbeiten hier.

Eine Idee macht Schule

Vertreter aus anderen deutschen Städten wie Hamburg, Mülheim und Hannover haben sich Anregungen aus dem Sportgarten geholt, jetzt sind Amimi Samkelo Mlaba (20) und Blair Goodenough Mnynadu (25) aus dem südafrikanischen Durban zu Gast. Wenn sie nach ihrem dreimonatigen Praktikum in die Fußball-WM-Stadt zurückkehren, werden sie sich im ländlichen Teil der Region Durban an die Weiterentwicklung eines afrikanischen Sportgartens machen. 2008 hatten Bremer Jugendliche im Valley of Thousand Hills bei der Reparatur einer Skate-Anlage geholfen. Daraus ist eine enge Kooperation, ein Austausch entstanden. "Wir bringen unser Know-how ein", sagt Barde. Inzwischen gibt es eine Absichtserklärung von Bremen und der Partnerstadt Durban, das Projekt gemeinsam voranzubringen. Im Herbst geht eine zweite junge Bremerin im Rahmen eines Freiwilligenprogramms nach Durban, um mitzuhelfen.

Im Werden: der südafrikanische Sportgarten

In Bremen haben Samkelo Mlaba und Blair Goodenough Mnynadu den "African School Cup" mit organisiert, haben Schülern aus ihrer Heimat erzählt. Ihnen erklärt, dass Afrika nicht nur aus einem Land besteht, und das in Südafrika beliebte Mannschaftsspiel Kho Kho beigebracht. Mit den Sportgärtnern haben sie diskutiert, wie sie zuhause weitere Beteiligungsprozesse initiieren können. Im Moment geht es auch darum, neue Sportarten anzubieten. "Die Szene ist in vielerlei Hinsicht anders als hier", erläutert Samkelo Mlaba. "Es ist eine ländliche Gegend, mit viel Natur. Wir haben Felsen, Hügel, einen Fluss."

Der Sportgarten wird ein anderes Gesicht als in Bremen bekommen, aber der Effekt soll der gleiche sein, sagt Amimi Samkelo Mlaba: "Bildung durch Sport." Den Jugendlichen, die kaum Freizeit- und Entfaltungsangebote haben, soll der Sportgarten ermöglichen, ihre Talente zu entdecken, Soft Skills zu entwickeln, neue Leute, Ideen und Dinge kennen zu lernen. Am Ende steht auch die Hoffnung, Jobs zu schaffen. Der Sportgarten könnte sich für Touristen öffnen, sofern die Beteiligten das später wollen. "Vielleicht kommen eines Tages auch Bremer zu Besuch, die wir hier beim African School Cup als Schüler kennen gelernt haben", hofft Blair Goodenough Mnynadu.

Mehr unter www.sportgarten.de

5.230 Zeichen, Autorin: Astrid Labbert

Pressekontakt:

Sportgarten e.V.,

Ulli Barde

E-Mail: barde[at]sportgarten.de