Sie sind hier:

Großes Kino im Hafen

Maritime Filmklassiker vor maritimer Kulisse zeigt das Kommunale Kino im Bremerhavener Fischereihafen.
Maritime Filmklassiker vor maritimer Kulisse zeigt das Kommunale Kino im Bremerhavener Fischereihafen. Foto: Kino im Hafen

Cineastische Kunst und eine maritime Kulisse haben sich in Bremerhaven zu einem einzigartigen Ereignis verbunden. Jedes Jahr lockt das "Kino im Hafen" Tausende an. Eine der größten Freiluft-Filmveranstaltungen Deutschlands entstand aus einem Zufall.

Das "Schiff ohne Hafen" gehört nicht zu den Filmen, die Geschichte geschrieben haben. Und doch war der Chef des Bremerhavener "Kommunalen Kinos" (KoKi), Bernd Glawatty, elektrisiert, als er 1995 eine arg beschädigte Kopie des 1932 gedrehten Streifens mit dem in der Vorkriegszeit beliebten Schauspieler und Regisseur Harry Piel fand. "Der Film ist teilweise in Bremerhaven aufgenommen worden", erläutert Glawatty: "Deswegen war er der ideale Streifen, um ihn hier während einer kleinen Veranstaltung zum 100-jährigen Jubiläum der Erfindung des Kinofilms zu zeigen." Dass die "kleine Veranstaltung" Auftakt zu einer großen Veranstaltungsreihe wurde, konnte Glawatty seinerzeit nicht ahnen. Doch tatsächlich war jene Filmnacht im August 1995 die Geburtsstunde des "Kino im Hafen", das zu den größten Freiluft-Filmtreffen im Norden zählt.

Der Auftakt war buchstäblich wackelig. "Wir wollten den Film dort zeigen, wo er gedreht worden ist", erinnert sich Glawatty. Ein Teil des Streifens zeigt eine Verfolgungsjagd durch die alte Bremerhavener Innenstadt und über die Geestebrücke zwischen der heutigen City und dem Stadtteil Geestemünde. Auf der einen Seite des Flusses – vor dem Historischen Museum – stand der Projektor, auf der anderen Seite die Leinwand. Insgesamt 20 Überseecontainer hatte Glawatty dafür aufstapeln lassen: "Weil der Boden darunter nicht dauerhaft tragfähig war, hat die Polizei den Platz rundherum gesichert", erinnert sich der KoKi-Chef.

Anders als der Boden war die Idee dauerhaft tragfähig. "Zu der ersten Aufführung kamen Hunderte, die einfach das alte Bremerhaven sehen wollten", meint Glawatty. Der Film von Harry Piel ist eines der wenigen Kinodokumente, in denen die 1944 zerbombte Bremerhavener Innenstadt noch in ihrer ursprünglichen Schönheit zu sehen ist. Auch der zweite Film, der im folgenden Jahr gezeigt wurde, war in Bremerhaven gedreht worden. "Haie und kleine Fische" (1957 mit Hansjörg Felmy) zog das Freiluft-Publikum aber eher wegen seiner maritimen Atmosphäre in den Bann: "Damit war die Basis gelegt für unser heutiges Programm, maritime Filme in einer maritimen Atmosphäre zu zeigen."

"Das Boot" tauchte auf, die "Titanic" ging unter

Bis zu 12.000 Cineasten zieht das Kino im Hafen mit seinen nur zwei Vorstellungen im Jahr an.
Bis zu 12.000 Cineasten zieht das "Kino im Hafen" mit seinen nur zwei Vorstellungen im Jahr an. Foto: Kino im Hafen

Seit 1996 hat das "Kino im Hafen" seinen festen Platz im "Schaufenster Fischereihafen". Zu sehen war dabei alles, was irgendwo Wasser zeigt. Freddy Quinn, Hans Albers, Humphrey Bogart und anderen Größen des internationalen Filmgeschäfts flimmerten über die 185 Quadratmeter große Leinwand, selbst das "Yellow Submarine" der Beatles und "Das Boot" mit Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeier tauchten auf, während die "Titanic" hier in der 1942er-Originalversion samt Bordorchester unterging.

Neben dem Sehen gehört allerdings auch das Gesehenwerden zum Programm. Zwei Drittel der bis zu 6.000 Zuschauer pro Vorstellung kommen in erster Linie des gesellschaftlichen Ereignisses wegen. Und lassen sich dann dennoch von der cineastischen Kunst in den Bann ziehen. "Bei 'Freddy, die Gitarre und das Meer' hat das Publikum selbst in der letzten Reihe noch getanzt", erinnert sich Glawatty.

Seewolf und Pinguine unterwegs

Auch für dieses Jahr hat er sich wieder ein besonderes Programm einfallen lassen und mit viel Mühe für den Hauptabend (Samstag, 7. August) der zweitägigen Veranstaltung einen Film ausgegraben, der nur selten auf der Leinwand zu sehen ist. "Der Seewolf" mit Raimund Harmstorf ist die Kinofassung jenes Fernsehvierteilers, der in den 70er Jahren wie ein Straßenfeger wirkte. Am Vorabend (6. August) läuft der legendäre Tierfilm "Die Reise der Pinguine". "Es ist unsere Hommage an Bremerhaven als Standort der Klimaforschung", so Glawatty.

"Es ist häufig gar nicht so einfach, die Aufführungsrechte für derartige Filme zu bekommen", meint er. Dennoch will er an seinem Konzept nichts ändern: "Diese Verbindung aus maritimer Hafenatmosphäre und maritimer Filmkunst ist etwas ganz Besonderes." Kinos, deren Leinwand an 20 Container befestigt ist, sind schon sehr selten. Aber eines, bei dem die Sonne mit dem Beginn des Filmabends hinter der Leinwand im Wasser versinkt, gibt es nur in Bremerhaven. Und irgendwann, so ist Glawatty überzeugt, wird auf dieser Leinwand auch sein Lieblingsfilm laufen, die Originalfassung von "20.000 Meilen unter dem Meer". Das einzige Problem: Nur ein Zufall wie jener, der das "Schiff ohne Hafen" zurück in die Kinowelt spülte, kann auch die verschollenen Aufführungsrechte für Kapitän Nemo und seine Geschichte wieder auftauchen lassen.

Mehr unter www.kino-im-hafen.de

4.749 Zeichen, Autor: Wolfgang Heumer

Pressekontakt

Kino im Hafen

Bernd Glawatty

E-Mail: kulturladen-gruenhoefe[at]nord-com.net