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Der Erfolg hängt am silbernen Faden

Statex-Geschäftsführerin Claudia Erichsen und ihre Tochter Sarah, die sich um die silberhaltige Textilprodukte für den Endverbraucher kümmert.
Statex-Geschäftsführerin Claudia Erichsen und ihre Tochter Sarah, die sich um die silberhaltige Textilprodukte für den Endverbraucher kümmert. Foto: Thomas Joppig

"Das hängt am seidenen Faden", so sagt man meist dann, wenn eine Situation brenzlig ist. Bei der Bremer Firma Statex hängt der Erfolg jedoch nicht am seidenen, sondern am silbernen Faden – und das beständig.

Das Bremer Unternehmen ist Weltmarktführer im Versilbern von Garnen und Geweben. Zu seinen Kunden gehören unter anderem die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA und der US-Geheimdienst CIA.

Dass Silber ein Metall mit besonderen Eigenschaften ist, wussten schon die alten Römer. Sie legten Silbermünzen in ihr Trinkwasser und hielten es auf diese Weise frei von Krankheitserregern. Doch Silber wirkt nicht nur antibakteriell, es hilft auch bei der Wundheilung, fungiert als Wärme- und Stromleiter, hemmt Gerüche, schont die Haut, kann elektromagnetische Strahlen abschirmen und wirkt antistatisch.

Letzteres war der Grund, weshalb der Textilingenieur Kurt Bertuleit 1978 in Bremen die Firma Statex gründete. Damals hielten die ersten Computer in den Büros Einzug. Das verursachte Probleme, Mitarbeiter bekamen immer wieder einen „gewischt“, wenn sie eine Türklinke anfassten. Und manche Computer fielen komplett aus, sobald einer der Angestellten sie berührte: "Das lag daran, dass man sich beim Gang über einen Teppichboden aus Kunstfasern mit bis zu 13.000 Volt aufladen kann", erläutert Statex-Geschäftsführerin Claudia Erichsen, die das Unternehmen inzwischen von ihrem Vater übernommen hat.

Der hatte damals eine Lösung für dieses Problem gefunden: Nylon, das mit einer dünnen Silberschicht überzogen wird, sorgt für die nötige Ableitung, wenn es in den Teppichboden eingewebt wird. Bis heute ist diese Art der Auslegeware weltweit in zahlreichen Büros und in den Flugzeugen verschiedener Airlines zu finden.

Mittlerweile hat sich das Geschäftsfeld der 30 Mitarbeiter großen Firma jedoch beträchtlich erweitert. "Die antibakterielle Wirkung von Silber macht die Garne beispielsweise zu einem idealen Material für Wundauflagen. Die sorgen für eine schnellere Wundheilung als so manches starke Medikament", sagt Claudia Erichsen. "Silber wirkt nämlich gegen viel mehr Bakterienarten als ein Antibiotikum. Trotzdem sind die Wundauflagen erschwinglich, denn für das Versilbern des Materials werden nur sehr geringe Mengen Silber benötigt."

Am Firmenstandort im Technologiepark nahe der Universität Bremen werden Nylongarne, so dünn wie ein Haar, mit einer Silberschicht überzogen: "Das ist ein besonderes Verfahren, das wir selbst entwickelt und im Laufe der Jahrzehnte immer weiter perfektioniert haben", sagt Claudia Erichsen. "Aber es gibt dabei einige Feinheiten, und die sind unser Betriebsgeheimnis."

Auf Forschung und Entwicklung legt man bei Statex großen Wert – auf Ausdauer beim Einführen neuer Produkte ebenfalls: "Wir haben schon in den frühen 80er Jahren auf den medizinischen Nutzen von Silber hingewiesen. Doch damals haben viele Unternehmen abgewinkt." Heute sei die Lage anders. "Die große Zeit der Antibiotika ist vorbei, weil viele Menschen mittlerweile resistent gegen viele Wirkstoffe sind. Stattdessen wird nun mehr und mehr versucht, Krankheiten auf natürlichem Weg zu behandeln." Ein Trend, der der Firma zugute kommt.

Silberhaltige Kleidung aus dem Onlineshop

Eine Mitarbeiterin streicht eine Stoffbahn aus versilbertem Gewebe glatt.
Eine Mitarbeiterin streicht eine Stoffbahn aus versilbertem Gewebe glatt. Foto: Thomas Joppig

Auch in Kleidungsstücken können die Silbergarne ihre positive Wirkung auf den menschlichen Organismus entfalten: "Strümpfe mit eingewebtem Silbergarn helfen zum Beispiel Diabetikern, die oft unter besonders empfindlichen Füßen leiden. Und auch Menschen mit Hautkrankheiten profitieren von der wundheilenden Wirkung des Silbers", sagt Claudia Erichsen. "Außerdem sind die Kleidungsstücke dank des Garns angenehm kühl und riechen auch nach langem Tragen nicht verschwitzt."

Die ersten Reaktionen seien zwar meist ein wenig skeptisch und zurückhaltend, räumt Tochter Sarah Erichsen ein. "Aber sobald die Leute unsere Produkte ausprobiert haben, fragen sie sich nicht mehr, ob es ihnen etwas bringt. Dann wissen sie es." Die 24-Jährige kümmert sich in der neu gegründeten Tochterfirma Silverell um Produkte für den Endverbraucher sowie den dazugehörigen Onlineshop www.silverell.de. Dazu gehören mit versilbertem Garn durchwebte Poloshirts, Gesichtsmasken, Tücher und Kissenbezüge.

Ein weiterer Markt für Statex sind so genannte Abschirmzelte. Sie sorgen dafür, dass wissenschaftliche Experimente ohne Einfluss störender elektromagnetischer Strahlung ablaufen können. Denn dank der außergewöhnlichen Eigenschaften von Silber sind die Zelte undurchlässig für jegliche Datenströme. Das macht sie zu einer echten Alternative zu so genannten geschirmten Räumen. Denn die lassen sich nur mit sehr großem Aufwand einrichten. "Fenster, Schlüssellöcher, Türritzen – undichte Stellen lauern in Räumen schließlich fast überall", sagt Claudia Erichsen.

Kein Wunder also, dass auch die NASA nach einer preisgünstigeren Alternative zu einem geschirmten Raum suchte, als es vor zwei Jahren darum ging, unter großem Zeitdruck einen Fehler in einem Mars-Roboter zu lokalisieren. In einem der Zelte aus Bremen wurde er schließlich gefunden.

Terrorabwehr dank Silbergarn

Ein ähnliches Prinzip liegt auch den Handy- und Laptoptaschen zugrunde, die bei Statex hergestellt werden. Sie werden vor allem von der amerikanischen Polizei FBI und dem US-Geheimdienst CIA verwendet. Der Grund: Sind beschlagnahmte Geräte erst einmal verstaut, lässt sich keine Verbindung mehr zu ihnen herstellen. "Dadurch kann man verhindern, dass zum Beispiel mit Hilfe eines Handyanrufs eine versteckte Bombe gezündet wird", erläutert die Statex-Chefin.

Mehr unter www.statex.de und www.silverell.de

5.522 Zeichen, Autor: Thomas Joppig

Pressekontakt:

Statex GmbH

Claudia Erichsen

E-Mail: info[at]statex.de